Kurz und würzig

Ein offenbar eher kurzfristig getroffenes Arrangement führte dieser Tage Molly Hatchet in die Stadtmauern. Den martialischen Albumcovern nach scheinen sie der Zunft der Gothic- und Fantasy-Metaller zugehörig, doch das täuscht. Das 1975 gegründete Sextett stammt aus dem sonnigen Florida, seine Musik speist sich im Wesentlichen aus Blues und Rock’n’Roll, es bewegt sich folglich auf gleichem Spielfeld wie The Outlaws, die Allman Brothers und Lynyrd Skynyrd (im Frühjahr 2010 auf Deutschlandbesuch). Letzteren ward, man ist befreundet, im Rahmen des Konzerts eine fast originalgetreue Coverversion von „Free Bird“ als Tribut gewidmet; die Allman Brothers erfuhren schon 1978 auf dem ersten, nur den Gruppennamen führenden Album (kauderwelschende Skribenten hießen es „selbstbetitelt“) eine Ehrung, als Molly Hatchet die Gregg-Allman-Komposition „Dreams I’ll Never See“ einspielten und auf ihre eigene Weise und sehr gekonnt die Qualitäten dieses Songs herausarbeiteten. Noch heute zählt er zu den Höhepunkten des Konzerts, wenngleich der aktuelle Lead-Sänger nicht über das Nuancierungsvermögen des leider verstorbenen Amtsvorgängers Danny Joe Brown verfügt.

Das aktuelle Gastspiel hinterließ insgesamt eher gemischte Gefühle. Der geringe Bekanntheitsgrad und mangelhafte Werbung zwangen die Band in einen Club von etwas mehr als Wohnzimmergröße mit nur ein paar Dutzend Zuhörern. Das gab dem Ganzen zwar ein Flair von Südstaaten-Roadhouse, weckte aber auch mitleidige Gefühle, da Ihr Berichterstatter die Herren schon in größeren Arenen auftreten sah. Die Band, die mit Dave Hlubek nur noch über ein Gründungsmitglied verfügt, ließ sich keinerlei Frustrationen anmerken, lieferte aber nur ein Minimalprogramm von 75 Minuten und verzichtete sogar auf eine Zugabe, was aber auch in technischen Problemen mit Bobby Ingrams Gitarrenverstärker begründet gewesen sein mag.

Nach der Arbeit saß die Truppe mit Ausnahme des abwesenden Herrn Ingram, heutigentags der Kopf der Formation, im Hinterzimmer, um frisch gekaufte T-Shirts zu signieren. Doch das bereits um 28 Euro für ein Kurzkonzert erleichterte Publikum zeigte sich wenig investitionsfreudig. Widerwillig ließen sich die Musiker nach anfänglicher Weigerung dann doch dazu herbei, auch Plakate, mitgebrachte LP-Cover und irgendwelche Zettel abzuzeichnen.

Ein paar Anspieltipps für Freunde dieser Musiksparte:

„Gator Country“ und „Dreams I’ll Never See” auf dem Album „Molly Hatchet“

„Beatin’ The Odds” auf dem gleichnamigen Album

„Take Miss Lucy Home” auf dem Album „Lightning Strikes Twice” und das Live-Album „Double Trouble”, noch mit Danny Joe Brown am Mikrofon. R.I.P.

Album-Cover "Double Trouble Live" (Steamhammer/SPV)

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