Materialien zur Diskussion um „Auf der Flucht – Das Experiment“

Kritik der zynischen Unvernunft

Es wurde in diesem Blog schon angesprochen, aber vor dem Hintergrund der Kontroversen um die ZDFneo-Sendereihe „Auf der Flucht – Das Experiment“ sei es noch mal aufgewärmt. Absurd genug, dass Fernsehschaffenden Rassismus unterstellt wird, die erklärtermaßen und engagiert vor allem dem latenten Rassismus in dieser Gesellschaft entgegenwirken wollen. Was dieses Thema anlangt, müssen sich einige Kritiker – ausgenommen die fanatischen Anti-Rundfunkgebühren-Motzer und die notorischen Berufsempörer, die gern der Öffentlichkeit und mehr noch vielleicht sich selbst ihre moralische Überlegenheit demonstrieren wollen – mindestens Realitätsferne, wenn nicht Snobismus vorwerfen lassen, wenn sie den eigenen Bildungsgrad und Medienkonsum als Normalfall einschätzen und zur Grundlage ihrer Bewertung machen. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung nämlich meidet sowohl konventionelle Dokumentationen über die Flüchtlingsproblematik als auch überhaupt jegliches Informationsmedium der gehobenen Art. Manche beziehen ihr Wissen über das Tagesgeschehen allein aus kostenlosen Anzeigenblättern. Zum Beispiel plumpsen jeden Sonntag 241.378 Exemplare (Verlagsangabe) des norddeutschen Anzeigenblättchens „Osnabrücker Sonntagszeitung“ in die Briefkästen. Darin finden sich Zeilen wie die folgenden, die der Kolumne des Herausgebers entnommen wurden. Bitte lesen Sie bis zum Schlusssatz:

„Die Änderung in der Zusammensetzung unserer Gesellschaft merkt auch deutlich die Polizei. Auch wenn es immer einen unteren, einen mittleren und einen oberen Teil der Gesellschaft gegeben hat, so ändern sich doch gerade auch die Kriminaltaten des unteren Teils deutlich. In Georgsmarienhütte wurden in den letzten Wochen über 50 Gullydeckel ‚geklaut‘. Die Polizei sucht, die Verwaltung hat eine Belohnung ausgesetzt. Wer aber macht sowas? Das ist kein Lausbubenstreich mehr. Wer mit seinem Wagen, Motorrad oder Fahrrad in ein so geöffnetes Loch hineinfährt, kann sich durchaus auch schwer verletzen. Wo werden aber vielleicht gerade 50 Gullydeckel im Ausland gebraucht?“

Hier noch ein Denkanstoß anderer Art, nämlich die Stellungnahme einer Lehrerin zum australischen Vorbild für „Auf der Flucht …“, der Sendereihe „Go Back To Where You Came From“ des Senders SBS:

„I recently showed this documentary to my Year 9 class and was incredibly moved at the impact it had on my girls. I teach at a school that is made up of predominantly anglosaxon students and prior to showing this documentary it was not unusual for me to hear my students engage in cringe worthy racial slurs. In our discussions during and after watching ‚Go back to where you came from‘ the girls eyes were completely opened up and many talked about how ashamed they felt that for years they had criticised refugees whilst they had never attempted to understand their situation. We are so lucky as Australians to live in a country with an abundance of opportunity, why not share it around? Why do some believe that other people are not worthy of such blessings simply because they were born into circumstance they were? I will continue to expose as many students as I can to this documentary and would recommend all students of highschool age watch this.“

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