Formatfernsehen und Fernsehen mit Format

Alle Jahre wieder berichtet die Nachrichtenagentur dpa – selbstverständlich – über die Bekanntgabe der Nominierungen für den „Grimme Preis“ des Deutschen Volkshochschulverbandes. Und noch immer kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man bei dpa das spezielle Prozedere dieses Preises, das ihn von allen anderen Fernsehpreisen unterscheidet, nicht so recht nachvollziehen kann. Anlass für die Vermutung geben Formulierungen, die sich identisch in verschiedenen Zeitungen finden und demnach mutmaßlich auf die dpa zurückgehen.Ein Beispiel: „Im Rennen sind auch altbewährte Formate wie die ARD-Krimireihen ‚Tatort‘ und ‚Polizeiruf 110‘ sowie die Comedyserien ‚Stromberg‘ (ProSieben) oder ‚Pastewka‘ (Sat.1).“

Die Krimireihen „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ sind eben gerade nicht als „Formate“ im Rennen, schon allein, weil man bei derart disparaten Reihen gar nicht von einem Format sprechen kann. Es sind vielmehr genau benannte Beiträge mit ebenfalls genau benannten besonderen Qualitäten nominiert worden. Man kann diese Unterschiede dem fachfremden Lesepublikum durchaus verdeutlichen, ohne gleich in sprachliches Wirrwarr zu verfallen. Siehe zum Beispiel hier oder auch hier.

Von erheblicher Unachtsamkeit zeugt auch die Formulierung, Stefan Raab, Anke Engelke und Judith Rakers seien für  „ihre Eröffnungsshow und die Gesamtpräsentation der Finalsendung des Song Contests (ARD/NDR) im Bereich Unterhaltung nominiert“. Eröffnungsshow? Wann war die denn? Nominiert wurde das Team der Sendung prononciert für den „Opening Act“. Wir Älteren kennen das als Ouvertüre. Als Vorspiel auf dem Theater. Fällt der Groschen?

Umso erstaunlicher, dass sich in derselben Kategorie auch die Adaption „Let’s Dance“ findet. Die Produktion einer solchen Show, bei der man vom Urheber eine Format-Bibel, mithin eine detaillierte Gebrauchsanleitung, erhält und obendrein von den bereits gemachten Erfahrungen bei den Ausstrahlungen in anderen Ländern profitieren kann, ist noch weniger kreativ als Malen nach Zahlen. Deshalb finden sich solche Produktionen ja auch in vielerlei Ausgestaltung bei RTL. Der Kölner Sender geht gern auf Nummer sicher. Wäre es nicht eines „Grimme-Preises“ würdiger gewesen, eine selbstentwickelte, ergo mehr Mut erfordernde Produktion, und wäre sie auch erfolglos geblieben, an die Vergabejury weiterzureichen?

Dasselbe gilt selbstredend auch für Serien. „Stromberg“? Aber nur, wenn auch der Erfinder und Hauptdarsteller der Vorlage, der großartige, wunderbare, göttliche Ricky Gervais, der gerade erst brillant, weil kompromisslos bissig die „Golden Globe Awards“ moderierte, zur Preisverleihung kommen darf. Für diese erneute Moderatorenwahl muss man der „Hollywood Foreign Press Association“ Respekt und Bewunderung zollen. Die trauen sich was. Wer wohl in diesem Jahr die „Grimme Preis“-Gala moderiert?

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