Wollen wir’s wahr haben?

Abwertende Bemerkungen über das Fernsehen – in diesem Zusammenhang ja immer ein nicht näher bestimmtes Phänomen; selten hingegen liest man ähnlich dümmlich-vereinfachend über „das Buch“ – gehörten lange Zeit zu den Distinktionsstrategien des Feuilletons und zu denen der Kinogänger im Besonderen. Wobei oftmals schnell auszumachen war, dass die Betreffenden sich nie näher mit dem Objekt ihrer Verachtung auseinandergesetzt hatten. Dies änderte sich in jüngster Zeit, da selbst hartnäckigste Fernsehverweigerer nicht umhin kamen, die Qualitäten dieses Mediums insbesondere im Bereich der seriellen Erzählung anzuerkennen. Um aber nicht etwa das frühere (Fehl-)Urteil revidieren zu müssen, wurde aus der Fernsehkritik die DVD-Kritik, während zugleich ein neuer Medienmythos in die Welt gesetzt und mantraartig wiederholt wurde: die Behauptung nämlich, dass die besagten erzählerischen Qualitäten ja etwas unerhört Neues seien. Faktenorientiert ist diese Art der Berichterstattung keinesfalls.

Die „Frankfurter Rundschau“ scheint sogar noch an den ganz alten Lügen festhalten zu wollen. Dort beginnt die erste Frage eines Interviews mit der Schauspielerin Katherine Heigl mit den Worten: „In Hollywood schaffen nicht viele den Sprung vom TV-Star auf die große Leinwand.“ Was ist das – bare Unkenntnis oder freche Ignoranz?

Um dem Web mal wieder einen Vorsprung vor dem Printprodukt zu verschaffen, hier nur einige der vielen, die den Sprung vom TV-Star auf die Leinwand (Wobei ohnehin immer außer Acht gelassen wird, dass man mit einer halbwegs erfolgreichen Serie weit mehr Zuschauer erreicht als mit einem halbwegs erfolgreichen Kinofilm.) geschafft haben:

Jason Bateman (Serie: „Arrested Development“ u. a.)

Sandra Bullock (Serie: „Working Girl“ u. a.)

John Cassavetes (Serie: „Johnny Staccato“ u. a.)

George Clooney (Serie: „Emergency Room – Die Notaufnahme“ u. a.)

Johnny Depp (Serie: „21 Jump Street“)

Clint Eastwood (Serie: „Rawhide“)

Ben Gazzara (Serien: „Arrest and Trial“; „Wettlauf mit dem Tod“ u. a.)

Taylor Kitsch (Serie: „Friday Night Lights“)

Ashton Kutcher (Serie: „Die wilden 70er“ und die Reality-Show „Punk’d“)

Jack Lemmon (Serie: „The Road of Life“ u. a.)

Walter Matthau (Serie: „The Philco Television Playhouse“ u. a.)

Helen Mirren (Serie: „Cousin Bette“ u. a.)

Demi Moore (Serie: „General Hospital“)

Ellen Page (Serien: „Trailer Park Boys“; ReGenesis“ u. a.)

Brad Pitt (Serien: „Another World“; „Glory Days“ u. a.)

Burt Reynolds (Serie: „Dan Oakland“)

Ryan Reynolds (Serie: „Ein Trio zum Anbeißen“ u. a.)

Meryl Streep (Serie: „Holocaust“)

Denzel Washington (Serie: „Chefarzt Dr. Westphall“)

Michelle Williams (Serie: „Dawson’s Creek“ u. a.)

Das ließe sich noch lange fortsetzen, aber die wenigen Namen zeigen schon: Damit kann das Fernsehen sich sehen lassen. Die Kinoproduzenten gucken ja auch gerne zu und engagieren weg, was dort Potenzial bewiesen hat.

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