Lesen und lesen lassen

In eigener Sache: Der Kriminalroman „Ein schöner Tag für den Tod“ erscheint 2019 als Neuauflage gedruckt und als Ebook.

Weiterhin erhältlich ist „Die Nacht mit dem Holenkerl“. Die Erzählung basiert auf der norddeutschen Sage vom Holenkerl, der nachts verirrten Wanderern auflauerte, auf ihren Rücken sprang und sie zu Tode ritt. Die russische Folklore kennt ein ähnliches Volksmärchen. Nikolai Gogol verarbeitete es in der Erzählung „Der Wij“.

Die hier vorgelegte Version spielt in der Gegenwart, mischt Grusel und Science Fiction und beginnt mit vier Teenagern, die eine Halloween-Party im Osnabrücker Nordkreis besuchen möchten, wo sie jedoch nie ankommen werden …

Überall erhältlich, wo es gedruckte Bücher gibt.

Möchten Sie eine Lesung veranstalten? Schreiben Sie mir unter naturalbornkeller@web.de. Auch Gemeinschaftslesungen mit anderen Autorinnen und Autoren aus dem Osnabrücker Raum können arrangiert werden.

Begegnungen mit Schriftstellern unterschiedlicher Sparten ermöglicht die Veranstaltungsreihe „Die Lese-Rampe“, jeweils am letzten Freitag im Monat (außer Juli und August) in der historischen Osnabrücker Studentenkneipe „Unikeller“. Bislang waren zu Gast Frank Schulz und Heike Maria Fritsch. Das aktuelle Programm finden Sie unter http://www.unikeller.de/programm/

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Das babylonische Berlin der Gegenwart

Henry Silowski (Peter Kurth). (c) Andreas Fischerkoesen/ZDF.

In letzter Zeit stieß der Kreuz-und-quer-Leser fast unvermeidlich auf den Satz: „Deutschland kann Serie“. Worauf dreierlei zu entgegnen wäre. Erstens: Deutschland kann kein deutsch. Zweitens: In Deutschland werden schon lange gute Serien produziert. Nur hatte früher beispielsweise eine Ausnahmeproduktion wie „Die Partner“ mit Jan Josef Liefers, Ann-Kathrin Kramer, Ulrich Noethen nicht einmal beim Grimme Preis eine Chance. Episoden wie „Julias blaue Augen“ ließen dem Publikum gedanklichen Spielraum. Und dann noch diese Wackelkamera … Dergleichen goutierte man damals noch nicht in den Gefilden der Hochkultur. Die Juroren wandten sich mit Grausen.

Drittens: Der obige Satz bezieht sich auf „Babylon Berlin“. Und diese Produktion ist nun keine gelungene Serie im Sinne einer genuinen Fernsehepik, sondern ein verlängerter Kinofilm mit überbetonten Schauwerten und schneller Taktung immer neuer Sensatiönchen und Attraktionen, dessen Machart gerade nicht zulässt, was eine gute TV-Serie ausmacht: die schrittweise Auslotung der Figuren, deren charakterliche Fortentwicklung, die mähliche Vertiefung und multiperspektivische Erörterung des Sujets.

An diesem Wochenende startet im ZDF der Fünfteiler „Die Protokollantin“. Dort begegnet man erneut dem Schauspieler Peter Kurth, der hier den Kriminalbeamten Henry Silowski und in „Babylon Berlin“ den Bruno Wolter verkörpert. Mit signifikantem Unterschied: In „Die Protokollantin“ kann Kurth unter der Regie von Nina Grosse und der international tätigen Samira Radsi die Bandbreite seines Könnens ausspielen. Immer wieder gibt es Momente des Innehaltens und des Schweigens. Auch lange, aktionsarme Szenen, wenn es nötig ist. Die besagen oft mehr als die hochtourige Geschwätzigkeit künstlich geblähter Monumentalproduktionen.

Die titelgebende „Protokollantin“, gespielt von der ungeschminkten, grau melierten Iris Berben, arbeitet bei der Berliner Kriminalpolizei und wird täglich mit Verbrechen aller Art, darunter schlimmste Grausamkeiten, konfrontiert. Die 63-Jährige ist eine stille Person, die selbst an der Ampel hinter die anderen zurücktritt. Jedoch wahrt sie ein Geheimnis, versteht selbst zu ermitteln. Nicht im Miss-Marple-Duktus von „Adelheid und ihre Mörder“ – „Die Protokollantin“, nach einer Idee von Friedrich Ani von Nina Grosse weitergedacht und ausgeführt, ist ein Beispiel des „German noir“. Auch nicht neu, in letzter Zeit aber häufiger anzutreffen. Trotz einiger dramaturgischer Unebenheiten – sehenswert ist der Fünfteiler allemal.

