Sommerprogramm

Gewiss, die Fußballweltmeisterschaft zieht die meisten Zuschauer und im Sommer ist mit so genannten Fernseh-Events ohnehin selten zu rechnen. Dennoch verblüfft, dass und in welchem Maße auf den Fernsehseiten dieser Republik derzeit vor allem Wiederholungen besprochen werden. Auch klingt immer wieder an, es gebe derzeit ja nichts im Fernsehen.

Wer da aber über eine brauchbare Fernsehzeitschrift verfügt oder weiß, wo er suchen muss, kommt zu einem anderen Ergebnis. Blättern wir mal durch: Vergangenen Samstag gab es im Bayerischen Fernsehen einen Themenabend über den deutschen Filmproduzenten Horst Wendlandt, mit Beispielen seines Schaffens und einem zwar nicht zur Gänze geglückten, aber doch sehenswerten Filmporträt des 2002 verstorbenen letzten Tycoons. Wer sich eher fürs Ballett begeistert, wurde am selben Tag von Arte mit einem Thementag „Montpellier Danse“ verwöhnt und bekam abends Choreografien aus dem aktuellen Programm des Tanzfestivals zu sehen. Zur Wahl stand außerdem ein Porträt der brasilianischen Sängerin Maria Bethânia bei 3sat und noch einiges mehr.

Am Sonntag sendete Arte mit „Eine Geschichte von Flamen und Wallonen“ eine sehr persönliche und anrührende dokumentarische Aufarbeitung des ewigen Zwistes der belgischen Stämme. Nicht minder erwähnenswert: „Cab Calloway, der Dandy aus Harlem“, ebenfalls am Sonntag bei Arte im Programm.

Am Montag gab es gleich mehrere TV-Premieren aus allen Sparten, von der Dokumentation über Jalta auf Arte über die dreiteilige Ratgebersendung „Der Vorkoster“ im WDR bis zum TV-Film „Meer is nich“ im Ersten. Und für Klassikfreunde „Don Giovanni“ live aus Aix-en-Provence. Derweil verärgerte ZDFneo mit einer kurzfristigen Verschiebung der exzellenten britischen Agentenserie „Spooks“ – auch so treibt man die Kundschaft ins Internet.

Am Dienstag zeigte das Erste die anspruchsvolle Dokumentation „Bernsteinland – Ein Todesmarsch in Ostpreußen“. Arte informierte über „Die rosa Taxis von Dubai“ und bescherte dem Betrachter sehr viel Freude mit der jüngsten Ausgabe von „Durch die Nacht mit …“, einem äußerst unterhaltsamen Zusammentreffen des deutschen Regisseurs Uli Edel mit seinem Vorbild William Friedkin. Friedkin nahm schon mal für sich ein, weil er sich dem Chauffeur mit Vornamen vorstellte und ihm die Hand reichte, dem Team Wasser anbot und es später im Restaurant auch mit Essen versorgen wollte. Aufschlussreich, wie Friedkin über seine Tätigkeit als Regisseur von Opern wie Alban Bergs „Lulu“ erzählte, höchst vergnüglich, wie er nach einer Aufführung von Uli Edels „Der Baader Meinhof Komplex“ vor Filminteressierten verbale Breitseiten gegen das heutige Hollywood abfeuerte, mit Edel über den Wert von „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ stritt und im Nebensatz noch schnell die „Twilight“-Filme zernichtete. Da blieb man gebannt vor dem Bildschirm hängen und kam gar nicht auf den Gedanken, eventuell den Kanal zu wechseln. Leider hat Arte den Beitrag bislang nicht in sein Web-Angebot aufgenommen. Eine baldige Wiederholung wäre anzuraten. Das kann man sogar zwei Mal gucken.

Die Beispiele ließen sich fortsetzen. Aber abschließend sei nur die exzellente Serie „Huff“ mit dem großartigen Duo Hank Azaria und Oliver Platt nebst einer vorzüglichen Damenriege auf ZDFneo noch erwähnt. Immer mittwochs, aber leider mittlerweile auch zu unbestimmten Sendezeiten. Wer seine Lieblingsserien aufzeichnen möchte, an lauen Sommerabenden wohl eher die Regel, wird derzeit von ZDFneo des öfteren mächtig veräppelt. Aber es gibt „Huff“ wie auch „Spooks“ bereits auf DVD. Soll der Mainzer ‚Jugendkanal‘ doch ins Leere senden. Wir Sofakartoffeln wissen schon, wie wir an unseren Stoff gelangen …

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