Bekannte Motive, ungewohnte Inhalte

Hannelore Hoger und Rainer  in einem Afrika-Melodram der anderen Art

Anfangs wähnt man sich in einer Afrika-Schnulze der Marke Degeto: Die in Hamburg arbeitende namhafte Gehirnforscherin Ella (Hannelore Hoger) erhält in ihrem Labor einen Anruf, der sie ins heimatliche Südafrika ruft: Ihre Schwester Hilde ist verstorben. Die nächsten Szenen folgen einem bekannten Muster. Ella und Hilde sind auf einer idyllisch gelegenen, mittlerweile heruntergekommenen Teefarm aufgewachsen. Die muss zunächst vor dem Bankrott bewahrt werden. Dann gibt es allerhand unbewältigte Dinge aus der Vergangenheit aufzuarbeiten. Und flugs ist auch ein alter Freund und Verehrer zur Stelle, der es noch immer auf Ella abgesehen hat. Gespielt wird dieser Jack von Rolf Lassgård. Eine schnurrige Konstellation: der hünenhafte „Wallander“-Mime buhlt um die „Bella Block“-Darstellerin Hannelore Hoger.

Die Kunstfiguren Bella und Ella sind sich durchaus ähnlich. Anfangs hat es glattweg den Anschein, als gebe Hoger einmal mehr die Dame reiferen Alters, die aus einschlägigen Lebenserfahrungen heraus zur misanthropischen Matrone geworden ist. Und ihr entschlüpfen Sätze, die man in Degeto-Filmen denn doch eher selten hört. Beim Blick über die im Abendlicht liegende afrikanische Steppe mault Ella: „Ich hatte vergessen, wie scheußlich es hier ist.“

Eigentlich meint sie gar nicht die Landschaft, sondern die rassistische Gesinnung eines Verwandten, der unter dem Apartheids-Regime als Polizist tätig war. Langsam tastet sich Drehbuchautorin Stefanie Sycholt, die in Südafrika geboren wurde und dort aufwuchs, zum Kern ihrer Geschichte vor. Einige Rückblenden deuteten es schon an: Seit je ist Ella jeglicher Rassismus fremd. Als Halbwüchsige – die junge Ella wird von Amelie Kiefer gespielt – bewegte sie sich in einer Gruppe von schwarzen und weißen Jugendlichen – und sie unterhielt eine intime Beziehung zu Ben (Chumani Pan), einem Schwarzen.

Zu Zeiten der Apartheid eine verbotene und damit gefährliche Liebschaft. Ben, der auch politisch tätig war, wurde denunziert und verhaftet. Ella, von ihm schwanger, musste das Kind auf Druck ihrer Eltern heimlich in einer Höhle zur Welt bringen und gleich nach der Geburt weggeben.

Regisseur Rainer Kaufmann, für Filme wie „Marias letzte Reise“ preisgekrönt, belegt sehr anschaulich, dass man die Nachfrage nach Melodramen bedienen und dabei zugleich zeitkritische Themen aufgreifen kann. Die emotionale Ansprache des Publikums mag nicht jedermanns Geschmack entsprechen, erfüllt aber einen erzählerischen und inhaltlichen Zweck.

Und noch einen Unterschied gibt es zur gängigen Dutzendware: Hannelore Hoger zeigt hier, und zwar bewundernswert uneitel, dass sie doch mehr kann als patzig maulend über Hamburger Verbrechensschauplätze zu trappsen.

„Ellas Geheimnis“, Montag, 17.5., ZDF, 20.15 Uhr

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