Ungewöhnliche polizeiliche Maßnahmen

Als die Fernsehkritik noch stärker ideologisch geprägt war, wurde den TV-Kriminalfilmen angekreidet, dass sie die gesellschaftliche Wirklichkeit verfälschen. Demnach geriet das Verbrechen auf dem Bildschirm stets zum Sonderfall. Ein temporärer Defekt im System, der von den zuständigen Fachleuten der Kriminalkommissariate innerhalb der vorgegebenen Sendezeit behoben wurde. Die Wirklichkeit sah anders aus.

Falsch waren diese Anwürfe nicht. In den meisten frühen US-amerikanischen Krimiserien kamen die Verbrecher, dieser Vorgabe der Sendeleitungen und Sponsoren hatten sich die Autoren zu beugen, niemals davon. Es sei denn, ihre Taten richteten sich gegen andere Gesetzesbrecher, so wie 1964 in der komödiantischen Serie „Gauner gegen Gauner“ mit den Kinostars David Niven, Gig Young und Charles Boyer oder in „Ihr Auftritt, Al Mundy“ mit Robert Wagner und Fred Astaire.

Längst genießen Drehbuchautoren größere Freiheiten. Allerdings wählen sie weiterhin vorzugsweise die Form der Komödie, als Farce oder Satire, bis hin zum Galgenhumor, wenn Gesetzesbrechern Sympathien zugeschrieben werden. Es mutet wie eine Vorsichtsmaßnahme an, wenn das ZDF im Pressematerial zum Film „Das Gesetz sind wir“ immer wieder herausstellt, dass es sich um eine Komödie handelt.

Den Rest des Textes gibt es hier: https://www.fr.de/kultur/tv-kino/tv-kritik-gesetz-sind-wir-zdf-spannender-polizeikrimi-zr-13612540.html

Es wird enger auf dem Streaming-Markt

Der Streaming-Dienst Disney+ startet in Deutschland mit einem „Star Wars“-Ableger.

Aus dem Vorspann spricht ein gewisser Stolz. Darth Vader, R2-D2, C-3PO erscheinen in stilisierter Form. Figuren des „Star Wars“-Universums, die weltweit zum popkulturellen Bildungsgut gehören. Zitate aus den Kinofilmen wie „Komm auf die dunkle Seite“ gehören heute zum Sprachgebrauch. Die markanten Gestalten sind damit Markenzeichen einer auf Hoch- und Popkultur zugreifenden Mythologie, deren Komplexität bald nur noch mit philologischen Methoden, ersatzweise der Akribie leidenschaftlicher Fans erschlossen werden kann.

Als Außenstehender darf man aber auch einfach Spaß haben an der achtteiligen ersten Staffel der Serie „The Mandalorian“, die zeitlich fünf Jahre nach dem Geschehen des Films „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ angesiedelt ist. Der Mandalorianer, meist Mando gerufen, ist ein Kopfgeldjäger. Einer Tradition seines Volkes gemäß verbirgt er sein Gesicht in der Öffentlichkeit stets hinter einem Helm. Damit und mit seiner martialischen Rüstung ist er selbst im mit gemischten Rassen aus aller Herren Welten bevölkerten „Star Wars“-Kosmos eine auffällige Erscheinung. Wenn er eine Spelunke betritt, drehen sich die Köpfe. Präpotente Rowdys wollen sich mit ihm messen und versuchen ihn zu provozieren.

Es nimmt kein gutes Ende mit ihnen.

Bitte hier weiterlesen: https://www.fr.de/kultur/tv-kino/the-mandalorian-kopfgeldjagd-weit-draussen-universum-13608873.html

Britische Qualitätsware

Wieder einmal bietet der Spartensender ZDFneo erstklassige Serienunterhaltung aus Großbritannien.

Das Publikum anspruchsvoller Serien muss nicht unbedingt kostenpflichtige Anbieter buchen. Öffentlich-rechtliche Mediatheken sorgen kostenlos für anregende Fernsehstunden. Das ZDF beispielsweise hat über Jahre hinweg immer wieder Qualitätsware in Großbritannien eingekauft, wo sich auch Streaming-Anbieter gerne eindecken. Krimifreunde finden derzeit in der Mediathek von ZDFneo empfehlenswerte Produktionen wie „Line of Duty“, die Spielfilmfortsetzung „Verräter in den eigenen Reihen“ zu der ungewöhnlichen Agentenserie „Spooks“ mit „Game of Thrones“-Star Kit Harington, den Vierteiler „From Darkness“ und vorneweg die dritte Staffel von „Broadchurch“, eine Serie, die schon mit der ersten Staffel Maßstäbe gesetzt und mit der dritten nochmals übertroffen hat.

