Meldungen und Meinungen

Wenn man diesem oder jenem glauben darf, wird Deutschlands Publizisteninnung von „Meinungsmachern“ angeführt. Dazu fällt als erstes ein: Was sind das für Menschen, die ihre Meinung anderweitig „machen“ lassen? Tut sich hier ein Geschäftsmodell auf? Wenn auch Sie eine eigene, nach Maß gefertigte Meinung wünschen, wenden Sie sich vertrauensvoll an das „Untergeschoss“ (siehe Impressum). Wir verwenden zur Herstellung unserer Meinungen ausschließlich unverfälschte Naturprodukte aus nachhaltigem Anbau.

Gemeinhin wird die Elite der Meinungsmacher von ihren Bewunderern zumeist in den Reservaten der gehobenen Feuilletons und neuerdings auch in der Internet-Publizistik ausgemacht. Da erhebt sich recht eigentlich die Frage, ob der Meinungsaustausch nicht vorrangig unter Art- und Gesinnungsgenossen stattfindet. Die Meinungsfindung der großen Öffentlichkeit aber ereignet sich der Vermutung und aller Erfahrung nach auf andere Weise. Richten wir den Blick doch einmal auf die kleineren unserer Provinzzeitungen und vor allem auch auf kostenlose Anzeigenblätter, deren Herausgeber sich nicht auf den Abdruck von Pressemitteilungen beschränken. Da gibt es zum Beispiel die „Osnabrücker Sonntagszeitung“, die laut Impressum 236.237 Haushalte erreicht und ganz sicher auch hie und da gelesen wird. Die ersten Seiten enthalten aktuelle Meldungen der Nachrichtenagentur AP und selbstverständlich etliche Artikel zum nationalen und regionalen Sportgeschehen. Aber Herausgeber Norbert Fuhs betätigt sich zusätzlich selbst als Journalist, führt Interviews, die er gern in eigenem Duktus zusammenfasst, und kommentiert das große und kleine Weltgeschehen in seiner Kolumne „Die OSZ-Woche“.

In der Ausgabe vom 25. Oktober 2009 (S. 7) beispielsweise gibt er kund und zu wissen, dass eine Klausel im Koalitionsvertrag der neuen Regierung auf die SPD-Medienholding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft mbH (DDVG) abzielt. Fuhs zitiert die „Financial Times“, die in diesem Zusammenhang von Zerschlagung sprach, und setzt hinzu: „So könnte dann wieder Pressefreiheit in dieses Land einkehren.“

Klar, was jetzt kommen muss: Wenn es in diesem Lande keine Pressefreiheit gäbe, hätte Fuhs obigen Satz gar nicht veröffentlichen können. Genausowenig wie seine Tiraden gegen berufstätige Frauen, die er lieber am Herd sähe, und gegen Arbeitslose, die seiner Anschauung nach von Staats wegen durch überhöhte Zuwendungen von der Arbeitsaufnahme abgehalten werden.

Man kann diese Fuhs-Noten, eine krude Mischung aus schiefem Weltbild, hitziger Ereiferung und einem wohlfeilen, finsterer Demagogie schon unheimlich nahekommenden Populismus, leicht belächeln – zumal wenn Fuhs die mangelhaften Deutschkenntnisse unserer Schulabgänger anprangert, aber selbst kaum einen grammatisch korrekten Satz zustande bringt und im Furor auch schon mal Demoskopie mit Demographie verwechselt. Das fuhsische Argot klingt so: „Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat dieses Wochenende ihre neue Regierung stehen. Sie trägt deutlich ihre Handschrift.“

Man muss sich bei aller Lachhaftigkeit des Stilblütenkönigs dennoch fragen, was von seinem allwöchentlich aufgetischten Tohu und Wabohu in den Köpfen der Leser steckenbleibt, vor allem bei denjenigen, die keine andere Informationsquelle heranziehen. Zumindest keine, die als seriös einzustufen wäre.

Lauern in diesem Bereich womöglich die wahren Meinungsbildner? Das wäre schon ein wenig besorgniserregend.

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s