Die Protokollantin“, ab 20.10.2018, samstags, 21:45 Uhr, und in der ZDF-Mediathek

Freya Becker (Iris Berben, r.) und Tochter Marie (Zoe Moore, l.). (c) Andreas Fischerkoesen/ZDF.

Vom Leben zwischen den Kriegen

Vor vier Jahren, als sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Male jährte, taten sich europäische und australische Sender zusammen, um im Zuge einer beinahe beispiellosen Anstrengung das damalige Geschehen aus Warte der Betroffenen anschaulich zu machen. Die Bücher zu der Dokumentarreihe „14 – Tagebücher des Ersten Weltkrieges“ entstanden auf Basis authentischer Memoiren. Zwei davon stammten von prominenten Personen der Zeitgeschichte, von Käthe Kollwitz und Ernst Jünger. Das Ausnehmende dieser Produktion aber lag darin, dass nicht aus Warte der Politik und Oberschicht erzählt wurde, sondern zusätzlich gewöhnliche Menschen das Wort erhielten. Darum verbot es sich, allein auf zeitgenössisches dokumentarisches Filmmaterial zurückzugreifen. Denn das, so weiß man, war zensiert, wenn nicht gar von vornherein gestellt. So manche erhaltene Kriegsszene beispielsweise war agitatorische Spiegelfechterei und hatte mit dem realen Frontgeschehen nichts gemein.

So widersprüchlich es also erscheinen mag: Wenn die Autoren um Jan Peter und Gunnar Dedio, die das Konzept entwickelt hatten, die in den authentischen Tagebüchern beschriebenen Szenen teils mit Schauspielern umsetzen oder aus dem Off nachsprechen lassen, dann kommt diese Nachstellung der Wahrheit näher als die damalige filmische Regierungspropaganda. Die szenischen Erzählungen waren eng verwoben mit filmischem und fotografischem Dokumentarmaterial, das teils aufwändig restauriert wurde.

Vier Jahre später, also hundert Jahre nach der deutschen Kapitulation, nahm dasselbe Team den Faden wieder auf.

Bitte lesen Sie weiter unter http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/tv-kritik/krieg-der-traeume-arte-vom-leben-zwischen-den-kriegen-a-1580163

 

Blaublütige Kommissarin jagt kaltblütige Killer

Ina Bitter. Foto: N. Hatke.

Osnabrück. Zum Auftakt der Herbstsaison wird es wieder spannend im Gewölbe unter dem Osnabrücker Schloss, dem Domizil der Veranstaltungsreihe „Die Lese-Rampe“. Zu Gast ist die in Osnabrück beheimatete Autorin Ina Bitter. Sie hat in diesem Jahr mit „Tod im Teufelsmoor“ (Gmeiner Verlag) ihren ersten Kriminalroman und damit gleich ein beachtliches Debüt vorgelegt.

Hauptkommissarin Elisabeth von Seelenthin entstammt altem Adel, Snobismus aber liegt ihr fern. Sie kleidet sich leger und fährt wie ein Rallyepilot auf Droge. Zur gereckten Nase neigt eher Staatsanwältin Teschner, die nur zu gern bissige Bemerkungen abschießt.

Die beiden gegensätzlichen Frauen sehen sich zur Zusammenarbeit gezwungen, als im Moor und in einem Bremer Villenviertel männliche Leichen gefunden werden. Ein Student mit fragwürdigem Lebenswandel, ein angesehener Chirurg. Der eine verbrannt, der andere überfahren. Zwei Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Kreisen und ohne ersichtliche Verbindungen. Und doch sind sie sich schon begegnet …

Tod im Teufelsmoor“ beschreibt einen verzwickten, von der Autorin sorgfältig ausgearbeiteten Kriminalfall. Ina Bitter, journalistisch erfahren, hat für ihr Krimidebüt eingehend recherchiert und schreibt mit großer sprachlicher Gewandtheit, mit ausgeprägtem Gespür für Milieudarstellungen, für die Psychologie ihrer Charaktere. Souverän führt sie die Leserschaft durch einen komplexen, dabei immer glaubwürdigen Plot mit lebensnahen Figuren.

