Ein Schritt voran: #Tempel bei #ZDFneo

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Ken Duken in der Titelrolle des Mark Tempel. Foto: ZDF

Mit eigenen Sitcoms und Tragikomödien, neudeutsch Dramedys, ist der Spartenkanal ZDFneo, teils unter dem Beifall der Kritik, bereits hervorgetreten. Mit „Tempel“ wurde nun erstmals eine Serie hergestellt, die zwischen Krimi und Drama rangiert. Heike Hempel, ZDF-Hauptredaktionsleiterin ‘Fernsehfilm/Serie II’, spricht im Pressematerial zu „Tempel“ sogar von einer „Familienserie“.

Die Produktion umfasst sechs halbstündige Episoden, ist aber kein abgeschlossener Sechsteiler, sondern birgt die Option zur – potenziell endlosen – Fortsetzung, das zentrale Merkmal serieller Melodramen, die gemeinhin Soap Operas geheißen werden. Wobei immer wieder betont werden muss, dass die Daytime Soaps der Vorabendprogramme nur eine Spielart der Soap Opera darstellen, nicht aber mit diesem Genre identisch sind.

Die halbstündige Formatierung von „Tempel“ (Produktion: Polyphon) kommt insbesondere auch der Rezeption der Mediatheken-Nutzer entgegen, vor allem jenen, die ihre Serie mobil im ‘Kurzstreckenmodus’ konsumieren.

Fortsetzung unter http://www.medienkorrespondenz.de/fernsehen/artikel/conni-lubekphilipp-leinemann-tempel-6-teilige-serie-zdfneo.html

Kraftausdrücke vom Ehren-Doktor

No Offence

Foto: ZDF und Fremantle Media.

Mit „No Offence“ kommt eine neue britische Krimiserie auf die deutschen Bildschirme. Keine Dutzendware, sondern provokant, zeitkritisch, packend bis zum Nägelkauen. Mit Dialogen zum Nachbeten. Leider sind sie nicht jugendfrei.

Was für ein Entree: Dinah Kowalska (Elaine Cassidy) hatte keinen Spaß an ihrem Rendezvous. Sie fühlt sich von ihrem Begleiter Bob düpiert. Dinah ist nicht die Frau, die dergleichen klaglos hinnimmt. Erst fliegt schwungvoll Bobs Gehhilfe aus dem gemeinsamen Taxi, dann der gescheiterte Galan. Zum Abschied gibt es eine geharnischte Verwünschung. Weiter geht die Fahrt, da entdeckt Kowalska draußen einen gesuchten Verdächtigen. Schon zückt sie die Polizeimarke, streift die Pumps von den Füßen und hetzt im Ledermini durch Manchesters Innenstadt, hüpft behend über umgestürzte Mülltonnen, wedelt mit den Handschellen. Der Gejagte glaubt sich im Vorteil, grinst frech – und wird von einem Bus überrollt.

Der Vorfall kostet Kowalska die Beförderung. (…)

Wie es weitergeht und wer diese umwerfende, heute bei ZDFneo startende Serie geschrieben hat, steht hier:

http://www.fr-online.de/tv-kritik/-no-offence—kraftausdruecke-vom-ehren-doktor,1473344,34499536,view,asFirstTeaser.html

John Luther bricht die Ferien ab

Luther. (C) Steffan Hill und ZDF

Idris Elba als DCI John Luther. Foto: Steffan Hill/ZDF.

Die Behauptung, im Sommer zeige das Fernsehen nur Wiederholungen, ist ein liebgewordenes Klischee, aber falsch. Allein die Serienfortsetzungen und -neustarts der kommenden Wochen sind beachtlich. Dazu gibt es aktuelle Sendungen der diversen Reportagen- und Dokureihen und vieles mehr. Zurück zur Serie: Heute stürmt „Luther“ wieder durch London und scheucht einen Serienmörder. Was von dem Zweiteiler, einer Fortsetzung der gleichnamigen Serie, zu halten ist, steht hier: http://www.fr-online.de/tv-kritik/-luther—zdfneo-im-windschatten-des-moerders,1473344,34444482,view,asFirstTeaser.html

Vorbildlich: Die Ausnahmeproduktion „Broadchurch“

Am heutigen Mittwoch (30.9.) zeigt das ZDF bei ZDFneo noch einmal die britische Produktion „Broadchurch“, ein Meisterstück auf dem Gebiet der seriellen Kriminalerzählung. Auch als Wiederholung sehenswert, denn in Kenntnis der Auflösung lässt sich umso besser ermessen, mit welcher Raffinesse Autor Chris Chibnall und die Regisseure James Strong und Euros Lyn das personelle Geflecht der von einem Kindsmord betroffenen Kleinstadt und die dortigen psychosozialen Verhältnisse arrangiert und filmisch umgesetzt haben. Die Bildgestaltung von Kameramann Matt Gray, die hochpräzise eingesetzten Verschiebungen der Bildschärfe, die Großaufnahmen, die eleganten Plansequenzen – zu Beginn werden in einer einzigen Kamerafahrt bereits mehrere wichtige Protagonisten eingeführt -, trägt neben der Musik des isländischen Komponisten Ólafur Arnalds ganz wesentlich zur Wirkung und Qualität dieser Serie bei.

