Das Gute kam schon immer zu spät

Die Zeiten ändern sich, nicht aber die Klagen über das Fernsehprogramm:

„Wollen die Menschen denn nur noch Krimis sehen? Es gibt ja beinahe nichts anderes mehr! Nur noch Sensationshascherei, das ist es wohl, was heutzutage noch Interesse erweckt. Ganz spät am Abend gibt es mal etwas Gutes, und meistens sind es alte Filme …“

Aus einem Leserbrief an die TV-Zeitschrift „Funk Uhr“ – aus dem Jahr 1968.

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Die Ausstellung, die rockt: „The Beat Goes On“

Das größte Exponat der Osnabrücker Ausstellung "The Beat Goes On": Ein Bus niederländischer Bauart, der dem Osnabrücker Musikclub "Kleine Freiheit" als Eingangs- und Kassenbereich diente, auf Betreiben des Grundstückseigners aber entfernt werden musste. Ein Objekt mit Symbolwert: ein Vehikel für die Suche nach Freiheit, ein Transitweg vom Alltag ins freizeitlich-eskapistische Club-Erlebnis, auch für sich genommen schon eine Art Freiraum. Der Bus ist während der Öffnungszeiten zugänglich. Foto: Harald Keller.

Das größte Exponat der Osnabrücker Ausstellung „The Beat Goes On“: Ein Bus niederländischer Bauart, der dem Osnabrücker Musikclub „Kleine Freiheit“ als Eingangs- und Kassenbereich diente, auf Betreiben des Grundstückseigners aber entfernt werden musste. Ein Objekt mit Symbolwert: ein Vehikel für die Suche nach Freiheit, ein Transitweg vom Alltag ins freizeitlich-eskapistische Club-Erlebnis, auch für sich genommen schon eine Art Freiraum. Der Bus ist während der Öffnungszeiten zugänglich. Foto: Harald Keller.

Seit Freitag, 7. Juni, steht die Doppelausstellung „The Beat Goes On. Der Sound. Der Style.“ des Museums Industriekultur Osnabrück und des Tuchmacher Museums Bramsche der Öffentlichkeit offen. Das Museum Industriekultur widmet sich dem Thema Sound und das über einen Zeitraum von 60 Jahren: Wo haben verschiedene Generationen junger Musikfans jeweils ‚ihre‘ Musik gehört und dazu getanzt? Mit welchen technischen Mitteln wurde sie aufgeführt, wie abgehört? Das Spektrum im technischen Bereich reicht von klassischen, selten gezeigten Jukeboxen bis hin zum MP3-Player. Auch Instrumente und Verstärker sind zu sehen, in einem typischen Probenraum dürfen Gitarre, Bass und Schlagzeug sogar ausprobiert werden. Einen Leitfaden durch die Ausstellung bieten die Orte jugendlicher Musikkultur, die Tanzlokale und Konzertsäle der 50er, die Diskotheken, Clubs, auch städtische und unabhängige Jugendzentren gehören zum Thema. Denn wenn Jugendliche sich musikalisch ‚unterversorgt‘ fühl(t)en, griffen sie sehr häufig zur Selbsthilfe. Und zwar schon in den frühen 1950ern, als junge Jazzfans begannen, Jazz-Tanzveranstaltungen, die „Jazz Band Balls“, zu veranstalten, aus denen in den 1960ern die „Beat Band Balls“ wurden.

Besondere Highlights: Eine Zeitungskritik über den Auftritt eines 12-jährigen Jazz-Schlagzeugers namens Udo Lindenberg, ein rares Filmdokument eines Auftritts der Düsseldorfer Feetwarmers mit dem jungen Klaus Doldinger, eine von Angus Young (AC/DC) unter kuriosen Umständen signierte Gitarre, ein Gastspielvertrag mit den Scorpions aus dem Jahr 1976, rare Ton-, Film- und Bilddokumente sowie seltene Plakate. Und: Im Rahmen der Ausstellung und ausführlich im zugehörigen gleichnamigen, reich bebilderten Katalog (Isensee Verlag, Oldenburg) wird die Medienlegende widerlegt, die erste Diskothek Deutschlands sei der „Scotch-Club“ in Aachen gewesen.

Das Tuchmacher Museum Bramsche zeigt am Beispiel von Jeans, Lederjacken, Turnschuhen (Sneakers) und Kapuzenjacken (Hoodies) die Mode zu den jeweiligen Subkulturen. Ausgestellt werden besondere Stücke aus privater Hand, mit denen sich individuelle Geschichten verbinden, die über einen Medienport abgerufen werden können. Eines der Highlights: Die Lederjacke, die Udo Lindenberg an Erich Honecker schickte – und der zweiseitige Brief, mit dem der Staatsratsvorsitzende der DDR das Geschenk beantwortete.

Informationen:

www.industriekultur-museumos.de

www.tuchmachermuseum.de

https://www.facebook.com/pages/The-Beat-Goes-On/562630060437386

Vier Kleidungsstücke, aber eine unendliche Zahl an Möglichkeiten, sie zu interpretieren und zu individualisieren: Turnschuhe, Lederjacken, Jeans und Kapuzenjacken sind das Thema im Tuchmacher Museum Bramsche. Foto: Harald Keller.

Vier Kleidungsstücke, aber eine unendliche Zahl an Möglichkeiten, sie zu interpretieren und zu individualisieren: Turnschuhe, Lederjacken, Jeans und Kapuzenjacken sind das Thema im Tuchmacher Museum Bramsche. Foto: Harald Keller.