Die Blochin-Gleichung

Blochin

Foto: Stephan Rabold / ZDF

Am kommenden Freitag zeigt das ZDF die Auftaktepisode des Fünfteilers „Blochin – Die Lebenden und die Toten“. Der Sender sprach schon früh, die Premiere fand im Rahmen der Berliner Filmfestspiele statt, von einer „horizontalen Erzählung“. Eines dieser Modeworte, mit denen Serienneulinge Kennerschaft simulieren.

„Blochin“ ist schlicht einer dieser Mehrteiler, wie wir ihn seit 1959 kennen, als mit „So weit die Füße tragen“ der erste aber sowas von horizontal erzählte sogenannte „Fernseh-Roman“ ausgestrahlt wurde, dem 1960 „Am grünen Strand der Spree“ und dann vor allem Kriminalmehrteiler etwa aus der Feder Francis Durbridges und seines Nachahmers Herbert Reinecker folgten.

Unklug vom ZDF, sprachlich den Anschluss an einen vom deutschen Feuilletonismus aufgebauschten Trend zu suchen, statt selbstbewusst auf eigene Erzähltraditionen und -errungenschaften zu verweisen. Wie nicht anders zu erwarten, nehmen Kritiker das ZDF beim deplatzierten Wort und werfen nun vergleichsweise die längst überstrapazierten und das Produktionsgeschehen gar nicht repräsentierenden Referenztitel „The Wire“ und „Breaking Bad“ in die Runde.

Auch sonst lassen sich im Rezensionswesen frappante Übereinstimmungen beobachten. Siehe unten. Ist man sich da rein zufällig einig bis aufs Wort? Die Kritik bei Tittelbach.tv erschien am 31. August 2015. Bei Quotenmeter, der Seite mit den lustigen Grammatikverrenkungen, wird als Veröffentlichungsdatum der 22. September 2015 angegeben.

Tittelbach.tv: „Das ZDF versucht sich mit Matthias Glasners Serie „Blochin“ am horizontalen Erzählen.“
Quotenmeter: „Das ZDF versucht sich an einer stimmungsvollen, horizontal erzählten Serie.“

Tittelbach.tv: „Blochin sucht Hilfe bei seinem Schwager – und dieser nimmt die Sache selbst in die Hand.“
Quotenmeter: „Denn als Blochin von einem schurkischen Ex-Kumpel erpresst wird, nimmt der ‚Lieutenant‘ die Dinge selbst in die Hand.“

Tittelbach.tv: „So entsteht eine lineare Und-dann-und-dann-Narration, die einen irgendwann ermüdet, weil nur Informationen angehäuft werden, anstatt dass sich der Film aus seiner Montage heraus selbst erzählen würde.“
Quotenmeter: „Das Drehbuch des generell sehr fähigen Regisseurs und Autors Matthias Glasner entwirft kein packendes Konstrukt, sondern listet die Geschehnisse bloß in einer ‚Und dann, und dann, und dann …‘-Aneinanderreihung haarklein auf.“

Tittelbach.tv: „Das Erzählte wäre passend für einen dreistündigen Zweiteiler.“
Quotenmeter: „Die Geschichte würde eher einen Zweiteiler tragen als eine Serienstaffel (…)“

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