Eine Breitseite mit der vollen Bandbreite

Wer die vor einiger Zeit komplett auf DVD erschienenen Folgen der Reihe „Beat-Club“, bei der es sich entgegen kurantem Geplapper nicht um die erste Musik-TV-Sendung für junge Leute handelte, auch nur zum größeren Teil durchgesehen hat, durfte aufs Schönste erfahren, dass es in den 1960ern und frühen 1970ern nicht nur die Beatles, Stones und Steppenwolf gab. Was man ja glauben könnte, wenn man heutige Dokumentar- und Spielfilme sieht, die in der fraglichen Zeit angesiedelt sind.

Eine erheblich größere Bandbreite gibt es auch bei der Partyreihe „Electric Musicland“, deren nächste Ausgabe am 19. Mai ab 21.00 Uhr in der Compagnia Buffo in Restrup bei Bippen stattfinden wird, einem ehemaligen Landgasthof mit passender Atmosphäre und idyllischem Umfeld. Da bekommt man, wenn es den Vinyl-DJs und dem Publikum gefällt, vielleicht auch mal die Stooges, Shanti, If, Foghat oder Rare Earth zu hören, Gentle Giant, Tower of Power, die Edgar Broughton Band, Babe Ruth, Carl Carlton, Con Funk Shun oder Frijid Pink. Die Doors, David Bowie, Birth Control, Earth Wind & Fire und Patti Smith natürlich sowieso.

Nebenbei: Wer die vor einiger Zeit komplett auf DVD erschienenen Folgen der Reihe „Beat-Club“, bei der es sich entgegen allgemeinem Geplapper nicht um die erste Musik-TV-Sendung für junge Leute handelte, auch nur zum größeren Teil durchgesehen hat, weiß somit auch, dass die Multimedia-DVD „Tele-Visionen“ der Bundeszentrale für politische Bildung ganz schön viele Fehler enthält. Und das betrifft nicht allein die Passagen über den „Beat-Club“ respektive das jugendorientierte Fernsehen. Etwaigen Neuauflagen sollte man, um der korrekten Lehre willen, vielleicht ein Bändchen mit Errata beilegen.

Advertisements

Ein lohnender Ausflug aufs Land

Am 19. Mai lädt der Kulturverein L.I.F.T. wieder ein zur alternativen DJ-Party „Electric Musicland“. Dieses verbirgt sich hinter den Toren des früheren Gasthaus- und heutigen Theatersaales der idyllisch gelegenen Compagnia Buffo in Restrup bei Bippen (zwischen Osnabrück und Bremen). Bei schönem Wetter lädt auch der von den Kronen alter Eichen überdachte Hof zum Aufenthalt. Drinnen gibt es dann Musik aus den Rock-Diskotheken der 60er und 70er, nicht nur Standards, sondern auch Gewagtes. Vielleicht mal wieder Shanti, Dakila oder Osibisa, Argent, Gentle Giant oder die Edgar Broughton Band, Cissy Houston, Taj Mahal, Sugar Cane Harris oder Les McCann. Wer weiß, wer weiß …

(c) Harald Keller

Von übermütigen Bauern, aufstrebenden Stars und durchtanzten Nächten

Besucher der Hyde Park Jubiläumsparty am 2.7.2011.© Harald Keller

Besucher der Hyde Park Jubiläumsparty am 2.7.2011.© Harald Keller


Vorpremiere der Multimedia-Revue zum Buch über den Osnabrücker „Hyde Park“ in der Compagnia Buffo

Der Zufall spielte eine große Rolle, als 1976 in Osnabrück an der Rheiner Landstraße der Musikclub „Hyde Park“ eröffnet wurde. Mehrere günstige Ereignisse trafen zusammen, glückliche Umstände hatten den richtigen Personenkreis versammelt. Von Anfang an war der „Hyde Park“ ein Publikumsmagnet, für Osnabrücker sowieso, aber auch für Jugendliche aus dem näheren und weiteren Umland und sogar aus den Niederlanden. Nicht zuletzt die Konzerte mit nationalen und internationalen Rock-Größen aller Sparten machten den „Hyde Park“ weithin bekannt. Auch vielen Musikern blieb er in Erinnerung – Steve Broughton von der Edgar Broughton Band zählt bis heute zu den Freunden des Hauses, Henry Rollins würdigte den „Hyde Park“ in seiner Autobiografie.

