Wer lärmt denn da im Sommerloch?

Programmgestalter des deutschen, zumal des öffentlich-rechtlichen Fernsehens müssen sehr gefestigte Menschen sein und über ein robustes Naturell verfügen. Denn in ihrem erwählten Beruf werden sie niemals Anerkennung finden. Zumindest nicht in jener publizistischen Ecke, die mit Medienjournalismus überschrieben ist. Wobei das mit dem Journalismus – erinnert sich noch jemand an das Lehrbuchkapitel „Sorgfaltspflicht“? – auch wieder so eine Sache ist.

Was immer die Programmschaffenden anstellen, sie sehen sich in jedem Fall publizistischen Hieben ausgesetzt. Nehmen wir als Beispiel das Angebot zur Sommerzeit. Kürzlich beklagte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ in einem Kommentar: „Im Fernsehen werden die Zuschauer in den Sommermonaten mit Wiederholungen abgespeist. Nun bleibt zu hoffen, dass das Wetter niemanden zwingt, auf das dürftige Programm zurückgreifen zu müssen.“ Und natürlich wurde das Thema Gebühren aufgerufen, da freuen sich vor allem jene Leser, die einen eher affektiven Zugang zum Sujet haben: „So wird uns programmatisch der Sommer vermiest – obwohl wir im Juli und August nicht weniger Gebühren zahlen als sonst.“

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ schien sich dem inhaltlich anschließen zu wollen: „Als daheimgebliebener Gebührenzahler kann man angesichts des öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramms während der Ferienzeit graue Haare bekommen: Wiederholungen, Wiederholungen, nichts als Wiederholungen.“ Aber halt, der Kommentator reißt das Steuer herum und zählt ein paar sehenswerte Erstaufführungen auf, darunter den Film „George“, dessen Hauptdarsteller Götz George sich gegen eine Ausstrahlung in der Sommerzeit ausgesprochen, aber kein Gehör gefunden hatte. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ stimmt in das Gemurre des Großschauspielers ein und findet die Ausstrahlung „im Sommerloch“ (philosophische Frage: Ist ein programmlich gefülltes Sommerloch überhaupt noch ein Loch?) „eine Unverschämtheit“. Und auch so herum lässt sich gegen die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wettern: „Und als Gebührenzahler fragt man sich: Darf man eigentlich so mit unseren Geldern umgehen?“

So wird uns publizistisch der Sommer vermiest – obwohl wir im Juli und August nicht weniger fürs Zeitungsabonnement zahlen als sonst.

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