„Broadchurch“ erzählt die Geschichte vom Mord an Danny …

Offenbar hatte das ZDF mit den Ausstrahlungs- auch die Remake-Rechte übernommen, denn die im Februar ausgestrahlte zweiteilige Eigenproduktion „Tod eines Mädchens“ wies deutliche Übereinstimmungen mit „Broadchurch“ auf, nebst einigen Anleihen bei der ersten Staffel von „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“. Wobei das Ganze vor allem im visuellen Bereich deutlich hinter dem Original zurückblieb.

In „Tod eines Mädchens“ heißt das Opfer Jenni.

In „Broadchurch“ liefert Jodie Whittaker eine zutiefst berührende schauspielerische Leistung in der Rolle der Mutter des toten Kindes.

Szenenfoto: ZDF

In „Tod eines Mädchens“ spielte Anja Kling den gleichen Part in einer nahezu übereinstimmenden Familienkonstellation. Szenenfoto: ZDF

Für „Tod eines Mädchens“ wurde manche Einstellung aus entgegengesetzter Perspektive aufgenommen …

…, aber gewisse Ähnlichkeiten sind kaum von der Hand zu weisen.

Man darf da schon füglich von Nachahmung sprechen. Nicht allerdings jene, die bei „Stromberg“ – im Original „The Office“ – über einen ähnlichen Vorgang großzügig hinweggesehen haben …

Das Scheusal und die verschworenen Schwestern

Goedele (Inge Paulussen) und Eva (Barbara Sarafian) bei der Beerdigung. Foto: Sofie Silbermann/ZDF.

Goedele (Inge Paulussen) und Eva (Barbara Sarafian) bei der Beerdigung. Foto: Sofie Silbermann/ZDF.

Natürlich machen die Belgier die besten Pommes. Comics können sie bekanntlich auch. Aber Fernsehserien und Kinofilme? Erst recht. Wer das Geschehen ein wenig verfolgt, hat das Produktionsland Belgien bereits zur Kenntnis genommen. Schon 2005 zeigte der WDR die 2001 produzierte und international preisgekrönte belgische Krimiserie „Dunkle Wasser“ („Stille Waters“), deren Autoren Ward Hulselmans und Marga Neirynck einen einzigen Kriminalfall über dreizehn Episoden hinweg erzählten. Feuilleton-Elogen erntete diese herausragende Produktion damals nicht, wie überhaupt das Serienschaffen im westlichen Ausland in der Berichterstattung speziell der eher metierfernen Rezensenten kaum Beachtung findet. RTLnitro nahm im Vorjahr die packende Serie „Matrioshki – Mädchenhändler“ ins Programm – gab es dazu Besprechungen? Hinweise? Empfehlungen?

Aus Belgien stammt ebenfalls die derzeit bei ZDFneo fortgesetzte Serie „Code 37“; derselbe Sender zeigt ab 19.5.2015 „Clan“, eine inhaltlich originelle zehnteilige Serie mit einer meisterlichen diskontinuierlichen Erzählweise:

Birgit Goethals (Ruth Becquart) würde die bevorstehende Trauerfeier am liebsten meiden. „Er war dein Schwager“, mahnt ihr Ehemann sanft zum Aufbruch. Jean-Claude Delcorps (Dirk Roofthooft) hat das Zeitliche gesegnet und Birgits Trauer hält sich in Grenzen. Desgleichen bei ihren Schwestern Eva (Barbara Sarafian), Veerle (Kristine van Pellicom) und Rebekka (Maaike Neuville). Nur Goedele Goethals (Inge Paulussen), die mit Jean-Claude verheiratet war, ist völlig aufgelöst.
Zeitgleich kommen zwei Brüder ins Spiel, Mathias (Geert Van Rampelberg) und Thomas DeWitt (Robbie Cleiren). Beide haben von ihrem Vater eine Versicherungsagentur geerbt und stecken in finanziellen Schwierigkeiten. Wenn sie die Ansprüche der Familie Delcorps erfüllen, wäre das Ende ihres kleinen Unternehmens besiegelt. Deshalb setzt namentlich Thomas, der Ältere, alles daran, den Goethals-Schwestern illegale Machenschaften nachzuweisen. Dummerweise ist sein Argwohn nicht unbegründet.

Weiter geht’s – die dortige Überschrift stammt natürlich nicht vom Autor – unter http://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/575275/zdfneo-bringt-die-belgische-serie-clan-ins-deutsche-fernsehen

Vom Sexualleben der Belgier

Ein ungewohnter Schauplatz im deutschen TV-Krimiangebot und heikle Themen, umgesetzt in einer Serienerzählung mit internationalem Niveau: Bei ZDFneo startet „Code 37“.