Kommissarin Elisabeth von Seelenthin verfügt über detektivischen Scharfblick. Die Erschaffung einer solchen Figur setzt voraus, dass auch die Autorin über eine gute Beobachtungsgabe verfügt. Das Augenmerk der Kriminalisten gilt dem Detail, in der Realität wie im Roman. Die kleinste Spur kann hilfreich sein. Diese Genauigkeit zählt zu den Qualitäten des Romans „Tod im Teufelsmoor“.

Im Rahmen der „Lese-Rampe“ wird Ina Bitter ihr Krimidebüt vorstellen und im Gespräch mit Gastgeber Dr. Harald Keller über ihre schriftstellerische Tätigkeit berichten.

 

Veranstaltungsdaten:

Die Lese-Rampe“ präsentiert: Ina Bitter liest aus ihrem Kriminalroman „Tod im Teufelsmoor“

Termin: 28.9.2018

Beginn: 20:00 Uhr

Ort: „Unikeller“, Neuer Graben 29, 49074 Osnabrück

Eintritt: Spenden erbeten (Pay After)

Platzreservierungen bis zum Vortag und nur per Mail unter lese-rampe@gmx.de.

Die Jugend übt sich im Retro-Look

Mal wieder fernsehen wie in den sechziger und siebziger Jahren. Im damaligen Programmangebot fanden sich häufig Fernsehbearbeitungen von Stoffen, die ursprünglich fürs Theater verfasst worden waren. Repertoire-Klassiker, Zeitgenössisches. Auch Genre-Fans wurden bedient, mit Boulevardkomödien und Kriminalstücken.

Der ARD-Fernsehfilm „Toulouse“, eine Eigenproduktion des Hessischen Rundfunks (HR), ist der damaligen Fernsehästhetik frappierend nahe. Er basiert auf einem Theaterstück des Autors und Kino- und TV-Regisseurs David Schalko, der im österreichischen Fernsehen und über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus mit Satiresendungen und Erzählserien wie „Braunschlag“ und „Altes Geld“ für Furore sorgte. Der heute 45-Jährige, der als Seiteneinsteiger begann, beherrscht diverse Genres vom Werbefilm bis hin zur Mockumentary und ersann unter anderem die ganz auf visuelle Assoziationen aufgebaute Unterhaltungsshow „Sendung ohne Namen“ (ORF). Nicht nur ist Schalko die heutige Bildsprache mehr als geläufig – er hat sie um eigene Errungenschaften bereichert.

„Toulouse“ muss also für diesen Tausendsassa so etwas wie eine Stilübung gewesen sein. Nach Art der (nicht unbedingt guten) alten Zeit.

Bitte lesen Sie weiter unter https://www.medienkorrespondenz.de/fernsehen/artikel/david-schalkojoerg-kunzermichael-sturminger-toulouse-ardhr.html

Norwegische Schlachtplatte

Falls jemand am 23. August die ersten drei Folgen der Serie „Elven – Fluss aus der Kälte“ auf Arte versäumt hat und sich angesichts eher schmeichelhafter Kritiken sorgt, womöglich etwas verpasst zu haben: nein.

Man muss nicht jeden Mist, der aus Skandinavien zu uns heruntergereicht wird, zwanghaft und um der Mode zu genügen in den Olymp heben. Was vorrangig gegen „Elven“ spricht, sind die spekulativen Anteile. Da werden in einem stillgelegten Sägewerk dutzendweise menschliche Glieder zerlegt; und das erste Mordopfer ist ein zehnjähriges Mädchen. Der kriminalistische Plot käme vollends ohne diesen Mord aus; da zielen die Autoren vorsätzlich auf den Affekt, der sich einstellt, wenn Kindern Leid angetan wird. Auch ohne diese schäbige Nummer würde jeder Kritiker mit Berufsehre abraten. Die Handlung ist ein unglaubwürdiges, papierenes Konstrukt. Die Dialoge knirschen – zumindest in der deutschen Fassung –, die Regie versammelt eine Fülle an Nachlässigkeiten.

Statt jeden Ramsch skandinavischer Abkunft zu importieren, sollten sich die deutschen Sender mal wieder verstärkt in Großbritannien umschauen. Dort beherrscht man traditionell das Metier der guten Fortsetzungsserie, sehr viel länger, als HBO oder Netflix existieren. Um nur ein Beispiel zu nennen: „The A Word“ aus dem Jahr 2016. Eine Serie über ein Elternpaar, das widerstrebend akzeptieren muss, dass das gemeinsame Kind Autist – das titelgebende tabuisierte A-Wort – ist. Dramatisch, aber nicht trist, sondern bei höchstem Respekt für die seriös dargestellte Problematik doch originell und unterhaltsam erzählt.

