Pannen! Desaster! Mutationen!

Fürwahr, „Promi Big Brother“ auf Sat.1 ist eine schlecht gemachte, belanglose Unterhaltungssendung, der man am besten mit Nichtbeachtung begegnete. Doch so konsequent ist die programmbegleitende Publizistik auch in diesem Falle nicht. Ein anderer Kasus, der sich jüngst am Beispiel der ZDF-Nachmittags-Talkshow „inka!“ trefflich exemplifizieren ließ, ist die Frage nach den Einschaltquoten. Ewig und immerdar wird den öffentlich-rechtlichen Sendern vorgehalten, sie schielten doch ganz nach Muster der Privaten immer nur auf die Quoten. Was aber wurde gegen „inka!“ hauptsächlich und mit breitem Tenor vorgebracht: „Talkshow mutiert zum Quoten-Desaster“ – hier ohne viel Edelfederlesens zitiert eine Überschrift von „focus online“ (erstaunlich, was so alles mutieren, auf deutsch: sein Erbgut verändern, kann …), aber ähnlich und gleichlautend quer durch die Journaille zu finden.

Zurück zum Exploitation-Fernsehen. Programmhistorisch gibt es bei „Promi Big Brother“ immerhin einen interessanten Aspekt. Das Format ist, entgegen hartnäckigen Behauptungen unter anderem der dpa, keine Kopie des Konzepts von „I’m A Celebrity – Get Me Out of Here!“, das wir in Deutschland als „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ oder unter der Chiffre „Dschungelcamp“ kennen. „Big Brother“ ist von Anfang an ein Markenprodukt des ursprünglich niederländischen, längst aber global tätigen Herstellers Endemol. Und der produzierte schon 2000, also ein Jahr nach der Premiere des Formats, eine Prominentenversion unter dem Titel „Big Brother VIPs“. Zur Kandidatenriege gehörte unter anderem der später ermordete Regisseur und Moderator Theo van Gogh. Granada Television, heute ITV, und LWT verlegten das Geschehen dann 2002 in den australischen Dschungel, wo auch die deutsche Version von „I’m A Celeb“, so das schickere britische Kürzel für die Show, produziert wird.

Was folglich seitens gut bezahlter Medienjournalisten oder -redakteure mal wirklich recherchiert gehörte: Wie konnte Endemol trotz langjähriger Erfahrung in der Produktion derartiger Formate diese Sendung so dermaßen verhauen?

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