Emil Nolde – Leben, Werk und seine braune Periode

An Wacken vorbei, noch ein gutes Stück geradeaus, dann gelangt man nach Seebüll nahe der dänischen Grenze. Nolde-Land sagen einige, denn dieser oft wolkenverhangene Landstrich stand im Zentrum von Emil Noldes Schaffen. Am 7. August wäre der friesische Expressionist 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund würdigen 3sat und NDR den Künstler mit einem kritischen Porträt, das dessen Leistungen nicht schmälert, aber auch seine Anbiederung an den Nationalsozialismus nicht ausspart.

Randnotiz: Leider waren die beteiligten Sender nicht in der Lage, passende Fotos zu der Dokumentation bereitzustellen. Daher musste sich die FR-Redaktion mit Motiven eines älteren Films vom selben Autor behelfen.

Mehr dazu unter http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/tv-kritik/emil-nolde-maler-und-mythos-3sat-ndr-ihm-genuegten-himmel-und-erde-a-1326775

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Der Mann, der die Puppen nicht nur tanzen ließ

Gerry Anderson, gemeinsam mit seiner früheren Ehefrau Sylvia Schöpfer von Serienklassikern wie „Thunderbirds“ und „Mondbasis Alpha 1“, ist tot. In Memoriam und zur pläsierlichen Weiterbildung für die Nachgeborenen hier der Eintrag „Thunderbirds“ aus meinem Büchlein „Kultserien und ihre Stars“:

Der Kalte Krieg war im schönsten Schwange, als die THUNDERBIRDS erstmals über die britischen Bildschirme brausten. Das Produzentenehepaar Gerry und Sylvia Anderson jedoch schickte seine düsengetriebenen Donnervögel ausschließlich auf friedliche Missionen. Die tapferen Söhne des Ex-Astronauten und mehrfachen Millionärs Jeff Tracy waren mit modernster Technik zur Stelle, wo andere Hilfstruppen kläglich versagten. Unverzichtbar gehörte zu jeder THUNDERBIRDS-Episode das Bemannen der einzigartigen Rettungsraketen – fahrbare Rampen, ausgeklügelte Rutschen und ein mobiles Kanapee transportierten die Gebrüder Tracy zu ihren Pilotenkanzeln. Als Stützpunkt diente dem Team von International ­Rescue eine geheime Insel namens Tracy Island. Von hier aus starteten die THUNDERBIRDS zu Rettungsunternehmungen in aller Welt und sogar im Orbit, wo bereits die claneigene Raumstation Thunderbird 5 vor Anker lag. Im fernen England residierte die blaublütige Lady Penelope und reiste auf Anfrage in ihrem mit verblüffenden technischen Finessen ausgestatteten Rolls Royce in die Gefahrenzone, um gegebenenfalls geheimdienstliche Aufgaben zu übernehmen.

Die Serie war von Anbeginn an ein großer Erfolg und wurde zum Teil schon vor der Inlandspremiere von ausländischen Sendern erworben. Die eigentliche Erstausstrahlung fand deswegen nicht im Herstellungsland Großbritannien, sondern in den Niederlanden statt. Der besondere Reiz der Serie lag darin, daß ihre Protagonisten nicht von Schauspielern, sondern von Marionetten dargestellt wurden. Sämtliche Schauplätze waren mit großer Liebe zum Detail gestaltete, dreidimensionale Modelle. Die Andersons und ihr Produktionsteam hatten bereits in den 50er Jahren das Supermarionation-Verfahren entwickelt, das auf elektromechanischem Wege die Lippenbewegungen der Marionetten mit dem Dialogband synchronisierte. Häufig mußte improvisiert werden, um Miniaturkatastrophen zu simulieren und spektakuläre Effekte wie beispielsweise das Rendezvous zweier Flugzeuge in der Luft aufnehmen zu können. Der Aufwand war enorm, und jeden Tag wurden nur wenige Meter Film belichtet, so daß, wie Sylvia Anderson berichtet, die kleine Firma anfangs nicht geringe Probleme hatte, überhaupt eine Entwicklungsanstalt zu finden, die sich bereit erklärte, eine derart kleine Menge zu bearbeiten.

Die Arbeit für Andersons kleines Imperium war jedoch eine gute Schule, aus der renommierte Tricktechniker hervorgingen, die später an berühmten Kinoproduktionen wie 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM (2001: A SPACE ODYSSEY, GB 1968), DAS IMPERIUM SCHLÄGT ZURÜCK (THE EMPIRE STRIKES BACK, USA 1980) und ALIEN (GB 1979) mitwirken sollten. Gerry und Sylvia Anderson hatten bereits 1956/57 ihre erste Marionettenserie gedreht. Vordem waren sie als Dokumentaristen und Werbefilmer tätig gewesen und erhielten nun vom gerade beginnenden kommerziellen Fernsehen den Auftrag, für dessen Kinderprogramm die Marionettenserie THE ADVENTURES OF TWIZZLE zu erstellen. Auch TORCHY THE BATTERY BOY (GB 1959) und die Westernserie FOUR FEATHER FALLS (1960) richteten sich eher an jugendliche Zuschauer. Die 1961 entstandene, mit deutlich verbesserter Technik aufwartende Science-fiction-Serie SUPERCAR hingegen stieß auch bei den Erwachsenen auf reges Interesse. Dieser Linie blieben die Andersons treu. Die THUNDERBIRDS wurden sogar im Abendprogramm ausgestrahlt, als erste Marionettenserie mit fünfzigminütigen Episoden.

