Ein starkes Stück

Die in der Regel in polemischer oder populistischer Absicht geäußerte Frage, wozu ‚wir’ Rundfunkgebühren bezahlen, findet eine von vielen möglichen Antworten in der Ausstrahlung des Films „Sexobjekt Kind“ am 19. April um 21.00 Uhr in der ARD. Beim Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder sind affektgeladene Reaktionen üblich. Umso nötiger war es, das Sujet einmal frei von emotionaler Empörung und spekulativer Ausbeutung aufzubereiten. Der Autor Sebastian Bellwinkel geht in seiner 45-minütigen Dokumentation den Ursachen dieser Verbrechen mit journalistischer Neugier und der gebührenden Geduld auf den Grund. Da bleibt als Eindruck nicht zuletzt, dass die als Antwort auf konkrete Fälle reflexartig abgesonderten Betroffenheitsbekundungen aus der politischen Sphäre nur als Heuchelei wahrgenommen werden können. Denn ob in der Prävention oder der Strafverfolgung, überall wird in einer Form gespart, die den Verbrechen geradezu Vorschub leistet. So wenn Computerfestplatten voller mutmaßlicher Kinderpornografie an die Besitzer zurückgegeben werden müssen, weil der Personalbestand der Ermittlungsbehörde nicht ausreicht, die Beweismittel innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Rahmens auszuwerten. Oder wenn einsitzende Täter um eine Therapie nachsuchen, diese aber nicht gewährt bekommen.

Bei der ARD-Ausstrahlung handelt es sich um eine Wiederholung, ursprünglich entstammt die Produktion der bemerkenswerten Reihe „45 Minuten“ des NDR. Es gab anlässlich der Erstausstrahlung auch Kritik an diesem Film: hier würden Sexualstraftäter pathologisiert. Ein seltsamer Einwurf, da doch gerade pathologische Sexualstraftäter Thema dieser filmischen Arbeit sind.

Lobenswert von der ARD, Bellwinkels informativen und wichtigen, ja maßgeblichen Film im Hauptprogramm und noch dazu ausnahmsweise zu einer vorteilhaften Sendezeit aufzuführen. Denn er zeigt, wo konstruktive Maßnahmen ansetzen könnten und beweist zugleich: Eine Versachlichung der Debatte käme den gewünschten Zielen durchaus zugute.

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