Strafversetzt nach Monreal

Ein SWR-Krimi macht die Eifel zum Schauplatz des Verbrechens

Im ersten Bild steht Hauptkommissar Killmer auf einem Parkdeck hoch über Frankfurt. Offensichtlich hat sich der Undercover-Ermittler von amerikanischen Kollegen einiges abgeguckt. Die schnittige Sonnenbrille zum Beispiel und die lässige Art, wie er einen Geldkoffer auf dem Kofferraum seines Wagens deponiert. Es gilt, ein Drogengeschäft abzuwickeln. Zwar hat Killmer ruckzuck einen Pistolenlauf an der Schläfe, löst die brenzlige Situation aber kühlen Mutes und mit einem flotten Spruch.

Von den Kollegen der Abteilung gab es Beifall für die gelungene Aktion, vom Chef eine Ermahnung. Und wenig später die Strafversetzung nach Monreal. Nicht nach Montreal, wie Killmers Partner voreilig jubelt, sondern in ein kleines Eifel-Nest, dessen Ortspolizistin mangels Auslastung gerade den Wechsel nach Stuttgart beantragt hat. Kaum aber hat der abgebrühte Großstadt-Cop Killmer sich gehörig unbeliebt gemacht und sein Quartier bezogen, ereignet sich auch schon ein Mord nebst Brandstiftung. Das ungleiche Paar beginnt mit seiner Arbeit, die verläuft, wie man das so kennt: Die beiden fauchen sich an, sparen nicht mit wechselseitigen Sticheleien, lernen aber auch voneinander und retten jeder dem anderen einmal das Leben.

Der Trend zum Regionalkrimi setzt sich also fort: 2009 verfilmte der Bayerische Rundfunk mit „Erntedank“ einen der im Allgäu angesiedelten populären Kluftinger-Romane von Volker Klüpfel und Michael Kobr; der SWR macht nun mit namhaftem Personal wie Regisseur Hajo Gies, Komponist Klaus Doldinger und den Schauspielern Uwe Ochsenknecht und Diana Amft die Eifel zum Tatort. Beide Filme gelangten nicht ins Erste, sondern blieben den Landeskanälen vorbehalten, die auch auf dem Gebiet der fiktionalen Unterhaltung die Regionalisierung vorantreiben.

Darin liegt denn auch die Stärke dieses Films, dessen Autor Uwe Kossmann das Genre wahrlich nicht neu erfindet. Die Landschaft, das schmucke Fachwerkstädtchen Monreal, auch die kauzigen Charaktere machen den Reiz dieses ansonsten bieder angelegten Kriminalfilms aus. Die Hauptdarsteller hingegen liefern bewährtes Repertoire. Uwe Ochsenknecht scheint sichtbar unterfordert, Diana Amft tauschte nur den Ärztekittel aus „Doctor’s Diary“ gegen die Polizeiuniform. Hier wie da gibt sie die an sich versierte, aber ihrer selbst nicht sichere berufstätige Frau, die sich durch ihre Emotionalität gegenüber ihren männlichen Kollegen immer wieder in Verlegenheit bringt. Kein sehr schmeichelhaftes Frauenbild, aber typisch für deutsche Dramedys. So wie die plumpen Namenswitze: Bei „Doctor’s Diary“ spielt Amft ein „Gretchen Haase“, im SWR eine „Kati Biver“. Nebenbei: Die Konsultation eines Kieferorthopäden – wir erinnern uns an Tom Cruise – könnte der Schauspielerin unter Umständen helfen, sich solche Zumutungen künftig zu ersparen.

Am Ende werden sich die beiden Helden zusammengerauft haben, und das Ende ihrer beruflichen Liaison erfährt einen Aufschub. Denn in Monreal scheint endgültig das Verbrechen eingekehrt. Vielleicht wird man demnächst mehr davon erfahren. Womöglich sogar im Ersten Programm.

„Der Bulle und das Landei“, Montag, 10.5., SWR/SR, 20.15 Uhr

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