Gegenrechnung

Fast käme man in Versuchung, die „Bild-Zeitung“ zu loben. Was aber nur am Versagen der übrigen Medienseiten liegt. Gerade jene, die ansonsten jede echte oder vermeintliche Gebührenverschwendung öffentlich-rechtlicher Sender zornbebend anprangern, sehen derzeit vornehm darüber hinweg, dass das Engagement des RTL-Zugpferds Günther Jauch durch die ARD doch ein wenig teurer wird als behauptet. Der ARD-Vorsitzende und SWR-Intendant Peter Boudgoust hatte bekanntlich zum Besten gegeben: „Wir bieten dem Großmeister der journalistischen Unterhaltung ein Programmumfeld, das seinen Fähigkeiten entspricht. Und den Gebührenzahler kostet seine Verpflichtung keinen Cent mehr.“

Das mit dem Großmeister steht ja nun sehr in Frage, der angeblich kostenneutrale Transfer nicht minder. Die „Bild“ hat die Produktionskosten der geplanten Jauch-Sendung ermittelt und meldet mit 4487,18 Euro pro Minute  einen neuen Spitzenwert im Bereich der Talkshow-Herstellung.

Theoretisch, als böswillige Luftbuchung sozusagen, könnte man die Kostenaufstellung sogar noch erweitern. Wenn nämlich, wie es ja versprochen wurde, Anne Will einen neuen Sendeplatz erhält, sind künftig zwei Produzenten-Moderatoren statt bislang nur einer zu bezahlen. Was zu höheren Aufwändungen führt, die ohne das Jauch-Geschäft gar nicht entstanden wären.

Ein weiterer bislang unbeachteter Kostenfaktor: Wohl um Günther Jauch den neuen Teilzeitjob zu versüßen, wurde seine Produktionsfirma I & U von der ARD in jüngerer Zeit auffällig oft mit Aufträgen zur Herstellung diverser Unterhaltungssendungen bedacht, und zwar in einem Bereich, der ansonsten in nennenswertem Maße von der Firma First Entertainment bedient wurde. Die First Entertainment GmbH gehört zu 100 Prozent zur Bavaria Film, an der wiederum die ARD-Sender WDR, MDR und SWR die Mehrheit halten. Hätte man statt I & U die quasi hauseigene First Entertainment beschäftigt, wären die Ausgaben zumindest anteilig innerhalb des ARD-Unternehmensbereichs geblieben. Durch die Überweisungen an I & U hingegen fließen die Gebührengelder in voller Höhe ab.

In jedem Fall erweist sich die Indienststellung Günther Jauchs für die ARD als ein teurer Spaß, der sich nicht durch eine besondere Notwendigkeit legitimieren, sondern nur durch gewisse Eitelkeiten der Beteiligten erklären lässt.

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