No sleep in Wacken 4

Die heimliche Wacken-Hymne ist der alte Europe-Gassenhauer „Final Countdown“, bislang dargeboten unter anderem auf dem Glockenspiel, dem Dudelsack, der Hammondorgel und natürlich immer wieder mal im Original.

Der vielleicht unterhaltsamste Auftritt am Freitag war der von Hayseed Dixie auf der „Beergarden Stage“. Die bedauernswerten US-Amerikaner mussten sich mit Banjo, Akustikbass etc. gegen Judas Priest behaupten, die ungefähr in Flensburg noch zu hören waren. Hayseed Dixie nahmen es sportlich und beantworteten Rob Halfords schrille Schreie in gleicher Manier. Und ob spontan oder nicht, das lässt sich nicht sagen, jedenfalls schoben die sympathischen Südstaatler mal eben „Breaking the Law“ ins Programm. Noch vor den Urhebern des Songs. Ansonsten gab es mitreißende Bluegrass-Versionen von AC/DC über Motörhead bis hin zu deutschen Trinkliedern. Die Jungs sind noch anderweitig in Deutschland unterwegs. Und garantieren einen fröhlichen Abend.

Kurz darauf eröffnete der Kyuss-Ableger Kyuss lives das Feuer (in Wacken lodern Flammen über den Lautsprechertürmen). Die wiederbelegten Kyuss spielen Stoner-Rock, was seinerzeit bei ihrem ersten Auftreten von aufgeregten Jungredakteuren als sensationelle Neuerung verkündet wurde. Langjährig erfahrene Connaisseure aber verwiesen gelassen auf Mountain, Vanilla Fudge und insbesondere Budgie („I Turned to Stone“!) …

Nur eine kurze Pause, dann standen Airbourne auf der Bühne und lieferten eine mitreißende Show. Natürlich klingt bei ihnen bald jeder Titel wie eine Paraphrase auf einen AC/DC-Song, aber sie machen das so gut und mit derart bübischer Begeisterung, dass man mit Freude dabei ist. Der Gitarrist und Sänger tut einiges für die Show und erklettert sogar die Bühnentürme bis hoch unters Dach, wo er sich sichert und ein Solo spielt. In Wacken bedeutete das eine Kletterpartie von mehreren Stockwerken. Und wieder runter. Respekt. Der Auftritt fand übrigens Freitagnacht gegen 0.45 Uhr statt. ZDFKultur hatte eine „Live“-Übertragung für Samstagabend, 22.45 Uhr, angekündigt. Demnach war es entweder nicht live oder nicht das Konzert vom Freitag.

Im In-Field stehen drei große Bühnen nahe beieinander. Das verkürzt die Pausen zwischen den Bands. Unschön aber ist es, wenn zwei der Bühnen gleichzeitig bespielt werden. Das geht nicht ohne gegenseitige Störungen vonstatten. Das Konzept sollte noch mal überdacht werden.

Ein uraltes Konzertritual hat sich in Wacken erhalten: Das Hochhalten von Feuerzeugen bei balladesken Passagen. Hier steht der einzelne Raucher nicht allein. Das freut einen der Sponsoren, eine Zigarettenfirma.

Man hat hier einiges übrig für Genussmittel. Das zeigt sich auch beim Gespräch mit einer der Damen, die im Auftrag eines Promoters übers Festivalgelände wandern und einen Alkoholtest anbieten. Was da genau promotet werden soll, ist nicht klar. Die gemessenen Promillezahlen werden von der Kundschaft wohl eher unter Rekordgesichtspunkten gesehen. Schon am Mittwochnachmittag konnte als aktueller Höchstwert 6,1 Promille vermeldet werden. Es wurden aber auch schon gute acht Promille erreicht. In den Zusammenhang passt, dass bis Samstagnachmittag vom Deutschen Roten Kreuz 3.000 Festivalbesucher versorgt wurden. Etwas mehr als in früheren Jahren, aber nicht besorgniserregend, wie es auf der Pressekonferenz hieß. Gezählt werden ja auch kleinere Verletzungen, Verstauchungen etc. Das Deutsche Rote Kreuz sucht noch freiwillige Helfer. Das geben wir natürlich gerne weiter.

Eine ungünstige Zeit hatten die, man muss es schon so sagen, etwas betagteren Damen von Girlschool zugeteilt bekommen: mittags um zwölf. Dennoch war das Bullhead-Zelt gut gefüllt, überwiegend mit Menschen, die noch gar nicht geboren waren, als Girlschool ihre ersten Platten herausbrachten, darunter auch eine gemeinsame Single mit Lemmy von Motörhead, die am Abend spielen werden. Die britischen Ladies freuten sich sichtlich, dass man sie nicht vergessen hat und gaben ihr Bestes. Warum sollen nur alte Kerle Triumphe feiern? Das nächste Mal bitte auf einer der größeren Bühnen.

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