Menschen, Tiere, Kapriolen – und alles in XXL

Das Fernsehjahr 2009 aus Zuschauerperspektive – alphabetisch sortiert und abgeheftet

Analogfernsehen – Brachialen Digitalisierungsbemühungen zum Trotz wollte die alte Dampftechnik noch nicht weichen. Das hat auch Vorzüge.

Blamage – N-TV und N24 wollten einst als deutsche Antworten auf CNN reüssieren. Das ging daneben. N24 ist jetzt von Einstellung bedroht – hat aber immerhin im Vergleich zu anderen oft ein akzeptables Nachmittagsprogramm geboten.

Comedy – Wirkte 2009 ranziger denn je: altbekannte Namen mit abgedroschenen Nummern. Nur Christine Neubauer sorgte im ZDF-Zweiteiler „Heiße Spur“ für Gelächter. Wenn auch unfreiwillig.

Doku-Soap – Geboren aus dem öffentlich-rechtlichen Qualitätsschaffen der britischen BBC, wurde diese Form hierzulande von privaten Sendern zuschanden gemacht. Eine Rückeroberung durch seriöse Dokumentarfilmer ist das Gebot der Stunde.

Eventmovie – Erfreut sich vor allem als Kostümfilm weiterhin großer Beliebtheit. Und bindet Mittel, für die man ein Mehrfaches an engagierten Filmen mit zeitgenössischer Thematik herstellen könnte.

Finale – Dem Gefühl nach dauert „Germany’s Next Top Model“ inzwischen mit allen Vorspielen und Nachwirkungen ein volles Jahr. Im Dezember warb ProSieben bereits wieder für ein „Live Casting“. Als Gegenteil von „zu Tode gecastet“?

Geburtstagsgeschenk – Ein Präsent nach Danaer-Art erhielt 3sat zum 25. vom ZDF: eine Kürzung der Zuwendungen.

Hirschhausen, Eckart von – War 2009 so häufig im deutschen Fernsehen zu sehen, dass man ihm eine baldige Kreativpause mehr als gönnen würde.

Innovation – ZDFneo lockt das jüngere Publikum und findet das anspruchsvolle: Serien wie „30 Rock“ oder „Taking the Flag – Reporter auf Kriegsfuß“ können sich sehen lassen.

Jauch, Günther – Liebäugelt wohl weiterhin mit der ARD. Harald Schmidt fand dafür die richtigen Worte, als er in einer Scholl-Latour-Parodie den Namen „Günther Jauch“ und die Sentenz „den Feind ins Haus holen“ in einen sinnfälligen Zusammenhang nuschelte.

Klum, Heidi – ProSieben-Betriebsnudel, der selbst hartnäckigste Ignoranten kaum entkommen konnten. Da erging es einem wie mit Christine Neubauer.

Late Night Show, die – … ist als Sendeform viel zu schade, um sie an Oliver Pocher zu vergeuden. Löblich aber, dass Sat.1 das Format allen Rückschlägen zum Trotz weiterhin pflegt.

Magazine, politische – Verlieren an Quote, was zu Weh und Ach bei Herstellern und Nutzern führte. Andererseits eröffnete „Kerner“ bei Sat.1 mit einem kompromisslosen Beitrag über die sittenwidrigen Arbeitsbedingungen bei Aldi. Hätte er doch nur so weitergemacht …

Nuhr, Dieter – Im Comedy- und Kabarettbereich neue Allroundwaffe des ZDF. Kein Wunder – Nuhrs gemessenem Vortragstempo können reifere Zuschauer bestens folgen. Das muss der Mainzer Hofnarr bei Christine Neubauer abgeguckt haben.

Originalton – Essenz der diesjährigen Moderationsleistungen bei „Wetten, dass …?“: „Ich verstehe dich grad nicht.“ (Wettkandidat Detlef) – „I didn’t understand any of that.“ (Hugh Grant) – „Worum geht’s denn?“ (Nora Tschirner)

Popmusik – War 2009 als Programminhalt des Fernsehens wieder im Kommen. Man kriegt es allerdings nicht mit, wenn man stur MTV guckt und auf die Wiederkehr der Videoclips wartet.

Quarantäne – Aus der Quarantäne ent- und für den Bildschirm wieder zugelassen wurde die zeitweilig mit Schleichwerbung infizierte Andrea Kiewel.

Repertoiredauerbrenner – Die Wiederholungen eingeschlossen, sind die Serien der „Law & Order“-Gruppe mit 14 Ausstrahlungen pro Woche bei RTL, RTL 2 und Vox das erfolgreichste Produkt der Sparte. Wobei die deutsche Fassung „Im Namen des Gesetzes“ (RTL) eigentlich auch noch hinzugerechnet werden müsste. So häufig erscheint nicht einmal die aufdringliche Christine Neubauer.

Spielertausch – Das ging ja zu wie in der Bundesliga: Kerner und Pocher zu Eintracht Sat.1, Pilawa zu Dynamo ZDF, Cantz zur Spielvereinigung ARD … Selbst Christine Neubauer wechselte mal kurz zum ZDF.

Themenabend – Ehedem vor allem mit Arte verknüpft, fand sich diese Art der Programmgestaltung im Jahr 2009 vom Bayerischen Rundfunk bis hin zu Kabel 1.

Unterschichtenfernsehen – Das abwertende, dem „Untermenschen“ so verdächtig nahe Wortungetüm blieb auch 2009 in Mode. Was soll es bedeuten? Darf den vermeintlichen Unterschichten, die ja in Zeiten der Krise quasi täglich größer werden, kein Programm zugedacht werden?

Vierte, Das – Wurde, von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, von Grund auf renoviert. Obacht, Bollywood-Fans: Hier haben die indischen Deluxe-Musicals ein neues Zuhause gefunden. Die machen mehr Spaß als die Klamotten mit Christine Neubauer.

Wildbahn, freie – Zoogeschichten, Safaris, Exkursionen – und selbst bei „Das Supertalent“ gewann ein Hund. Tiere waren 2009 die wahren Zuschauermagneten. Und die Eisbären sterben in Wahrheit gar nicht aus – sie sind nur sämtlich auf der Flucht vor deutschen Naturfilmern. Beliebter als alles zwischen Aal und Zibetkatze ist nur sie: das einzige wahre Supertalent Christine Neubauer.

XXL – Weiterhin beliebtes Kürzel bei der Programmbetitelung, sei es „Meerschweinchen XXL“ (Vox), „Comedystreet XXL“ (ProSieben) oder, die unzureichend durchdachte Version, „Mein neues Leben XXL“ (Kabel 1). Dem Gentleman verbietet sich an dieser Stelle jede Anspielung auf Christine Neubauer.

Zuwachs – Umfragen zufolge konnten sich viele Zuschauer mit der Anwesenheit Michelle Hunzikers auf der „Wetten, dass …?“-Bühne noch nicht anfreunden. Bei unbefangener Betrachtung aber hat die Reihe an Routine verloren und damit deutlich gewonnen.

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