Bloggend in Baku

Er hat lange darum gekämpft, endlich ist der Zenit erklommen: Der taz-Redakteur, NDR-Blogger und „Spiegel online“-Autor Jan Feddersen hat sich den Rang einer Skandalnudel erarbeitet. Seine abschätzigen Worte über Zeitgenossen, die dem blindlings wohlgemuten Treiben der „Eurovision Song Contest“-Delegationen im diktatorisch beherrschten Aserbaidschan eher kritisch begegnen, stieß denn doch auf Unmut hierzulande. Und endlich stellt mal jemand, nämlich ein kühler Kopf namens Sebastian auf Stefan Niggemeiers Blog, die längst überfällige Frage: „Von diesem unsäglichen Kommentar mal abgesehen: Bin ich der einzige, der es komisch findet, dass ein Redakteur einer Tageszeitung für einen Veranstalter bloggt, über den er (vielleicht ja auch mal kritisch) zu berichten hat?“

Warum, liebe Propagandisten der Qualitätszeitung, muss eigentlich ein Leser auf diesen doch leicht anrüchtigen Kasus hinweisen? Und warum bedurfte es erst einer politischen Instinktlosigkeit Feddersens, ehe der mitlesenden Öffentlichkeit auffiel, dass dessen Begriff von Journalismus, nun ja, nicht in jedem Fall der reinen Lehre folgt? Von seinem Rang als ungekrönter Stilblütenkönig mal ganz zu schweigen. Aber nur, weil wir das auf diesen Seiten schon mal hatten.

Eines aber gibt noch einmal eine schöne Pointe ab: Für das Buch „Die Alpha-Journalisten“, herausgegeben von Stephan Weichert und Christian Zabel, schrieb besagter Jan Feddersen einen unangenehm schranzigen, geradezu klebrigen Text über Stefan Niggemeier und wurde nun Gegenstand von dessen kritischer Berichterstattung, die Feddersen seinerzeit so hingebungsvoll zu würdigen verstand.

Vielleicht ist es aber einfach nur Niggemeiers Revanche für jenes im Detail nicht immer vollends durchdachte Porträt aus dem Jahr 2009, das Feddersen mit den kryptischen Worten „Der Crashtest-Dummy“ überschrieben hatte. „Dummy“, so sagt das Fremdwörterlexikon, bedeutet „Attrappe, Schaufensterpuppe“, aber auch „Dummkopf, Idiot“. Klingt ungehörig, aber in diesem Fall muss man Feddersen wohl verzeihen. Sprachen sind einfach nicht seine starke Seite.

Aktualisierung: Feddersen würde sein Niggemeier-Porträt heute fraglos anders schreiben, wie dieser Blog-Eintrag verrät. Zum Wahrheitsgehalt der Auslassungen bitte unbedingt Niggemeiers Kommentare in dessen Blog vergleichen. Vereinzelt nämlich wurden Feddersens Behauptungen schon ungeprüft als Tatsachen weiterverbreitet. Darin nebenbei liegt der Unterschied zwischen Kolportage und Journalismus: Letzterer macht sich zur Regel, alle Beteiligten zu Wort kommen zu lassen. Wahrheitsgetreu, versteht sich.

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