Mehr dazu hier: https://www.fr.de/kultur/tv-kino/tv-kritik-the-bay-zdfneo-bucht-luegen-zr-13597685.html

Gute Umgangsformen

In der vergangenen Woche sprachen die Nominierungskommissionen des Grimme Preises ihre Urteile. Einen „Spezial Preis“ möge demnach die Produktionsfirma Komplizenfilm erhalten „für den Umgang mit der Musik in Skylines“. Gern wüsste man mehr darüber. Wurde die Musik während der Dreharbeiten von einem Musikpädagogen betreut? Gewiss hatte sie ihr eigenes Musikzimmer. Und bekam sie jedes Mal ein Leckerli, wenn sie die vom Musikdompteur ihr anerzogenen Kunststücke brav auf Kommando ausführte?

Nicht ausreichend durchdacht

Warum der Quotenverfall der Vox-Serie „Rampensau“ nicht völlig überraschend kam:  https://www.medienkorrespondenz.de/fernsehen/artikel/arne-noltingjan-martin-scharfvalentina-brueningdustin-loosechristian-wernerflorian-knittel-ramp.html

Nachzutragen wäre noch: Die Hauptfigur Shiri ist Schauspielerin und wird nicht zuletzt deshalb in den Undercover-Einsatz geschickt, weil sie im Verstellen geübt sein sollte. Sie bleibt aber stets sie selbst, weshalb schon die Eingangsszene nicht funktioniert, in der eine Theaterregisseurin (Sophie Rois in einem Cameo) beim Vorsprechen Shiri mehr Leidenschaft abfordert. Das ist ja nun Shiris geringstes Problem. Ihr hätte also seitens der Autoren eine andere, für sie schwierigere Aufgabe gestellt werden müssen.

Es ächzt und knirscht im Tragewerk

Die Kämpfernatur Blochin geht heute in die letzte Runde. Ein kritischer Blick auf die Anfänge und eine Einführung für Späteinsteiger findet sich hier: https://www.medienkorrespondenz.de/fernsehen/artikel/matthias-glasermaxim-kuphal-potapenkolaura-lackmannsvenja-rasocha-blochin-die-lebenden-und-di.html

Das Postkutschenzeitalter des Fernsehens

Cover epd film

Quentin Tarantino würdigt in seinem neuen Film die Goldene Ära des amerikanischen TV-Westerns. Dies ist die Vorgeschichte.

Auf der einen Seite stehen Steve McQueen, Charles Bronson, Kurt Russell, Burt Reynolds, Clint Eastwood. Sie und einige mehr verdankten ihre Leinwandkarrieren der Mitwirkung in einer TV-Westernserie. Andere, wie James Garner, Lee Majors, Doug McClure, wechselten zwischen Kino und Fernsehen, sind dem Publikum aber vor allem mit wiederkehrenden TV-Rollen in Erinnerung geblieben. Man sollte nie vergessen: Eine beliebte Hauptprogramm-Fernsehserie erreicht um ein Vielfaches mehr Zuschauer als ein noch so erfolgreicher Kinofilm, sei es in den USA oder in Deutschland.

Einige haben sich die Verehrung ihrer Idole bewahrt und setzen sie künstlerisch um. Für ihre Westernserie „The Adventures of Brisco County, Jr.“ (1993-1994, dt. „Die Abenteuer des Brisco County jr.“) baten die verantwortlichen Produzenten Jeffrey Boam und Carlton Cuse Westernveteranen wie Stuart Whitman, Paul Brinegar, Robert Fuller, Don Stroud, James Drury als Gaststars vor die Kamera.

Auch Quentin Tarantino, dessen Werk nur selten auf Fernseheinflüsse hin untersucht wird, zollt den Größen der US-Fernsehgeschichte immer wieder Respekt. (…)

Fortsetzung in „epd film“, Heft 8/2019, S. 12ff.