So geht gutes Fernsehen.

Galgenhumor und berechtigter Zorn

Mareike Eigenwillig. (c) Nils Elixmann

„Bitte, macht weiter“, bat eine Zuhörerin die Autorinnen Mareike Eigenwillig und Martha Maschke im Juni nach deren Lesung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Lese-Rampe“. Die ironischen und frechen, kämpferischen und polemischen Texte der beiden Schriftstellerinnen, die sich aus eigenem Erleben literarisch mit dem Thema Krankheit, mit dem Gesundheitssystem und dem gesellschaftlichen Frauenbild auseinandersetzen, hatten großen Anklang gefunden. Und sie machen weiter – zunächst im September, wenn sie wegen der großen Nachfrage ein zweites Mal in der „Lese-Rampe“ zu Gast sein werden. Ein Novum in der Geschichte der noch jungen Osnabrücker Lesebühne.

„Viel Galgenhumor und wenig Selbstmitleid“ attestierte die „Neue Osnabrücker Zeitung“ der Autorin Martha Maschke. Als einen Überlebenskrimi bezeichnet sie ihren biografischen, gerade in Neuauflage erschienenen Roman „Hommage an mein Bauchgefühl“, der tatsächlich hoch spannende Momente enthält. Es ist die Geschichte einer Ärzteodyssee mit zahllosen Stationen. Und offenem Ende. Die Erzählerin: „Ich brauche mal Urlaub. Nichts leichter als das? Ich habe da ein Problem. Ich müsste mich mitnehmen.“

Mit wachem Blick, lakonischem Sprachwitz, Charme und einer kräftigen Dosis Selbstironie schildert sie den windungsreichen Weg durch Praxen und Kliniken und versteht es, auch die Perspektive des medizinischen Personals einzunehmen. Ein Thema, das sie auf der Web-Seite www.singultus.de im Dialog mit dem Facharzt Dr. Frank Möllmann weiterverfolgt. Untertitel des Blogs: „Schluckauf in der Arzt-Patienten-Kommunikation“. Zu Martha Maschkes Lesung werden per Projektion illustrierende Cartoons von Ralf Badtke gezeigt.

Martha Maschke. (c) Michael Dropmann

Mareike Eigenwillig, in Bad Iburg aufgewachsen, Germanistikstudentin an der Universität Osnabrück, legt mit „Ich entscheide, Sophia starb“ ihren ersten, noch unveröffentlichten Roman vor. Mit Martha Maschke teilt sie eine ausgesprochen gute Beobachtungsgabe. Ihr Thema sind Essstörungen und die Selbstwahrnehmung junger Frauen: „Etwas stimmt ganz und gar nicht mit der Darstellung dieser Krankheit“, sagt die 23-Jährige. „Es fehlte ihr an Brutalität, Authentizität und Grausamkeit.“

In ihrem Roman bedient sich Mareike Eigenwillig eines literarischen Kniffs: Die Protagonistin Tilda kämpft mit einer anorektischen Bulimie. Und das im Wortsinne – die Krankheit nimmt greifbare Gestalt an, bekommt einen Namen: Sophia. Und Sophia ist ein ziemliches Biest, kann fordernd, manipulativ und verführerisch sein … Die Ich-Erzählerin Tilda widersteht und erliegt ihr, berichtet spitzzüngig, trotzig, passagenweise zornig.

Als Autorin ist Mareike Eigenwillig nicht unerfahren. Bereits als Teenager stand sie als Poetry Slammerin auf der Bühne, unter anderem in Bad Bentheim und Nordhorn. Bei einem Slam in Hamburg errang sie den ersten Platz und gewann einen Startplatz für die Vorrunde zur deutschen Meisterschaft. Inzwischen hat Mareike Eigenwillig, die auch als Journalistin tätig ist, den Schritt von der kurzen zur Langform getan. Ein zweiter Roman ist in Planung.

Veranstaltungsdaten:

„Die Lese-Rampe“ präsentiert: Mareike Eigenwillig und Martha Maschke
Termin: Samstag, 29.9.2018
Beginn: 20 Uhr
Ort: „Unikeller“, Neuer Graben 29, 49074 Osnabrück (Schloss)
Eintritt: freiwillige Spende (Pay After)
Platzreservierungen bis zum Vortag und nur unter der Mail-Adresse lese-rampe@gmx.de.