Der große Publikumserfolg machte die THUNDERBIRDS zu einem veritablen Wirtschaftsfaktor – ob Spielzeugmodelle, Baukästen, Malbücher, Schreibsets, Hörspielplatten, Zahnbürsten, Geschirr oder Kalender, an einschlägigen Produkten hatte es keinen Mangel. Auch zwei abendfüllende Kinofilme entstanden. Bis in die 70er Jahre hinein beherrschten die THUNDERBIRDS den Pop-Devotionalienmarkt. Erst George Lucas KRIEG DER STERNE (STAR WARS, USA 1977) vermochte ihnen auf diesem Gebiet den Rang abzulaufen. 1991 aber gab es ein glänzendes Comeback für die fliegenden Nothelfer. Die britische BBC nahm den Serienklassiker, der Ende 1966 ausgelaufen, danach aber bereits einige Male wiederholt und auch auf Video veröffentlicht worden war, wieder ins Programm. Und selbst Kenner wurden vom großen Zuspruch des Publikums überrascht. In aller Eile brachte die Firma Matchbox neue THUNDERBIRDS-Modelle auf den Markt und konnte dennoch die immense Nachfrage kaum befriedigen. In nur drei Monaten erzielte Matchbox mit den THUNDERBIRDS einen Umsatz von 12,5 Millionen Mark.

Zumindest in angelsächsischen Ländern sind die markanten Marionetten zum festen Bestandteil der Populärkultur geworden. Einem Werbespot der Fluggesellschaft KLM genügt allein die Titelmusik, um die gewünschten Assoziationen hervorzurufen. In anderen Spots traten die heldenhaften THUNDERBIRDS-Piloten auch selbst auf und warben unter anderem für Schokoriegel, Milchprodukte und einen japanischen Elektronikhersteller. Die Dire Straits ließen ihren Videoclip zu Calling Elvis im Stil der Andersons drehen, Bomb The Bass sampelten Jeff Tracys Startkommando »Thunderbirds Are Go!« für ihren Hit Beat Dis.

Auch auf deutschen Bildschirmen flogen die THUNDERBIRDS ihre waghalsigen Einsätze. Unter anderem waren sie 1971 im 3. Programm des NDR und 1989 im Regionalprogramm des WDR zu sehen. Derweil in Großbritannien bereits Anfang der 70er Jahre der Fanclub Fanderson gegründet wurde, blieb die Gefolgschaft hierzulande äußerst gering. Der Niederländer Theo de Klerk, der zeitweise die Mitgliederkartei des Clubs betreute, schätzte Anfang 1995 die Zahl der eingeschriebenen deutschen Fans auf knapp zehn.

 

 

Die beste Idee des Tages

Eine ganz hinreißende Idee gelangte heute über das stets allem und jedem überlegene Sammelwerk  „Altpapier“ in die Welt. Der Vorschlag rankt sich um den vortags eröffneten Prozess gegen die frühere NDR-Fernsehspielchefin Doris J. Heinze, gilt einer Verfilmung der ganzen Angelegenheit und endet wie folgt:

„Sobald das Ende dann feststeht, kann der NDR für so einen Film vielleicht noch einmal Horst Königstein reaktivieren. Der hatte ja ein paar gute Dokudramen gedreht (die manchmal auch schon vor Mitternacht auf den Sender durften).“

Wie konsequent diese Chose durchgezogen werden soll, verrät der Verfasser leider nicht. Denn Redakteurin respektive Produzentin vieler jüngerer Arbeiten von Horst Königstein (siehe exemplarisch hier oder auch hier) war – Doris J. Heinze.

Zweifelhafte Ehrung

Wenn Das Erste und namentlich der NDR, für den Henry Hübchen lange Zeit im „Polizeiruf 110“ vor der Kamera stand, den Schauspieler anlässlich seines 65. Geburtstages mit einer Wiederholung eines zweieinhalb Jahre alten TV-Films ehren – ist das dann nicht so ähnlich, als überreichte man dem Jubilar ein gebrauchtes Geschenk?

