Querschüsse von der Borderline

„Wie kommt jemand dazu, Interviews frei zu erfinden?“, fragt Ines Pohl, Chefredakteurin der taz, und sucht hier eine Antwort. Gern läse man auch mal eine Erörterung, warum sie ihre Zeitung mit Erfundenem füllen lässt. Da muss Frau Pohl nicht lang blättern. Hier beispielsweise schrieb Jan Feddersen in seinem gewohnt kruden Stil, bei dem bald jeder Satz einem Überfall auf die deutsche Grammatik gleichkommt: „‚Satellite‘ favorisierten die SMS- und Televotingabstimmenden, ein Sprechgesang im Stile weißen Raps, der inhaltlich davon berichtet, dass eine junge Frau einen Mann begehrt, sie ihn toll findet, er sie aber nicht über das Dasein eines Satelliten in seinem Leben weiter haben möchte – und sie ihn deshalb für ein Miststück hält.“

Schauen wir uns mal den Refrain an, wie er hier dokumentiert wird:

Love, oh love
I gotta tell you how I feel about you
Cause I, oh I, can’t go a minute without your love
Like a satellite
I’m in Orbit all the way around you
And I would fall out into the night
Can’t go a minute without your love

Den „weißen Rap“ lassen wir mal als Ansichtssache durchgehen, erinnern aber auch an den Satz: „Hier Lena Meyer-Landrut, die in jedem ihrer Sätze ein syntaxkorrektes Deutsch spricht und selbst ein Wort wie ‚Medienbibliothek‘ unfallfrei, ja nachgerade tagesschausprecherinnenhaft sagen kann.“

Originalzitate Meyer-Landrut: „Derbe.“ – „Krass.“ – „Verdammte Scheiße.“ Sehr tagesschausprecherinnenhaft, fürwahr. Diese kurzen Sätze immerhin führte sie bis zum Punkt. Viele andere blieben unvollendet. Macht ja nichts, kann man doch ruhig wahrheitsgetreu berichten. Doch Jan Feddersen macht sich seine Welt wiedewiedewie sie ihm gefällt: „Jennifer Braun allerdings, [sic!] nimmt sich gegen die bildungsbürgerlich versierte Lena Meyer-Landrut wie die kämpferische Gesamtschülerin aus, die es allen hochnäsigen Pädagogen einmal tüchtig zu zeigen weiß.“

Tatsächlich ist es Meyer-Landrut, die eine Gesamtschule besucht. Wie kommt jemand dazu, solche Dinge einfach zu erfinden?

Da nimmt es doch nicht wunder, wenn taz-Leser Franz Scherer die Frage stellt: „Liest eigentlich hier irgendjemand die Sachen gegen?“

Bei der taz offenbar nicht. Aber wir von der Arbeitsloseninitiative – wir machen das. Gern auch gegen Entgelt.

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