No sleep in Wacken 3

Gar nicht einfach, eine leidlich aktuelle Berichterstattung zu leisten. Das Netbook fand keinen Kontakt zum Netz, vor den drei vom Veranstalter dankenswerter Weise bereitgestellten Notebooks gibt es lange Schlangen. Und man will ja möglichst wenig verpassen.  Da muss es manchmal schnell gehen und es passieren Flüchtigkeitsfehler. Zu korrigieren wäre noch die Schreibweise von Blechblosn. Nicht Blechblos’n. Entschuldigung.

Ozzy war da, woran einige bis kurz vor Beginn noch gezweifelt hatten. Längst trifft er nicht mehr jeden Ton, aber wie er danebensingt, ist immer noch ein Spaß. Die Kids lieben den alten Mann, auch wenn sich seine Zwischenansagen auf „I can’t hear you“ beschränken, was in den Stunden danach zum geflügelten Wort wurde auf den Zeltplätzen und endlosen Wanderwegen. Und zwischendurch hatte man den Eindruck, Gitarrist Gus G. hätte Anweisung bekommen, sein Gitarrensolo noch ein wenig zu verlängern, damit Ozzy noch mal in Ruhe durchatmen kann. Ja und? In dem Alter darf man sich schon mal eine Pause gönnen. Und „Paranoid“, das in der Kindheit Ihres Blog-Warts lange Zeit in den Top Ten der Hitparaden rangierte, einmal vom Originalsänger live zu hören – das war schon was.

Ganz überraschend stieß der Berichterstatter auf einen weiteren Veteran der Unterhaltungsmusik: Im Großzelt „Bullhead City“ gab Roberto Blanco im Verein mit Sodom – Sodom! – seinen Evergreen „Ein bisschen Spaß muss sein“ zum Besten. Es war nicht so voll wie bei Ozzy, aber auch hier: Die Kids bejubelten den alten Mann und versuchten ihn, lautstark „Roberto! Roberto!“ skandierend, zu einer Zugabe zu bewegen.

Im „Bullhead“-Zelt geht ansonsten allerlei Klamauk vonstatten. Monsters of Comedy, Oil Wrestling, Wet-T-Shirt-Contests. Einige Damen lassen das Shirt gleich ganz weg; das erspart die Mühsal des Trocknens. Jedenfalls – die zahlreich umherschwirrenden Kamerateams findet man vor allem wo? Klar, im „Bullhead“-Zelt. Auch wenn nebenan bei Spitzenbands wie den Aberlours, Russkaja oder meinen Freunden von Reliquiae Hunderte beisammen stehen und  die Stimmung hochkocht – den Bereich lassen die Filmberichterstatter achtlos rechts liegen. Sind vermutlich alle im Auftrag des Privatfernsehens unterwegs …

Zur Wacken-Folklore gehören die sehr beliebten Norweger-Anekdoten. Gerade heute aufgefrischt wurde die Mär von den Norwegern, die „Helga? Helga?“ krakeelend über die Zeltplätze zogen. Die Pointe geht so, dass die Skandinavier irgendwann mal den 60er-Jahre-Aufklärungsfilm „Helga“ gesehen hatten und es sie dringend danach gelüstete, die Titelheldin kennen zu lernen. Dabei braucht es doch gar keine Fantasiegestalten – egal wohin man die Kamera hält im Festivalbereich, man hat immer eine schöne Frau auf der Platte.

Schön an diesem Festival sind die Entdeckungen nebenbei. Gerade gaben Eat the Gun aus Münster ein Kurzkonzert für die Presse. Klassische Dreierbesetzung, formidabel arrangierter Hardrock. Eher etwas für die alte Schule, die miterlebt hat, wie aus Hardrock Metal wurde. Aber man kann es nur immer wieder betonen – Vielfalt ist alles in Wacken. Es gibt A-Capella-Metal, Spaß-Bands, die Punks von Slime sind hier (Grüße an Elf und danke für die Unterstützung beim „Hyde Park“-Buch), Hayseed Dixie machen „Rockgrass“, Edel Weiss spielen AC/DC im bajuwarischen Idiom. Das eben macht das Vergnügen aus: herumbummeln, Entdeckungen machen, auch auf den teils originell ausgeschmückten Campingplätzen, Leute kennen lernen. Auch unter den Ureinwohnern übrigens ist die Stimmung bestens – keine Probleme mit den finsteren Gestalten, so sagen auch jene, die nicht, wie die örtlichen Supermärkte und Gasthöfe, von der Invasion merkantil profitieren. „Wir freuen uns jedes Jahr darauf“, sagt eine Passantin gehobeneren Alters, während aus der Ferne Suicidal Tendencies herüberdröhnen. Harte (!) Kontraste in harmonischem Verhältnis. Das ist Wacken.

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