Synchronesisch

Mit Verständnis und nicht ohne Wohlwollen wurde von der Leitung dieses Blog-Hauses zur Kenntnis genommen, dass Bundesverkehrsminister Ramsauer (CSU) in seinem Wirkungsbereich das Schnösel- und Döselenglisch untersagt hat. Kein „Travel Management“ mehr, keine „Task Force“, keine „Inhouse Meetings“, keine „Deadline“. Leider verschweigen die Nachrichtenagent- und auguren, wie Ramsauer mit Begriffen wie „Smoking“, „Trenchcoat“, „Pullover“ oder „Internet“ zu verfahren gedenkt. Und was ist mit Lehnworten anderer Herkunft? Von A wie „Agenda“ über „Monitor“, „Politik“ und „Subjekt“ bis hin zu „Zylinder“ – man könnte Bände damit füllen. Unsere Großeltern übrigens französelten in Nachahmung großbürgerlichen „Jargons“ und parlierten wie selbstverständlich über „Plumeau“, „Volant“, „Chemisett“ und die „Chaiselongue“.

Quälender noch als das so genannte „Denglisch“ ist Synchronesisch. Gemeint sind sprachliche Einsprengsel, die auf schlampige – und es gibt ja kaum noch andere – Filmsynchronisationen zurückgehen. „Nicht wirklich“ zählt dazu („not really“) und das inzwischen allgegenwärtige „süß“ („sweet“ lässt sich mit „lieb“, „lieblich“, „frisch“, „nett“, „freundlich“ übersetzen, was zeigt: eine korrekte Wortwahl ermöglicht die Präzisierung der ursprünglichen Aussage). „Pathetic“ bedeutet „mitleiderregend“, „jämmerlich“, „lächerlich“, wird aber im Synchronesischen zu, na klar, „pathetisch“. Ähnlich hören wir „überhört“, wenn ein angelsächsischer Schauspieler „overheard“ sagt und damit „zufällig belauscht“ oder „mitgehört“ meint.

„He’s history“ hat sich als „er ist Geschichte“ im deutschen Sprachraum etabliert, ebenso der „Loser“, vulgo „Verlierer“, der aber ein „Versager“ sein müsste. Kaum noch wegzudenken: „that makes sense“, allgemein bekannt als „das macht Sinn“.

Die mit Abstand dümmsten, aber tatsächlich vorgekommenen Übersetzungsleistungen:

„self-titled“ – „selbstbetitelt“

„shorthand“ – „mit kurzer Hand“

„Hardcopy“ – „Hartkopie“

Sie kennen weitere Sprachtorheiten der beschriebenen Art? Nur immer her damit – hier werden sie gesammelt und an den Pranger gestellt.

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