Misanthrop in den Tropen – die neue Krimiserie „Death in Paradise“

Eigentlich ist es eine Kombination uralter Konzepte: Für die Serie „Death in Paradise“ koppelte ihr Schöpfer Robert Thorogood das „Fish Out Of Water“-Prinzip mit der „Ungleiche Partner“-Nummer. Kennen wir auch von deutschen Krimis zur Genüge. Und dennoch: Das Ergebnis erscheint schon in den ersten zehn Minuten kurzweiliger als drei „Tatorte“ zusammen. Das macht ja immer wieder staunen: Der „Tatort“ ist ein Prestigeobjekt, da fließen in jede Ausgabe erhebliche Summen und die Arbeit vieler Menschen. Und doch wird die Reihe nicht nur von US-amerikanischen, sondern auch von vielen – herstellungstechnisch eher vergleichbaren – britischen Produktionen qualitativ locker übertroffen.

Nun hat „Death in Paradise“ immerhin einen speziellen Trumpf: Die Geschichten spielen in der Karibik auf der fiktiven, von Guadeloupe gedoubelten Insel Sainte-Marie. Die steht gerade unter britischer Kolonialverwaltung, hat aber eine wechselvolle Geschichte. Unter anderem gehörte sie mal den Franzosen, weshalb es auf dem idyllischen Eiland noch immer französische Staatsangehörige gibt. „Und ich dachte schon, es könnte nicht mehr schlimmer kommen“, stöhnt angesichts dieser Tatsache Detective Inspector Richard Poole, der von der britischen Mutterinsel auf die kleinere beordert wurde, um den Mord an einem Kollegen aufzuklären. Eine ziemliche Drehbuchfrechheit, denn die Serie wird von französischer Seite koproduziert.

Poole, der auch bei tropischen Temperaturen nie auf Anzug und Aktentasche verzichtet, hasst die Sonne, das entspannte Treiben, die lässige Dienstauffassung der örtlichen Kollegen, die in den Gefängniszellen Ziegen halten. Er möchte nur schnell seine Ermittlungen erledigen und flugs wieder heim. Doch seine Londoner Vorgesetzten wollen es anders: Poole wird der neue Kriminaldienstleiter der Insel – neben der Einheimischen Camille Bordey (Sara Martins), einer kompetenten und attraktiven ehemaligen Undercover-Ermittlerin, mit der ihn bald eine wunderbar zänkische Freundschaft verbindet.

Death in Paradise“ bietet episodische Knobelkrimis und ist damit natürlich kein so großer Wurf wie die auf ZDFneo anschließend ausgestrahlte Agentenserie „Spooks“, aber ungemein unterhaltsam. Das liegt an den schrulligen, aber nie denunzierten Figuren, die ein wenig an das Personal der US-Ärzteserie „Tropical Doctors“ (OT „Going to Extremes“) erinnern, sowie an den liebevoll eingestreuten Details – als die Meldung vom Fund des toten Polizisten eintrifft, ertönt „I Shot the Sheriff“ – und vor allem an Hauptdarsteller Ben Miller, den wir bereits aus der BBC-Serie „Primeval“ kennen und der seinem misanthropischen DI Poole eine kräftige Dosis John Cleese mitgibt. In der Auftaktfolge ist zudem Rupert Graves mit von der Partie, der in „Sherlock“ den DI Lestrade verkörperte und uns ab 3. September an gleicher Stelle bei ZDFneo auch in der ebenfalls britischen Krimiserie „Scott & Bailey“ begegnen wird.

ZDFneo zeigt „Death in Paradise“ montags ab 21.55 Uhr in Doppelfolgen und anschließend Wiederholungen der hochdramatischen und oftmals stupend zeitkritischen BBC-Serie „Spooks“.

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