Ochsenknecht wird strafversetzt

Gleich als hätte er zu häufig „CSI Miami“ gesehen, steht Hauptkommissar Killmer (Uwe Ochsenknecht) im ersten Bild auf einem Parkdeck hoch über Frankfurt und wickelt in Undercover-Mission ein Drogengeschäft ab, das trotz einer Beinahe-Panne mit einer Festnahme endet. Die Kollegen der Abteilung zollen Beifall, der Chef spricht dem eigenmächtigen Ermittler eine Ermahnung aus. Und hat noch Ärgeres in Petto, als er erfährt, dass Killmer ein Techtelmechtel mit seiner Gattin unterhält.

Heutigentags wird dergleichen nicht mehr per Duell im Morgengrauen ausgetragen, sondern mit einer böswilligen Versetzung geahndet, und zwar nach Monreal – nicht Montreal, wie ein Kollege zunächst freudig missversteht -, ein kleines rheinland-pfälzisches Nest, dessen Ortspolizistin (Diana Amft) mangels Auslastung justament den Wechsel nach Stuttgart beantragt hat. Kaum aber hat der abgebrühte Großstadt-Cop Killmer sich halbwegs eingerichtet, ereignet sich ein Mord. Das ungleiche Paar sieht sich in der Pflicht, geht an die Arbeit und spart dabei nicht an wechselseitigen Sticheleien.

Während sonst diverse Krimis des Ersten Programms ihre Zweit-, Dritt- und Endlos-Auswertung in den Regionalprogrammen erleben, verlief der Weg von „Der Bulle und das Landei“ umgekehrt. Die Krimikomödie erlebte ihre Premiere im Mai im SWR und wandert nun ins Erste. Der Trend zum Regionalkrimi setzt sich also fort. So verfilmte beispielsweise der Bayerische Rundfunk 2009 einen der im Allgäu angesiedelten Kluftinger-Romane; der SWR machte mit namhaftem Personal wie Regisseur Hajo Gies und den Schauspielern Uwe Ochsenknecht und Diana Amft die „Perle des Elztals“ (Eigenwerbung) zum Tatort. Von Gies’ früheren Glanztaten wie den Schimanski-Filmen innerhalb der „Tatort“-Reihe ist hier freilich nicht mehr viel zu spüren. Die nicht sonderlich anspruchsvolle Handlung geht beschaulich, gemütlich und heiter, aber eben nicht witzig, vonstatten. Ochsenknecht und Amft geben ihre Stammrollen zum Besten, in denen sie sich scheint’s recht bequem eingerichtet haben. Wer über Amft als kulleräugige Chaos-Grazie, wie sie sie auch in „Doctor’s Diary“ zum Besten gibt, schmunzeln kann, wird hier bestens bedient. Man könnte sich aber auch die 50er-Jahre-Serie „I Love Lucy“ beschaffen. Der Humor und das Frauenbild waren damals schon recht ähnlich.

„Der Bulle und das Landei“, Mittwoch, 14.7., 20.15 Uhr, Das Erste

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