Im Dschungel verirrt

Der Berliner „Tagesspiegel“ hat der Nachrichtenagentur dpa gekündigt und sich dazu an dieser Stelle erklärt. Eine Vertragsaufkündigung ist ein radikaler Schritt. Vielleicht sollte man stattdessen der dpa öfter mal eine Mängelrüge zukommen lassen. Denn vornehmlich im Themenbereich populäre Kultur einschließlich Fernsehen und insbesondere in der programmbegleitenden Berichterstattung gibt es auf Seiten (nicht nur) dieser Agentur Fehlleistungen von einer Größenordnung, die in anderen Bereichen der Geschäftswelt mindestens eine Preisminderung zur Folge hätte. Ein Beispiel: In der ersten Woche dieses Jahres lieferte dpa einen Vorabbericht zur kommenden Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Dabei bediente sich der Verfasser Carsten Rave ausgiebig des von RTL zur Verfügung gestellten Pressematerials, ohne dies kenntlich zu machen.

Einwurf: Warum eigentlich bezahlt man dpa für das Umformulieren frei verfügbarer Pressemitteilungen, wenn das doch auch jeder bessere Praktikant leisten könnte?

Manche Praktikanten könnten das sogar besser als Carsten Rave. Der nämlich schrieb: „Für Moderatorin Sonja Zietlow, die neben Dirk Bach durchs Programm führt, kommt eine persönliche Teilnahme nicht in Frage: ‚Ich würde auch nicht zum Tanzen gehen oder Eiskunstlaufen oder was es sonst so an Prominenten-Übungen gibt. Das ist nicht so meins.“

Ein Blick aufs RTL-Material, das über das Web allgemein verfügbar war, zeigt: Da war Rave aber einiges durcheinander geraten. Denn die zitierte Aussage stammte nicht von Zietlow, die sich genau gegenteilig geäußert hatte: “ Würde ich es nicht mittlerweile das vierte Mal moderieren, hätte ich es mir schon vorstellen können, da mal rein zu gehen, weil ich persönlich das wirklich als Erfahrung betrachte. Ich würde gerne wissen, wie ich reagiere, weil ich mir so denke, dass ich das relativ locker durchziehen würde. Aber das ist natürlich leicht gesagt.“

Werfen wir nun einen Blick auf das Interview mit Zietlows Komoderator Dirk Bach, der ebenfalls gefragt wurde, ob er sich vorstellen könne, im Camp einzuziehen: „Nein, niemals. Ich würde auch nicht Tanzen gehen oder Eisschuhlaufen, oder was es sonst so an Prominenten-Übungen gibt. Das ist nicht so meins.“

Einer der Abnehmer jenes fehlerlastigen dpa-Textes war übrigens – der „Tagesspiegel“.

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