Die Maschen der Medien

Neulich verfiel der Bundestagspräsident aufs Poltern: „Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass ein gebührenpflichtiges Fernsehen, das dieses üppig dotierte Privileg allein seinem besonderen Informationsauftrag verdankt, auch an einem Tag wie heute mit einer souveränen Sturheit der Unterhaltung Vorrang vor der Information einräumt.“

Laut Protokoll gab es für diesen Exkurs „Beifall im ganzen Hause.“ Es waren wenige Sätze in einer langen Rede, aber die wohl meistzitierten. Beziehungsweise paraphrasierten. Kritik am Fernsehen ist eine wohlfeile Ware in unseren Tagen. Bücher mit Titeln wie „Seichtgebiete – Warum wir hemmungslos verblöden“ oder „Dummgeglotzt – Wie das Fernsehen uns verblödet“ werden zu Verkaufsschlagern. Natürlich wissen die Autoren, dass ein Medium an sich nicht dumm machen kann. Nach gleicher Masche könnte man beispielsweise auch das Buch pauschal diskreditieren – man selektiere die dümmsten, übelsten, infamsten Machwerke, blende die hochwertige Literatur großzügig aus, und schon wäre bewiesen: Bücher verderben den Charakter.

Ihr Gastgeber in dieser kleinen Blog-Hütte ist Programmteilnehmer seit 1961. Und hat vom Fernsehen bis heute mehr gelernt als in einer Schule, in der den Kindern von Minderprivilegierten kaum Chancen gelassen wurden. Ausgenommen, mit einem massiven Zeigestock brutal verprügelt zu werden. Ihr Gewährsmann bekam späterhin Gelegenheit, den zweiten Bildungsweg beschreiten zu können. (Danke, SPD.)

Andere hatten nicht so viel Glück.

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