Wo der Blues aus dem Auspuff röhrt

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Genevieve Chadwick. Foto: Veranstalter.

Fällt das Wörtchen Blues, sieht man sich bisweilen belustigten Mienen ausgesetzt. Eine rückständige Haltung. Denn Bluesrock ist der Stil der Stunde. Radio Moscow, Jesper Munk, die schwedischen Blues Pills – Kinder des 21. Jahrhunderts, und sie waten knietief im Blues. Ein weiterer Beleg: Die Mitglieder der Homemade Jamz Blues Band, im Rahmen des 24. Grolsch Blues Festivals in Schöppingen zu Gast, waren Teenager, als sie sich dem Blues zuwandten. 2007 schrieben die Geschwister Geschichte als jüngste je von einer Plattenfirma angeheuerte Blues-Band: Ryan Perry (Gitarre/Gesang) war sechzehn, Bassist Kyle vierzehn, Schlagzeugerin Taya neun Jahre alt. Ryan und Kyle bauen ihre originell geformten Saiteninstrumente selbst und verwenden als Korpus Auspufftöpfe der Marke Ford. Selbst B. B. King war hingerissen: „Unfassbar!“
Mitnichten leben die jungen Blues-Musiker im Gestern. Der 31-jährige Ex-Basketballer Jarekus Singleton aus Mississippi brachte seine selbstverfassten Texte zunächst als Raps auf die Bühne, ehe er zur Gitarre griff und mit dem Blues eine passendere Tonart fand. Den souligen Blues, wie er sich auch im gegenwärtigen R&B erhalten hat, vertritt in Schöppingen der stimmlich mit Marvin Gaye verwandte Eddie Cotton Jr.

BabaJack

BabaJack. Foto: Veranstalter.

Unübersehbar sind Frauen führend im aktuellen Blues. Erika Wennerstrom ist Frontfrau und Gründerin der Heartless Bastards aus Cincinnati. Sängerin Amy Sacko prägt die Konzerte der malischen Band Bassekou Kouyaté & Ngoni Ba, mit der die Schöppinger Festivalveranstalter den Rahmen völlig zu Recht um eine Reise zu den Wurzeln des Blues erweitern. Bassekou Kouyatés Musik ist melodiös, mit eng geknüpftem Rhythmusgeflecht. Die charismatische Becky Tate vom britischen Folkblues-Quartett BabaJack weckt gesanglich Erinnerungen an die früh verstorbene Sandy Denny und deren Zusammenarbeit mit Led Zeppelin.
Ruppiger wird es mit Dragondeer, die stilistisch an britische Pub-Blueser wie Dr. Feelgood und The Blues Band erinnern, mit einer Pedal-Steel-Gitarre aber auch Country-Anleihen zulassen.
Gitarrist Anthony „Tone“ Catalano und Schlagzeugerin Celeste „CC“ Spina vom Duo Little Hurricane hegen eine Vorliebe für historische Instrumente. Sie spielen eigenes Material, aber auch Coverversionen, die die Originale freilich aufs Angenehmste entstellen. Bei Tone und CC wird selbst ein musikalisches Folterwerkzeug wie Aerosmiths „Don‘t Wanna Miss A Thing“ unversehens zu einer kleinen Perle.
Die texanische Multiinstrumentalistin Carolyn Wonderland, virtuos an der Slidegitarre, wird in Schöppingen im Trio auftreten, gehörte aber auch zeitweilig zum rein weiblichen Countryrock-Quintett SisDeville. Eine weitere Empfehlung für Rock-Freunde ist die Nick Moss Band, die sich deutlich vom Tulsa-Sound des verstorbenen J. J. Cale beeinflusst zeigt, aber aus Chicago stammt, wo Nick Moss zeitweilig für Blueslegende Jimmy Rogers die Gitarre kraulte. Eine bessere Reverenz ist kaum vorstellbar.

23. Grolsch Blues Festival, Schöppingen, 23. und 24.05.2015, ab 13.00 Uhr

Ein Interview mit der Homemade Jamz Blues Band findet sich in der Mai-Ausgabe des „Stadtblatt Osnabrück“.

Little Hurricane. Foto: Veranstalter.

Little Hurricane. Foto: Veranstalter.

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