Rückblick

Die Nominierungen zum diesjährigen Grimme-Preis wurden eben bekannt gemacht. Sie sind, allen populistischen Unkenrufen zum Trotz, Ausweis der großen Vielfalt und bemerkenswerten Qualitäten des deutschen Programmaufkommens. Mit einer Ausnahme: die Sektion Unterhaltung.

Die Klage über den Zustand der deutschen Fernsehunterhaltung mag inzwischen wie ein Ritual wirken, aber sie ist begründet, wie der Blick aufs Programmjahr 2009 neuerlich zeigt: Das Angebot erschöpfte sich weitgehend im Bewährten, oft in Form lizenzierter oder verkappter Übernahmen ausländischer Formatideen. In Deutschland blieben originäre Formatentwicklungen rar. Auf öffentlich-rechtlicher Seite zeigte allenfalls der MDR noch den Willen zur Eigenkreation. Bei den privaten Sendern war und ist Stefan Raab in dieser Hinsicht die dominierende Kraft. Und zwar in einem Maße, dass inzwischen das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Sachen Eurovision Songcontest bei Raab um Entwicklungshilfe nachsucht.

Und hier das Positive: Harald Schmidt hat seine Late-Night-Show, unter anderem durch Verjüngung des Teams, einer gelungenen Generalüberholung unterzogen. ProSieben vermochte mit der „TV total Bundestagswahl“ und „Sido geht wählen“ junge Zuschauer mit Erfolg an das Thema Politik heranzuführen. Mit „Der kleine Mann“ (ProSieben) gab es immerhin eine überzeugende Serie auf dem Gebiet der fiktionalen Unterhaltung. Und es entstanden neben der klassischen, kaum preiswürdigen Form abgefilmten Kabaretts einige satirische oder zumindest komische Sendungen, deren Urheber die spezifischen Mittel des Fernsehens zu nutzen wissen. Sendungen wie „Der schwarze Kanal“ im ZDF, „Deutschland von A-Z“ auf 3sat, „Broken Comedy bei ProSieben zeugen davon.

Davon sähe man – als einfacher Zuschauer gesprochen – im nächsten Jahr gerne mehr.

(Der Autor war Mitglied der Nominierungskommission Unterhaltung.)

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