Sie müssen draußen bleiben

Es wird einem ja doch langsam ein wenig mulmig zumute. Der „Tagesspiegel“ ist der Ansicht, die Kandidaten von „Deutschland sucht den Superstar“ („DSDS“) stammten aus dem „Menschenzoo, Abteilung Prekär“ und spricht an anderer Stelle vom „RTL-‚Migrantenstadl’“. In der taz hieb Jan Feddersen mehrfach in die gleiche Kerbe; ähnliche Tendenzen finden sich auch anderswo.

Fraglos lässt sich in vielen Punkten Kritik üben an „DSDS“, der deutschen Adaption des britischen TV-Formats „Pop Idol“. Aber in einem handelt RTL vollkommen richtig: Man akzeptiert dort die Migranten-Kinder, gibt ihnen Raum und vermittelt ihnen das Gefühl, dass diese Gesellschaft auch ihnen eine Perspektive bietet.

Der „Tagesspiegel“ und andere aber schaffen Gegensätze und grenzen aus, wie sich beispielhaft an der Berichterstattung über „DSDS“ und „Unser Star für Oslo“ („USFO“) belegen lässt. In dieser Diktion sind die Mitwirkenden von „DSDS“ erkennbar ‚die Anderen’, die Fremden,  welsches Volk, das Misstrauen und Unbehagen weckt. In „USFO“ will man hingegen einen ‚bürgerlichen‘ Gegenentwurf im Genre Casting-Show entdeckt haben und glaubt dort die entsprechenden Werte wie kulturelle Bildung, Fleiß, Tugend etc. repräsentiert.

Das erscheint zumindest von der Sprache her äußerst problematisch, weil diese Terminologie Verachtung vermittelt und Ressentiments bedient. Dabei beruht die Kernaussage auf Irrtümern oder verkrümmten Tatsachen. Denn die Teilnehmer von „DSDS“ sind keine Migranten, sondern deren Nachfahren, mithin Deutsche. Und Mitwirkende mit verwandten Biografien gab es auch bei „USFO“. Dort allerdings wurden alle Interpreten fremder Herkunft frühzeitig Opfer der Auslese.

Wo kämen wir denn auch hin, wenn Deutschland in Oslo von einem Sänger schwarzer Hautfarbe oder einer Interpretin mit arabischen Wurzeln vertreten würde …

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