Kriminelle Vergangenheit

Bei uns hier im Niedriglohnsektor fehlt es leider an der nötigen Zeit zum regelmäßigen Bloggen. Insofern bestätigt die unmittelbare Lebenserfahrung die voraufgegangene theoretische Annahme, dass das Bloggen doch eher zu den Vergnügungen privilegierter Kreise zählt.

Daher mit Verspätung die Antwort auf eine Frage, die auf diesen Eintrag hin eintrudelte, nämlich welches denn, wenn schon nicht „Der Kommissar“, die erste deutsche Krimiserie gewesen sei. Das hängt nun davon ab, wie skrupulös man vorgehen möchte. Erste Kriminalspiele gab es schon im nationalsozialistischen Vorkriegsfernsehen; es wurde sogar mit einem Kriminalfilm für die neuen technischen Möglichkeiten geworben.

Aber schauen wir lieber auf das Nachkriegsfernsehen, weil hier die noch heute wirksamen programmlichen Entwicklungslinien einsetzten. Und da ragt ein Name weit heraus: Jürgen Roland. 1953 begann er mit seiner Reihe „Der Polizeibericht meldet“. Der Untertitel verrät, worum es ging: „Eine Sendung über Bekämpfung und Aufklärung von Verbrechen in Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei“. Roland nahm hier vorweg, wofür später Eduard Zimmermann gerühmt werden sollte. In Rolands Sendung wurde die Bevölkerung um Mithilfe bei der Aufklärung von Straftaten gebeten, es wurde aber auch vor Tricks und Maschen der Gesetzesbrecher gewarnt. In diesem Zusammenhang ließ Roland Schauspieler auftreten, die in kleinen Szenen fiktive Familiensituationen nachstellten. In engerem Sinne findet sich hier also die erste Kriminalserie im deutschen Fernsehen.

Eine mit programmhistorischem Besteck angerichtete Rückschau darf auch Kurt Paqué nicht vergessen. Paqué, ehemals Reichssender Breslau, verfasste ab 1953 Mitratekrimis für das Fernsehen. Das Publikum war aufgefordert, den Täter zu erraten und telefonisch durchzugeben – damals selbstredend noch nicht zu Wuchergebühren, sondern zum Preis eines normalen Anrufs. Die Auflösung erfolgte anfangs am späten Abend in einer Zusatzsendung, ehe man den Modus änderte und die Spannung über mehrere Tage zog. Diese Sendungen bildeten eine lockere Reihe, mithin noch keine Serie. Aber immerhin.

Betrachtet man die Angelegenheit weniger spitzfindig, landet man trotzdem bei Jürgen Roland. Nach dem Vorbild der US-Serie „Dragnet“ gestalteten er und Autor Wolfgang Menge ab 1958 die Krimireihe „Stahlnetz“, die an die deutschen Verhältnisse angepasst worden war. Zum einen nahm sich Menge reale Fälle aus den Polizeiakten zum Vorbild, zum anderen siedelten die Episoden, so wie später beim „Tatort“, in wechselnden Städten der Bundesrepublik, weshalb auch mehrere Ermittler in Erscheinung traten.

„Stahlnetz“ spielt, ähnlich wie das „Kriminalmuseum“ und „Die fünfte Kolonne“ (beide ab 1963 im ZDF), mithin eine Rolle, wenn man, wie es in der Vulgärkritik gemeinhin gehandhabt wird, „Serie“ und „Reihe“ gleichsetzt. Was man aber eigentlich nicht tun sollte.

Doch auch Krimiserien gab es lange, bevor der Fernsehermittler Kommissar Keller im ZDF seinen Dienst antrat, und zwar in einer  beträchtlichen Vielfalt. Dazu zählten unter anderem:

„Funkstreife Isar 12“ (ab 1961)

„Hafenpolizei“ (ab 1963)

„Kommissar Freytag“ (ab 1963)

„Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger“ (ab 1965)

„John Klings Abenteuer“ (ab 1965)

„Cliff Dexter“ (ab 1966)

„Pater Brown“ (ab 1966)

„Von Null Uhr Eins bis Mitternacht – Der abenteuerliche Urlaub des Mark Lissen“ (ab 1967)

Und dieses Listen-reiche Spiel könnte man noch eine Weile fortsetzen, zumal ja die Gattungsbeiträge des DDR-Fernsehens sträflich vernachlässigt wurden. Nur eines gehört hier ganz und gar nicht hin, obwohl auch dies von vorlauten Schlaubergern schon behauptet wurde: Die deutschen Edgar-Wallace-Filme der 1960er waren, anders als das britische „The Edgar Wallace Mystery Theatre“ (ab 1960), keine Fernsehproduktionen. Die kamen erst später, im Jahr 2002, bei RTL. Und waren so langweilig wie witzlos.

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