Der Wochenspiegel 14.10

Bei Kabel 1 wandern zwei Qualitätsserien  immer tiefer ins Nachtprogramm. Betroffen ist zum einen „Hack – Die Straßen von Philadelphia“ (samstags), eine mit den Charaktermimen David Morse und André Braugher besetzte Serie aus der Feder von David Koepp. Koepp zeichnet als Szenarist für Filme wie „Carlito’s Way“, „Panic Room“ und „Spider Man“ verantwortlich, legte „Hack“ jedoch weit weniger action-lastig an als seine Kinoarbeiten. Als Hauptfigur dient ihm ein früherer Kriminalbeamter, der sich im Dienst an Drogengeld vergriffen hat und nun als Taxifahrer arbeitet. Dabei stößt er immer wieder auf Klienten, die seiner Hilfe bedürfen. Zugleich hadert er mit seinem Entschluss, seinen gleich schuldigen Partner gedeckt zu haben. Während der vermeintlich unbescholten weiterhin im Beruf bleiben konnte und ein harmonisches Eheleben führt, ist Hacks Familie zerbrochen, das Verhältnis zur Ex-Frau und zum kleinen Sohn problembelastet. Ein Grübler, Suchender, Sünder als Protagonist – so eine Serie hat es natürlich nicht leicht zwischen selbstgerechten Egomanen wie Horatio Caine und seinesgleichen.

Auch „Practice – Die Anwälte“ (freitags) fand sich nicht mehr auf dem ausgedruckten Programmplatz. David E. Kelley, der Meister unter den Serienautoren und –produzenten, schuf mit dieser Anwaltsserie ursprünglich einen düsteren Gegenentwurf zu seinen heiteren Serien wie „Ally McBeal“. Bei der nunmehr von Kabel 1 gezeigten achten Staffel änderte sich der Tonfall; sie wurde mit Eintritt der Figur Alan Shore (James Spader) und Gaststars wie Sharon Stone peu á peu zum Vorspiel für „Boston Legal“, das dann wieder die von Kelley gewohnten spritzigen Wortgefechte, aktuellen politischen Bezüge, aberwitzigen Handlungsideen aufwies. Eins haben alle Kelley-Produktionen gemein: ein Herz für Außenseiter. Kelley machte das Tourette-Syndrom bereits bei „L.A. Law“ zum Thema, zu einer Zeit also, als viele Schlauberger noch nicht einmal wussten, wie man das schreibt. So wertvoll kann fiktionales Fernsehen sein.

RTL scheint gerade dem an sich recht schönen Show-Format „Let’s Dance“ den Garaus bereiten wollen. Das Original „Strictly Come Dancing“ stammt aus Großbritannien und gewinnt seinen Reiz aus einer gewissen Noblesse, was Kulisse, Kostüme und Auftreten aller Beteiligten anbelangt. Ursprünglich schien man bei RTL das Erfolgsrezept – das Format wurde in viele Länder verkauft – verstanden zu haben. Doch nun wurde mit Daniel Hartwich ein Komoderator berufen, der scheint’s glaubt, in die Fußstapfen Oliver Pochers treten zu müssen. Pocher hatte 2005 bei ProSieben durch eine einmalige Billigvariante dieser Show mit dem Titel „Das große ProSieben-Tanzturnier“ geführt und dabei ähnlich dümmlich-zotig agiert wie nunmehr auch Hartwich. Unklugerweise lassen sich andere Beteiligte wie der Juror Joachim „the man you love to hate“ Llambi auf dieses Niveau herunterziehen. Nichts gegen Anzüglichkeiten, aber gepflegt müssen sie sein. Und: Gegenstand dieser Tanz-Show ist es, Bewegungen und Bewegungsabläufe zu bewerten. Der Zuschauer kann daran kaum teilhaben, wenn die Tanzeinlagen in winzige Einheiten zerlegt werden. Hier sind keine Videoclip-Schnittfrequenzen im Schnellfeuerstil, sondern lange Einstellungen gefragt. Der RTL-Unterhaltungschef sollte dringend einige Mitwirkende zur Dienstbesprechung laden.

Immer noch sensationell: „Battlestar Galactica“, mittwochs im Programm von RTL II. Diese Neuauflage der klassischen Space-Opera aus den 70ern überragt das Original bei weitem. Hier lernt man mindestens so viel über Politik, Philosophie und Religion wie bei „Scobel“ und im „ZDF-nachtstudio“, nur wird der Stoff ungleich attraktiver und spannender aufbereitet. Ganz großes Fernsehen.

Es ist ja schön, dass das ZDF mit der Serie „Klimawechsel“ langsam wieder zu einem frecheren Tonfall findet, der dort einstens in Reihen wie „Express“ und „Notizen aus der Provinz“ durchaus ein Zuhause hatte. Und doch handelt es sich um reinstes Oberschichtenfernsehen über bevorteilte Menschen mit Luxusproblemen. Erwartbar, dass eine Kritikerkaste daran Gefallen findet, die sich gegenüber Minderprivilegierten bestenfalls paternalistisch, schlimmstenfalls grob abwertend äußert. Seltsam auch, dass nirgendwo die grässlich sterile Bildästhetik dieser Serie moniert wurde. Als der SFB seinerzeit ein paar „Tatort“-Folgen in diesem Stil drehen ließ, hagelte es Schimpfe von allen Seiten.

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