In diesem Jahr feiert der „Hyde Park“ sein 35-jähriges Bestehen. In einer solchen Zeitspanne sammeln sich viele Anekdoten an – Geschichten wie jene über den Bauern, der eine Kuh auf die Tanzfläche trieb, über die Kapricen und Kapriolen namhafter Musiker, vor allem aber über den heißen Sommer im Jahr 1983, als der „Hyde Park“ an seinem ursprünglichen Standort per behördlicher Verfügung geschlossen werden sollte und hunderte Jugendliche dagegen demonstrierten. Als auf der Rheiner Landstraße Barrikaden in Brand gesetzt wurden, kam es zu einem äußerst umstrittenen Polizeieinsatz – selbst „Bild“ und „Tagesschau“ berichteten. Eine Woche lang wurde demonstriert, am folgenden Wochenende trafen Demonstranten und von auswärts herangeführte Polizeieinheiten heftig aufeinander.

In dem reich bebilderten Buch „HYDE PARK-Memories – Ein Osnabrücker Musikclub und seine Geschichte(n)“ (Oktober Verlag, Münster, hrsgg. von Harald Keller und Reiner Wolf) beanspruchen der damalige ‚Kampf um den ‚Hyde Park’’ und seine Ursachen ein eigenes Kapitel. Aber auch die Folgejahre werden ausführlich gewürdigt – die Zwischenstation in einem Zirkuszelt, die Gastspiele in der Halle Gartlage, der innovative Holzbau und schließlich der heutige Standort im Schatten des Piesbergs, wo der „Hyde Park“ wohl seine endgültige Heimat gefunden hat. Autoren wie Beate Dölling (Kinderbuchautorin), Martin Sonneborn („Titanic“, „heute-show“), Dietmar Wischmeyer („Günther, der Treckerfahrer“), Jenni Zylka („taz“, „Spiegel online“, Romanautorin) erinnern sich an ihre ersten Besuche im „Park“, Musiker wie Jello Biafra, Campino, Eric Fish, Heinz Rudolf Kunze, Didier Laget reminiszieren ihre Gastspiele, ehemalige Mitarbeiter berichten von ihren Erfahrungen. Am Rande findet Erwähnung, dass auch der heutige Bundespräsident Christian Wulff einst zu den Gästen des lange Zeit als verrucht geltenden Musikclubs gehörte. Ausführlich befassen sich die Autoren mit Themen wie der Arbeit der Diskjockeys, mit dem Wandel des Konzertbetriebs und liefern den Nachweis, dass die erste Diskothek Deutschlands keineswegs, wie von vielen Medien behauptet, in Aachen stand. „HYDE PARK-Memories“ bietet eine Fülle an Histörchen und Informationen, bis hin zur Konzertchronik, in der sich noch einmal nachblättern lässt, wer wann im „Hyde Park“ gastierte – ob Scorpions oder Canned Heat, BAP oder die Toten Hosen, Unheilig oder Subway to Sally. Und viele, viele mehr.

Am 26. August 2011 lädt der Kulturverein L.I.F.T. zu einer Vorpremiere der „HYDE PARK-Memories-Multimedia-Revue“ in die Compagnia Buffo in Restrup. Die Herausgeber des Buches zeigen Ausschnitte privater Filmaufnahmen, die sie im Zuge ihrer Recherchen zur Verfügung gestellt bekamen. Ferner tragen Autoren Texte aus dem Buch vor, dazu werden vereinzelt Fotoaufnahmen projiziert.

Im Anschluss bitten die Veranstalter zur Party mit dem Soundtrack zum Buch: der Musik vor allem aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, die sich für viele mit ihren „Hyde Park“-Besuchen verbindet.

HYDE PARK-Memories-Multimedia-Revue“
Es wirken mit: Martin Barkawitz, Harald Keller, Kirsten Schuhmann, Gisbert Wegener, Reiner Wolf.
Termin: 26.8.2011, 20.00 Uhr
Ort: Compagnia Buffo, Restrup bei Bippen
Eintritt: 8,-, ermäßigt 5,- 
Besucher der Hyde Park Jubiläumsparty am 2.7.2011.© Harald Keller

Besucher der Hyde Park Jubiläumsparty am 2.7.2011.© Harald Keller

Besucher der Hyde Park Jubiläumsparty am 2.7.2011.© Harald Keller

Besucher der Hyde Park Jubiläumsparty am 2.7.2011.© Harald Keller