Eifrige Krimigucker könnten die Begegnung als Déjà-Vu empfinden. Der wiegende Gang, das Holster für die Dienstwaffe in Westernmanier seitlich geschnallt, Handschellen als weiteres Gürtelaccessoire. Und der Kameramann wählt gern die Amerikanische Einstellung, um das hauteng eingehüllte Gesäß der jungen Frau ins Visier zu nehmen.

In dieser Art, die man auf männliche Kriminalbeamte eher selten anwendet, wurde in der deutschen Reihe „Tatort“ die Frankfurter Ermittlerin Conny Mey (Nina Kunzendorf) in Szene gesetzt. Die begann ihren Dienst im Mai 2011 – zwei Jahre nach dem Start der belgischen Serie „Code 37“, deren Hauptfigur Hannah Maes (Veerle Baetens) mit ihrem herausfordernden Wesen fast wie ein Vorbild wirkt für die deutsche Kollegin.

Die Verwandtschaft der Kriminalistinnen beschränkt sich nicht auf das Erscheinungsbild. Bei beiden paaren sich Charme und Durchsetzungskraft, Empathie und Eigensinn. Wes Geistes Kind sie ist, zeigt sich schon beim ersten Auftritt von Hannah Maes. Selbstbewusst dringt sie an einen Tatort vor, übernimmt quasi im Vorbeigehen ihr neues Ermittlerteam und schickt ihren Kollegen von der Mordkommission nach Hause, denn bei dem Verbrechen handelt es sich um einen „Code 37“, ein Sittendelikt.

Fortsetzung hier.

Materialien zur Diskussion um „Auf der Flucht – Das Experiment“

Kritik der zynischen Unvernunft

Es wurde in diesem Blog schon angesprochen, aber vor dem Hintergrund der Kontroversen um die ZDFneo-Sendereihe „Auf der Flucht – Das Experiment“ sei es noch mal aufgewärmt. Absurd genug, dass Fernsehschaffenden Rassismus unterstellt wird, die erklärtermaßen und engagiert vor allem dem latenten Rassismus in dieser Gesellschaft entgegenwirken wollen. Was dieses Thema anlangt, müssen sich einige Kritiker – ausgenommen die fanatischen Anti-Rundfunkgebühren-Motzer und die notorischen Berufsempörer, die gern der Öffentlichkeit und mehr noch vielleicht sich selbst ihre moralische Überlegenheit demonstrieren wollen – mindestens Realitätsferne, wenn nicht Snobismus vorwerfen lassen, wenn sie den eigenen Bildungsgrad und Medienkonsum als Normalfall einschätzen und zur Grundlage ihrer Bewertung machen. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung nämlich meidet sowohl konventionelle Dokumentationen über die Flüchtlingsproblematik als auch überhaupt jegliches Informationsmedium der gehobenen Art. Manche beziehen ihr Wissen über das Tagesgeschehen allein aus kostenlosen Anzeigenblättern. Zum Beispiel plumpsen jeden Sonntag 241.378 Exemplare (Verlagsangabe) des norddeutschen Anzeigenblättchens „Osnabrücker Sonntagszeitung“ in die Briefkästen. Darin finden sich Zeilen wie die folgenden, die der Kolumne des Herausgebers entnommen wurden. Bitte lesen Sie bis zum Schlusssatz:

„Die Änderung in der Zusammensetzung unserer Gesellschaft merkt auch deutlich die Polizei. Auch wenn es immer einen unteren, einen mittleren und einen oberen Teil der Gesellschaft gegeben hat, so ändern sich doch gerade auch die Kriminaltaten des unteren Teils deutlich. In Georgsmarienhütte wurden in den letzten Wochen über 50 Gullydeckel ‚geklaut‘. Die Polizei sucht, die Verwaltung hat eine Belohnung ausgesetzt. Wer aber macht sowas? Das ist kein Lausbubenstreich mehr. Wer mit seinem Wagen, Motorrad oder Fahrrad in ein so geöffnetes Loch hineinfährt, kann sich durchaus auch schwer verletzen. Wo werden aber vielleicht gerade 50 Gullydeckel im Ausland gebraucht?“

Hier noch ein Denkanstoß anderer Art, nämlich die Stellungnahme einer Lehrerin zum australischen Vorbild für „Auf der Flucht …“, der Sendereihe „Go Back To Where You Came From“ des Senders SBS:

„I recently showed this documentary to my Year 9 class and was incredibly moved at the impact it had on my girls. I teach at a school that is made up of predominantly anglosaxon students and prior to showing this documentary it was not unusual for me to hear my students engage in cringe worthy racial slurs. In our discussions during and after watching ‚Go back to where you came from‘ the girls eyes were completely opened up and many talked about how ashamed they felt that for years they had criticised refugees whilst they had never attempted to understand their situation. We are so lucky as Australians to live in a country with an abundance of opportunity, why not share it around? Why do some believe that other people are not worthy of such blessings simply because they were born into circumstance they were? I will continue to expose as many students as I can to this documentary and would recommend all students of highschool age watch this.“