Arte wiederholt sich

Mit seinem aktuellen Themenschwerpunkt „Summer of Soul“ bereitet Arte derzeit nicht nur den Freunden dieser musikalischen Stilrichtung viel Freude. Es geht um mehr: um Politik, gesellschaftlichen Wandel, Kulturgeschichte. Dies ist umso bemerkenswerter, als pophistorische Themen in anderen Redaktionen, zum Beispiel innerhalb des NDR, als „Specialinterest-Fernsehen“ abqualifiziert werden, die nicht einmal einen 45-Minuten-Sendeplatz verdienen.

Die Bereitstellung gleich mehrerer Termine im Juli und im August durch Arte erst macht es möglich, die vielen Aspekte und Facetten des Themas umfassend zu beleuchten. Dass es dabei zu inhaltlichen Überschneidungen kommt, lässt sich verschmerzen, wenn zum Beispiel mehrfach Ausschnitte aus alten Wochenschauen oder Fernsehberichten zu sehen sind, die zur Erläuterung des Kontextes beitragen.

Beim ersten Film der vierteiligen Dokumentarreihe „Soul Power!“ aber kamen doch Irritationen auf. Hatte man den Beitrag nicht gerade erst einige Wochen vorher, am 6. Juli, ebenfalls bei Arte – und zwar schon damals als Wiederholung – gesehen? Allerdings unter dem Titel „Birth of Groove“. Das Entstehungsjahr jenes Films war mit 2010 angegeben, „Soul Power!“, Teil 1, soll in 2013 produziert worden sein. Viele Interviewpassagen aber waren ähnlich oder sogar identisch. Und Gesprächspartner wie Gabriel Roth, Charlie Musselwhite, Dee Dee Bridgewater und Martha Reeves trugen exakt dieselbe Garderobe. Da hatte der Filmautor Jean-Alexander Ntivyihabwa offenbar massiv auf altes Material zurückgegriffen. Das mag hinzunehmen sein, wenn die Interviewten wie etwa der Soul-Gigant Solomon Burke mittlerweile verstorben sind. Aber die Übereinstimmungen mit dem drei Jahre älteren Film waren doch so umfassend, dass die Frage aufkommt, ob eine Neuproduktion, die hier in erster Linie aus einer neuen Montage bestand, denn überhaupt nötig gewesen wäre.

Arte bezog auf Anfrage folgendermaßen Stellung:

„Ihre Frage ist einerseits berechtigt, auch die zuständige Redaktion ist sich des Problems der Protagonistenauswahl bewusst und steht dazu in Gesprächen mit den Produzenten. Bei manchem Archivmaterial (Martin Luther King) sind Dopplungen allerdings unvermeidlich.

Eine Neuproduktion ist die Dokumentation dennoch, da „Soul Power“ erzählerisch wesentlich weiter ausholt; der erzählerische Kontext ist ein anderer als bei „Birth of Groove“, was die Erstausstrahlung letztlich rechtfertigt.“

 

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