Der Vollständigkeit halber

"Crime Story", Vorspannmotiv und DVD-Cover.

„Crime Story“, Vorspannmotiv und DVD-Cover.

Der Schauspieler Dennis Farina ist tot und es ist nur recht, aber auch billig, dass diverse Medien den von dpa ausgesandten Nachruf übernehmen oder zitieren. Allerdings hätte man von dem einen oder anderen Qualitätsmedium erwartet, dass der doch allzu lapidare Schlusssatz der folgenden Passage der nötigen Bearbeitung unterzogen worden wäre:

„In den Komödien ‚Midnight Run‘ (1988) und ‚Schnappt Shorty‘ (1995) mimte er Mafiabosse, in Steven Spielbergs Kriegsdrama ‚Der Soldat James Ryan‘ (1998) spielte er einen Armee-Oberst. Daneben war er in Fernsehserien wie ‚Crime Story‘ und ‚Miami Vice‘ zu sehen.“

Denn diese beiden Serien wurden produziert von Michael Mann, der den Ex-Polizisten Farina 1981 für sein stilisiertes Gangsterdrama „Thief“ (dt. „Der Einzelgänger“) als Fachberater angeheuert hatte. Die folgenden TV- und Kinorollen waren weniger maßgeblich, aber in der ab 1986 ausgestrahlten epischen Serie „Crime Story“, für die Mann auch selbst zur Feder griff, stand Farina nicht nur im Zentrum des Geschehens, sondern konnte sein ganzes Charisma ausspielen und auch sein Profil als Charakterdarsteller schärfen. Die epische Kriminalserie „Crime Story“ beschrieb über Orte und Jahre hinweg den Kampf gegen die Mafia zu Beginn der 1960er-Jahre. Die Autoren um die Serienschöpfer Chuck Adamson – ebenfalls ein Ex-Polizist und zeitweilig im selben Chicagoer Department tätig wie Dennis Farina – und Gustave Reininger nahmen dabei immer wieder Bezug auf reale Ereignisse. So lässt sich in einer Figur unschwer der junge Robert F. Kennedy erkennen. Zum Ensemble der Serie zählten unter anderem Pam Grier, Michael Madsen, David Caruso, Eric Bogosian und Ted Levine. Die Musik stammte von Al Kooper und Todd Rundgren.

Dennis Farina verkörperte den unbeirrbaren Lt. Mike Torello, der mit seinem eingeschworenen Team energisch und mit der damals noch üblichen Härte, die dem Verdächtigen keinerlei Rechte zubilligt, gegen das organisierte Verbrechen vorging, dabei vielerlei Rückschläge erlitt, seine Ehe aufs Spiel setzte, und der auch niedergeschlagen und verzweifelt sein konnte, wenn einer seiner Mitstreiter (vermeintlich) die Seite wechselte und sich bei den Gangstern verdingte. Hier zeigte Farina weit mehr schauspielerische Potenz als in manchen Leinwand-Blockbustern, deren Regisseure ihn auf – mitunter recht alberne – Klischeefiguren reduzierten.

Bedauerlich also und der Wahrheit fern, wenn Farinas Fernsehrollen – die Serie „Buddy Faro“ (1998) produzierte er sogar selbst – mit einem geringschätzigen „Daneben …“ als minderwertig hingestellt werden.

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