Der kleine Horrorladen

Der allgemeinen Auffassung nach hängt das Fernsehen am Rockzipfel des Kinos und darf sich glücklich schätzen, wenn Filmschaffende sich zu ihm herablassen. Die historischen Tatsachen sehen ein wenig anders aus. Seit je engagieren Filmproduzenten Schauspieler, die beim Fernsehen Popularität erlangt haben. Und auch auf Stoffe des Fernsehens griffen Kinomacher oft zurück.

In Großbritannien zum Beispiel. Die britischen Hammer Studios, an deren Ausstoß die französische Dokumentation „Dark Glamour“ erinnert, hatten den ersten Bankrott schon hinter sich, als sie nach dem Zweiten Weltkrieg einen neuen Anlauf nahmen. Mehr dazu am 6.8.2017 um 21:55 Uhr bei Arte und unter http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/tv-kritik/dark-glamour-arte-der-kleine-horrorladen-a-1327172

Die Generalüberholung hergebrachter Mythen

Sie sind erwacht, wurden aufgeschreckt oder reanimiert. Klassische Fabelwesen, aber auch Figuren aus jüngeren Mythologien: Dracula und Jack the Ripper, Norman Bates und Hannibal Lecter. Gleich ob die Geschichte historisch angelegt oder in die Gegenwart verpflanzt wurde, die Erzählhaltung ist modern. Oder postmodern, forciert vorgeführt in der Serie „Once Upon the Time“ – gerade in zweiter Staffel bei Super RTL –, wo sich Schneewittchen, Peter Pan, Pinocchio, Robin Hood im selben Kosmos tummeln. Der Wiedererkennungswert macht es dem Publikum leichter, wenn die Autoren fröhlich Mythen-Bricolage treiben und tolldreist zwischen Volks- und Kunstmärchen, zwischen Zeit- und Erzählebenen umher hüpfen.

Die Aneignung klassischer Erzählstoffe hat Tradition. Bram Stoker passte in seinem Roman „Dracula“ volkstümliche Vampirsagen dem viktorianischen Zeitgeschmack an; Cole Haddon macht den Blutsauger in seiner gleichnamigen TV-Serie von 2013 zum kapitalistenfeindlichen Rächer.

Ähnlich durchliefen andere mythische Figuren immer neue Metamorphosen, in Hörspiel, Comic, Roman, auf der Leinwand, im Fernsehen, bis hin zur ironischen Meta-Erzählung. Früh hervorgetan haben sich diesbezüglich Sam Raimi und Robert Tapert. Ihre Mitte der 90er lancierten Serien „Hercules“ und der Ableger „Xena“ waren gespickt mit satirischen Anspielungen. Auch gab es eine Musical-Episode und eine Folge, die unversehens in die Büros der Produktionsfirma blendete und die antiken Kabalen frech auf die Fernsehschaffenden selbst übertrug.

Damals zählten Alex Kurtzman und Roberto Orci zum Autorenstamm, die sich 2013 im gleichen Geiste gemeinsam mit „Underworld“-Regisseur Len Wiseman und Phillip Iscove die Gruselmär „The Legend of Sleepy Hollow“ vorknöpften. Weiterlesen

Ein Saftsack in L.A.

Am 7. Februar um 22.10 Uhr bei Tele 5:

Blacula

That is one strange dude“, bemerkt einer der Aufführenden, wahre Worte, wie sie nur in billigen Filmen zu finden sind. Samuel Z. Arkoff, der große B-Film-Produzent, steckt dahinter, wenn ein Herr Mamuwalde aus Afrika anreist und beim Grafen Dracula vorstellig wird, um Hilfe gegen die Sklaverei zu erbitten. Statt diese zu gewähren, schnappt der Transylvanier zu, da es ihn nach der Gattin seines Gastes gelüstet. Jahre später begegnen wir Herrn Mamuwalde, der jetzt Blacula heißt, in Los Angeles. Und was er dort trieb, ward vom Publikum so gern gesehen, daß er im Jahr darauf ein weiteres Mal erstand und unter der Überschrift „Scream, Blacula, Scream“ Pam Grier nachstellte, die keinen Tarantino braucht, um einem blutschlürfenden Lustgreis Paroli zu bieten.

USA 1972, Farbe, 93 Min., Buch: Joan Torres, Raymond Koenig, Regie: William Crain, mit: William Marshall (Mamuwalde/Blacula), Vonetta McGee (Tina/Luva), Denise Nicholas (Michelle), Thalmus Rasulala (Dr. Gordon Thomas), Charles Macauley (Graf Dracula), Elisha Cook jr. (Sam) u. a.

Gut zu wissen: Bei einem Nachtclub-Besuch Blaculas tritt die Hues Corporation auf und leistet ihren Beitrag zum bis dato wohl souligsten Vampirfilm.

Aus: Schräg, schrill, scharf und schundig, RORORO, Reinbek 2000