Die Regisseursliga von Twin Peaks

Hie, da und sonstwo wird gerade über die Frage spekuliert, ob „Das Geheimnis von Twin Peaks“ wohl auch ohne das Zutun von David Lynch fortsetzbar wäre. Weil’s eine müssige Debatte ist, keine Links, sondern kurz und ohne Klickschinderei beantwortet: Wieso nicht? Schon an den ersten Staffeln waren neben Lynch hochkarätige Regisseure wie Lesli Linka Glatter, Tim Hunter, Diane Keaton, Uli Edel, Caleb Deschanel beteiligt. Außerdem inszenierte Ko-Autor Mark Frost selbst. Der weiß schon, wie’s geht.

Noch einige Fun Facts zur Serie (aus „Kultserien und ihre Stars“, RORORO, 1999):

In den USA erreichte der „Twin Peaks“-Pilotfilm 35 Millionen Zuschauer (gleich 35 Prozent Marktanteil), in Deutschland sahen vier Millionen Zuschauer den Piloten [Anm.: am 10.9.1991 bei RTL, das damals noch RTLplus hieß], im Schnitt verfolgten cirka zwei Millionen Zuschauer die erste Staffel der Serie. Mit Sonderaufführungen, „Twin Peaks“-Partys und einem regelmäßigen Newsletter hatte RTLplus Presse und Publikum auf das Fernsehereignis einzustimmen versucht. (…)

Sat.1 versuchte sich als Spielverderber und verriet den Namen des Mörders via Videotext, tat damit dem Konkurrenten indes sogar einen Gefallen – die Zahl der Zuschauer erhöhte sich kurzzeitig auf 2,9 Millionen.

Mark Frost arbeitete vor seiner Zusammenarbeit mit David Lynch als ­story editor der Serie „Polizeirevier Hill Street“, für die er auch einige Drehbücher verfaßte.

Mark Frost und David Lynch ließen diverse Familienmitglieder an der Produktion teilhaben. Warren Frost, der Darsteller des Dr. Hayward, war der Vater des Autors; sein Bruder Scott steuerte einige Drehbücher bei und schrieb das Buch The Autobiography of FBI Special Agent Dale Cooper. David Lynchs Tochter Jennifer lancierte einen Bestseller mit „The Secret Diary of Laura Palmer“, von dem mehr als 600.000 Exemplare verkauft wurden. Weitere „Twin Peaks“-Merchandising-Produkte – alle von den eigens gegründeten Lynch/Frost Productions autorisiert – waren das Diktiergerät ›Diane‹, die von Kyle MacLachlan besprochene Hörspielkassette Diane … The Twin Peaks Tapes of Agent Cooper, die Nadine-Hurley-Augenklappe, T-Shirts mit Beschriftungen wie „I Killed Laura Palmer“, „Welcome to Twin Peaks“, „Call Me Bob“, „RR Diner“ und „Who Killed Laura Palmer?“, FBI-Kapuzenjacken und, neben den üblichen Schirmkappen, Kalendern und Soundtrack-Alben, auch eine Art Reiseführer mit dem Titel „Welcome to Twin Peaks – Access Guide to the Town“.

Besonderen Erfolg hatte „Twin Peaks“ in Japan. 1993 war die Serie bereits siebenmal wiederholt worden; vom Videopaket mit sämtlichen Episoden wurden, bei einem Stückpreis von etwa 1.000 Mark, binnen kurzem 45.000 Einheiten verkauft. Der Kinofilm „Twin Peaks: Fire Walk With Me“ startete in Japan noch vor der US-Premiere. Für die japanische Coca-Cola-Niederlassung drehte David Lynch eine Serie von Werbespots mit dem Original-„Twin Peaks“-Ensemble. In den vier im Abstand von zwei Monaten auf nahezu allen japanischen Kanälen ausgestrahlten, für ­andere Länder nicht freigegebenen Commercials suchte Agent Cooper in Twin Peaks nach einer verschollenen japanischen Touristin.

Zitate:

„Für mich ist die Serie wie ein kultureller Komposthaufen, bei dem jede Figur und jeder Schauspieler ein direktes oder indirektes Zitat darstellt.“ (Mark Frost)

„In einer Soap opera kann man auch den kleinsten Details noch große Aufmerksamkeit widmen. In ‚Twin Peaks‘ spielen Kaffee, Doughnuts und Kuchen eine wichtige Rolle.“ (David Lynch)

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