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Keine Spur von Routine beim Gastspiel von Sister Sledge am 8. Mai 2016 beim Stadtfest in Münster. Die Damen geben sich auf der Bühne so übermütig und putzmunter, als wären sie auf ihrer ersten Tour überhaupt, albern herum, bitten Zuschauer aufs Podium, klatschen die ersten Reihen ab und mischen die bekannten Hits mit Gospel – so haben sie mal angefangen – und einem selbstkomponierten Rocksong. Sister Sledge gehören zur Disco-Ära, sind aber keiner dieser Playback-Hupfdohlen-Acts, wie die Älteren unter uns sie aus dem zur Dorfdisko verkommenen späten „Musikladen“ kennen, bei denen im besseren Fall ausgebildete Tänzerinnen die Lippen zu Gesangsparts bewegten, die in München oder anderswo am Fließband produziert wurden.

Sister Sledge hingegen sind eine Band, in der die Sängerinnen untereinander und mit ihren Musikern kommunizieren. Überraschende Einlage: Debbie Sledge, die vergangene Woche xnlnzig wurde, bekam von ihrem Sohn eine Geburtstagstorte überreicht, und ein paar hundert Westfalen sangen „Happy Birthday“. Zur Zugabe durften nochmals Fans auf die Bühne. Zwar wurde auch anderes vermeldet, aber zum Finale hieß es frei nach Nile Rodgers und Bernie Edwards (R.I.P.): „Freak Out!“

Fotos: Harald Keller.

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Scharfe Bläserattacken im Schatten des Doms

Kool & The Gang am 11. Juli 2015 beim Stadtfest Münster.

Ein bizarres Konzerterlebnis beim Stadtfest „Münster mittendrin“ auf dem Domhof: Da stand eine Type auf der Bühne, die sich Bobby Kimball nannte und auch eine gewisse optische Ähnlichkeit mit dem namensgleichen früheren Toto-Sänger aufwies. Dieses Individuum allerdings riss fade Witze und stimmte zwischendurch alte Hits der vor allem bei Dudelsendern sehr beliebten AOR-Combo Toto an, traf aber nur selten den richtigen Ton. Es muss sich wohl um eine Art parodistische Comedy-Darbietung gehandelt haben, deren Witz sich dem Berichterstatter allerdings nicht erschloss. Dennoch gab es viel Beifall für den seltsamen Auftritt – allerdings teils von Menschen, die mit riesigen Rucksäcken um sich rempelten oder Bier über die Köpfe der anderen verspritzten, also scheint’s noch nicht ganz bis zur heutigen zivilisatorischen Entwicklung der Menschheit aufgeschlossen haben.

Die Anreise veranlasst hatte indes der Top-Act des Abends. Und Kool & The Gang waren es wert. Live sind sie vor allem dank der knackigen Bläser um einiges funkiger als auf ihren oft arg steril klingenden, desungeachtet groovigen und demgemäß in der HipHop-Sparte häufig gesampelten Studioplatten. Die frühen Erfolgsalben übrigens wurden zum Teil unter Mitarbeit Eumir Deodatos, eine Größe mit eigenen Meriten, produziert.

Bassist Robert „Kool“ Bell und seine quirlige Bande, allen voran der übermütige Trompeter und Sänger Michael Ray (Ex-Sun Ra Arkestra), der zwischendurch auch mal fröhlich ein Rad schlägt, servieren Hit auf Hit, eingeschlossen Titel aus ihrer frühen Funk-Phase, und haben viel Spaß auf der Bühne, was sich von der ersten Minute an aufs Publikum überträgt. Und die knapp 90 Minuten Spielzeit können auch wir älteren Herrschaften problemlos im Stehen oder gar tanzend durchhalten.

 Kool & The Gang 022 Ausschnitt kl.Kool & The Gang 047 Ausschnitt kl.