Was die Scheuklappe noch übrig ließ

Ein bisschen inkonsequent ist es ja schon, wenn jüngst nahezu sämtliche Medienseiten in Print und Web beklagten, dass künftig am Montagabend diese so genannte „Dokumentation“, bei der es sich in der Regel um pures Unterhaltungsfernsehen handelte, im ARD-Programm entfallen und durch eine Talkshow ersetzt wird (womit also in Wahrheit eine Re-Politisierung des Sendeplatzes vonstatten geht). Denn das Nacharbeiten von Talkshow-Inhalten ist doch mehr oder weniger zum Hauptgeschäft der so genannten „Fernsehkritik“ geworden (das Fernsehen kritisieren kann jeder. Aber loben – das will gelernt sein …).

Schaut man zum Beispiel just in diesem Moment auf das Web-Angebot der „Frankfurter Rundschau“ und klickt auf den Reiter „Fernsehkritik„, findet man 25 Rezensionen. 18 davon fallen unter das Subgenre der Talkshow-Nacherzählung. Den Rest machen aus: zwei Mal „Germany’s Next Top Model“, einmal „Wetten, dass …?“, der „Eurovision Song Contest“,  einmal Jauch-TV, einmal „Neues aus der Anstalt“ – und aus dem Bereich dokumentarischen Fernsehens gerade mal eine Reportage über „Digital Natives“. Und mit dieser Auswahl steht die „Rundschau“ nicht alleine.

Dieser Querschnitt spiegelt nicht einmal ansatzweise die Breite des tagtäglichen TV-Angebotes, vielleicht aber – Achtung, Google, es folgen vermarktbare Infos! – zeigen sich hier die Vorlieben des durchschnittlichen deutschsprachigen Medienredakteurs. Und abermals steht,  man kratzt sich ratlos am ausgemergelten Schädel, die Frage im imaginären Raum, den wir Internet nennen: Wenn den Freunden des dokumentarischen Fernsehens so viel an dieser Gattung liegt – warum berichten sie nie darüber?  Diese Dokumentation zum Beispiel war eine tolle Produktion, und zwar nicht nur für frühere K-Gruppen- und Politbüromitglieder, i wo. Gut gemacht, eben darum von jedermann goutierbar. Wohl dem, der eine hochwertige Fernsehzeitschrift bezieht. Von den Nörgel-, pardon, Fernsehseiten wird man ja nur noch selten gut beraten.

P.S. Harald Schmidt war heute in Bestform. Wurde auch schon lange nicht mehr rezensiert.

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