Pioniere, „Presenter“ und Phantome

Schon der Fernsehpionier Peter von Zahn praktizierte diese Form – er hätte aber wohl kaum jemals von „Presenter-Reportage“ gesprochen. Diese vollmundige Bezeichnung gilt einer TV-Reportage, in der der Filmautor vor die Kamera tritt, zum Akteur und damit für den Zuschauer präsent wird.

Bei charismatischen Figuren wie seinerzeit Zahn, auch dem jungen Peter Scholl-Latour oder Gerd Ruge mag dieses Gebaren der Sache förderlich (gewesen) sein. Sache meint hier: den Zuschauer für die vom auftretenden Kundschafter gewonnenen Erkenntnisse zu interessieren und sie publikumswirksam zu vermitteln. Aber das gelingt halt nicht jedem. Die ARD liebäugelte zeitweilig mit dem Gedanken, die „Presenter-Reportage“ auf einem fixen Sendeplatz als wiederkehrendes Format zu etablieren, was eine Schnapsidee war und mit Recht verworfen wurde.

Der NDR griff 2008 bei „Panorama – Die Reporter“ auf diese Präsentationsform zurück. Aus dem anfangs magazinartigen, inzwischen monothematisch fortgeführten Konzept entstanden Sendungen, die gerade in der ursprünglichen Form nicht vollends zu überzeugen vermochten. Was das ZDF nicht abhielt, sich von der selben Produktionsfirma, die auch den NDR beliefert, mit „ZDF.reporter unterwegs“ ein verblüffend ähnliches Format besorgen zu lassen. Der NDR aber ist unterdessen schon einen Schritt weiter. In der Sendung „Deutschland – Wie einig sind wir wirklich?“ (Dienstag, 3. November 2009, 21:45 Uhr) ließen die Autorinnen Sylvia Filter und Regine Stünkel einen Moderator durch ein imaginäres „deutsches Haus“ schreiten und dabei über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen räsonieren.

Diese launigen Vorträge waren die Verbindungsstücke zwischen diversen Filmbeiträgen, die das zitierte Datenmaterial am lebenden Beispiel veranschaulichten. Es ging um Ostdeutsche, die nach mehrjähriger ‚Gastarbeitertätigkeit’ im Westen in die alte Heimat zurückkehrten, um westdeutsche Trabi-Fans, um Frisurenmode in Ost und West, um eine Künstlerin, die DDR-Relikte zu Artefakten verarbeitet oder aber an Interessierte weitergibt. Auch geklärt wurde die Frage, ob Ost- und Westdeutsche auf unterschiedliche Werbung reagieren. Interessant: Für Ostdeutsche wird eine wärmere, familiäre Werbung gestaltet. Die dann aber auch bei Westlern Anklang findet.

Die Computertechnik ermöglichte es dem Moderator Kurt Lotz, scheinbar in einzelne Filmszenen hineinzutreten, dort Statistiken ins Bild zu ziehen, Erläuterungen abzugeben. Das geschah, im Unterschied zu einigen furchtbar eitlen, weniger ihr Thema als sich selbst präsentierenden Reportern noch relativ zurückhaltend, sachdienlich, zugewandt. Sicherlich ein eher spielerischer Ansatz, aber einer, der weiter verfolgt werden sollte. Immer vorausgesetzt, das jeweils angegangene Thema ist dafür geeignet.

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