Der Autor und die Schnüfflerin

Es gab eine Zeit, da RTL den Fernsehzuschauern in festem Turnus schöne Stunden bescherte. Mit Importserien wie „Chefarzt Dr. Westphall“ zum Beispiel (Kennern  dieser innovativen Klinikserie erscheint „Emergency Room“ bei aller Wertschätzung denn doch etwas weniger revolutionär), „L.A. Law“ oder auch „Das Model und der Schnüffler“ mit Cybill Shepherd und Bruce Willis. Letztere, der Originaltitel lautet „Moonlighting“, muss man sich in etwa so vorstellen, wie wenn Billy Wilder auf seine alten Tage eine Fernsehserie entworfen hätte und dabei noch einmal zu absoluter Hochform aufgelaufen wäre.

Einen nicht ganz ebenbürtigen, aber durchaus würdigen Nachfolger hat jüngst Kabel 1 mit „Castle“ eingekauft. Hauptfigur ist ein vor Charme und Selbstbewusstsein nur so strotzender Autor von Bestsellerkrimis. Gespielt wird dieser umwerfende Kerl von Nathan Fillion, vordem unter anderem der Käptn der „Serenity“ in Joss Whedons Kultserie „Firefly“ sowie einige Folgen lang Gaststar bei „Desperate Housewives“. Als Richard Castle drängt er sich hartnäckig in das Berufsleben der spröden Kriminalbeamtin Kate Beckett (Stana Katic; für Trivia-Sammler: Sie gehörte zum Ensemble des Bond-Abenteuers „Ein Quantum Trost“) und zerrt mächtig an deren Nervenkostüm. Beide sind nicht auf den Mund gefallen, und so sprüht die Serie vor funkelnden Dialogen.

Jeder Kriminalfall wird zu einem Duell zwischen den beiden. Mal trägt Castle zur Lösung bei, weil er die gesammelten Fakten nach den Maßgaben eines Krimiplots analysiert, mal muss er hinnehmen, dass die Produkte seiner dichterischen Fantasie durch die Zwänge realer Polizeiarbeit widerlegt werden. So ist die Auswertung von Fingerabdrücken beispielsweise nicht innerhalb weniger Minuten möglich. Es hilft allerdings, wenn man, wie Castle, mit dem New Yorker Bürgermeister befreundet ist. Ein Anruf, und die Ermittlungsarbeiten werden erheblich beschleunigt. Kate Beckett allerdings sieht diese Privilegierung gar nicht gern; sie hält sehr viel von Prinzipien und verlässlichen Strukturen.

Das alles ist schon schön gestaltet und empfunden, aber da gibt es auch noch Alexis (Molly C. Quinn), die aufgeweckte Tochter des allein erziehenden Vaters Castle, ein wirklich missratenes Kind: Sie geht früh zu Bett, macht brav ihre Schularbeiten und versteht sich darauf, die Eskapaden ihres Vaters spitzzüngig zu kommentieren.

„Castle“ läuft samstags um 20.15 Uhr bei Kabel 1. Sage niemand, es gebe keine Alternative zu „Deutschland sucht den Superstar“.

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