Inflationäre Entwicklung

Die „Frankfurter Rundschau“ erhöht zum 1. Mai ihren Bezugspreis und begründet dies in der heutigen Ausgabe unter anderem damit, „die von Ihnen gewohnte Qualität auch weiterhin gewährleisten“ zu wollen.

Keine gute Strategie. Denn die jetzige Qualität möchte man gar nicht gewährleistet wissen. Zum Beispiel: Im Kulturteil der aktuellen Ausgabe wird zum aberhundertsten Male der Name Robert De Niro falsch, nämlich „de Niro“, buchstabiert. Eigentlich sollte man in dieser Liga doch wissen, dass eingeborenen Amerikanern das Tragen eines Adelstitels verboten ist. Weshalb das entsprechende Präfix zum Nachnamen zählt, ergo groß geschrieben wird. Bei einem Beitrag über den geplanten Teilabriss des Stuttgarter Hauptbahnhofs hielt man es nicht für nötig, den Gegenstand des Textes verständnisfördernd ins Bild zu rücken und griff auf ein nichtssagendes Symbolfoto zurück. Leserfreundlich ist das nicht. Die Fotoabteilung aus dem Untergeschoss hilft gerne weiter. Siehe unten.

Auf der Medienseite wird ein Interview mit den Worten eingeführt: „Regisseur Stefan Krohmer und Hauptdarsteller Christoph Bach über Denkmäler und ihre Zertrümmerung (…)“. Genau diesen Ansatz verweigert Krohmer: „Aber es ging mir dabei weder um das eine noch das andere.“ Ist es eigentlich zuviel verlangt, dass Redakteure die von ihnen verantworteten Artikel vorweg gründlich lesen?

Von Grammatik und Orthographie fangen wir mal gar nicht erst an. Seit einiger Zeit beschäftigt die „Frankfurter Rundschau“ einen Redakteur, der Hinweise auf inhaltliche Fehler sammelt und in einer Kolumne auf der Leserbriefseite Richtigstellungen vornimmt. Wäre es nicht eine Überlegung wert, in die Fehlervermeidung zu investieren?

Wenn aber gewisse freie Mitarbeiter Zitate verfälschen und auch sonst zum Erfindungsreichtum neigen und die Redaktion diese Herrschaften trotz entsprechender Hinweise unverbrüchlich weiterbeschäftigt, mag man an den behaupteten Qualitätsanspruch eigentlich nicht mehr so recht glauben.

Einer der zum Abbruch vorgesehenen Seitenflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs. © Harald Keller

Demnächst Baugrube? Bahnhofsnaher Teil des Schlossgartens. © Harald Keller

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