„Hyde Park“ in aller Munde

Das soeben erschienene Buch „HYDE PARK-Memories – Ein Osnabrücker Musikclub und seine Geschichte(n)“ stößt bereits auf eine erfreuliche Medienresonanz. Bislang berichteten der Deutschlandfunk in seiner hörenswerten Sendung „Corso“, NDR Radio Niedersachsen und Radio ffn. Der NDR hat einen Beitrag zum Buch auf seiner Internet-Seite, zu finden unter http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/emsland/hydepark115.html.
Das Buch aus dem Münsteraner Oktober Verlag zeigt anhand des Osnabrück Musikclubs, der in diesem Jahr sein 35. Bestehen feierte, u. a. exemplarisch, wie in den 60ern und 70ern Ausflugslokale und Landgasthäuser von jungen Betreibern übernommen und in Rock-Diskotheken umgewandelt wurden, wie sich der Konzert- und der Disko-Betrieb verändert hat. Ausführlich widmen sich die Verfasser den Auseinandersetzungen um den „Hyde Park“, die 1983 in eine Woche der Demonstrationen und Ausschreitungen mündeten. Zudem widerlegt Autor Gisbert Wegener stichhaltig die vielfach kolportierte Medienmär, wonach die erste Diskothek Deutschlands in Aachen stand.
Nebenbei erfährt der Leser, dass auch der aus Osnabrück stammende amtierende Bundespräsident Christian Wulff einst zu den Gästen des zeitweilig vom bürgerlichen Publikum mit Argwohn beobachteten Musikclubs „Hyde Park“ zählte.
Zu den Autoren des Buches zählen Campino, Eric Fish, Henry Rollins, Martin Sonneborn, Dietmar Wischmeyer, Jenni Zylka und viele mehr. Herausgeber sind Dr. Harald Keller und Reiner Wolf.
„HYDE PARK-Memories – Ein Osnabrücker Musikclub und seine Geschichte(n)“ ist ab sofort im Buchhandel und beim Verlag erhältlich.

Die Herausgeber haben zum Buch eine Multimedia-Revue entwickelt. Anfragen und Buchungen über keller58 at t-online.de. Siehe auch http://www.hyde-park-kult.de/ und http://de-de.facebook.com/pages/Hyde-Park-Memories-Das-Buch-zum-Park/148422538567372.

Der Dokumentarfilm findet neue Freunde

Dieser Tage werden auf den Fernsehseiten vieler Zeitungen Krokodilstränen vergossen, weil die ARD künftig montags ab 21.00 Uhr eine Talkshow zeigt und dafür, so liest man, einen Sendeplatz für Dokumentationen geopfert hat. Dokumentationen? Gucken Fernsehkritiker eigentlich überhaupt nie ins Programm? Montags um 21.00 Uhr liefen – und laufen auch immer noch – Reihen wie „Legenden“, „Deutsche Dynastien“, „Fernsehlieblinge“ – aus Archivalien zusammengestoppelte unkritisch-nostalgische Lobgesänge zumeist, auf die man ohne Not verzichten kann. Die nunmehr chorisch aufjaulenden Fürsprecher des Dokumentarfilms verschweigen ihren Lesern hingegen regelmäßig jene Perlen des Genres, die immer noch zuhauf bei 3sat, Arte, ZDFneo und in den Regionalprogrammen zu finden sind. Beim NDR gibt es am Vorabend eine „nearly daily“-Reportage-Leiste mit regionalen Themen. Hat man je irgendwo darüber gelesen?

Unsereins hätte auf dem umstrittenen montäglichen Sendeplatz selbstredend lieber formidable Serien wie „Spooks“ oder „Hustle“ gesehen.  Oder warum nicht mal „Doctor Who“? „Deadwood“? „Big Love“? Die ARD kobolzt stattdessen knapp 60 Jahre zurück. Als es nämlich losging mit dem Nachkriegsfernsehen in den Behelfsstudios in Hamburg, Berlin und Köln, wurde vor den live sendenden Kameras vor allem eines getan: getalkt. Oder in damaliger Diktion: geplauscht, geplappert, geplaudert.

Dieser Schritt zurück erscheint aus Anbietersicht übrigens gar nicht mal so dumm: Das Internet kann dem Fernsehen viel nehmen, die Talkshow vorerst wohl nicht. Denn der querwebein hüpfende Surfer ist in seiner durchschnittlichen Ausprägung viel zu rastlos, um am Computerbildschirm eine komplette Talkshow zu verfolgen. Schon gar nicht Gesprächsrunden, die tatsächlich mal ein bisschen in die Tiefe gehen. Die gibt es ja auch noch gelegentlich. Die rutschen halt mal mit durch.

 

Ein Porno-Pionier

In der am heutigen Montag zur Ausstrahlung gelangenden WDR-Dokumentation „Von Lust und Laster“ (23.15 Uhr) gibt es einen Auszug aus einem 1975 für das NDR-Regionalmagazin „Nordschau“ gedrehten Interview mit einem ‚Pornopionier’, der namentlich nicht genannt wird und dessen Gesicht im Schatten bleibt.

Doch die Identität des Mannes ist schnell gelüftet: Es handelt sich um den in späteren Jahren weit weniger publikumsscheuen Alan Vydra. Vydra, ein gebürtiger Tscheche und kinematographisch versiert, dreht heute Filme anderer Genres und auch einige seiner früheren Darsteller sind seit Jahren im seriösen Fach tätig. Deren Auskunftsbereitschaft vorausgesetzt, hätten sich ergiebige Interviews führen lassen  – und manch albern wirkende szenische Nachstellung in dieser recht aufwändigen Produktion überflüssig gemacht.

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