Verlorene Illusionen und andere zeitlose Themen

Ein gutes Stück abseits der Hauptsendezeit, nämlich am sonntäglichen Mittag, finden sich bei ProSieben mit „Gossip Girl“ und „Greek“ zwei US-amerikanische Serien, die auf je unterschiedliche Weise von literarischem Hintergrundwissen zeugen. „Gossip Girl“ erzählt von verwöhnten und verdorbenen Jugendlichen vorwiegend aus der New Yorker Oberschicht und zeigt sich dabei der Manier verwandt, in der Balzac – beispielsweise in „Verlorene Illusionen“ – oder Choderlos de Laclos von den Drangsalen der Jugend ihrer Zeit erzählten. Besonders des letzteren Erfolgsroman „Gefährliche Liebschaften“ scheint immer wieder an, der 1999 mit dem Kinofilm „Cruel Intentions“ (dt. „Eiskalte Engel“) bereits eine Modernisierung erfuhr.

„Greek“ dagegen beschreibt in tragikomischer Form die hierarchischen Strukturen des Verbindungssystems an US-amerikanischen Hochschulen, das sich auch Tom Wolfe in seinem 2004 erschienenen Roman „Charlotte Simmons“ vorgenommen hatte – des großen Mannes bislang leider schlechtester Roman, weil er mittlerweile, wie schon einige kurze Arbeiten in „Hooking Up“ befürchten ließen, zu zornigem Moralisieren neigt, wo er früher scharf beobachtete und brillant formulierte und vielleicht noch klug analysierte, aber nie mit vorgefertigten Meinungen hausieren ging. „Greek“, sicher nicht die wert- und gehaltvollste aller Serien, unternimmt doch immerhin den heiter präsentierten, aber ernsthaft angelegten Versuch einer kleinen Soziologie des Campus-Lebens und zeigt sich darin offener und vielfältiger als Wolfe und nicht zuletzt gut informiert.

Manche Dialogzeilen verdienen es, aufgeschrieben und mehrfach gelesen zu werden. So die traurige Erkenntnis der Serienfigur Rusty Cartwright (Jacob Zachar): „Die Uni ist nicht zum Lernen da. Sie ist ein Vierjahreskurs im Sichdurchmogeln und Lernen, wie man das System schlägt. (…) Es sollte so etwas wie die letzte Bastion der Bildung sein. Ein Ort, abgeschottet von der Öffentlichkeit, der inspiriert. Und nicht entmutigt.“

Den Befürwortern des Bologna-Prozesses sei’s geklagt oder besser noch kräftig um die Ohren gehauen.

Apropos, hier noch ein Bonushäppchen für die Freunde nutzlosen Wissens: Spencer Grammer, die Darstellerin der Casey Cartwright, ist die Tochter von Sitcom-Star Kelsey Grammer („Frasier“).

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