Versteckspiel

Der WDR hatte etwas mitzuteilen:

Sascha Lobo zu Gast bei #waszurwahl – Interaktive politische WDR-Late Night zur Bundestagswahl

Max von Malotki

#waszurwahl geht Sonntagnacht erstmals auf Sendung und beobachtet den Wahlkampf im Netz und auf der Straße, greift und spießt die Ereignisse der vergangenen Woche und des Tages auf. Eine interatkive Latenight – pointiert, ehrlich, bissig. Wer präsentiert oder blamiert sich wie im #neuland? Welchen Einfluss haben die Sozialen Netze?

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Von der „interatkiven Latenight“ mal abgesehen – man hätte ja gern gewusst, wo diese stattfindet und wann. Der Link half da auch nicht weiter. Man soll also selbst Web-Seiten und Programmspalten des Senders abklappern und durchforsten? Ja, ist denn schon wieder Ostern? Nö, Presseinformationen sind eine Bring-, keine Suchleistung. Wir winken ab.

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Materialien zur Diskussion um „Auf der Flucht – Das Experiment“

Kritik der zynischen Unvernunft

Es wurde in diesem Blog schon angesprochen, aber vor dem Hintergrund der Kontroversen um die ZDFneo-Sendereihe „Auf der Flucht – Das Experiment“ sei es noch mal aufgewärmt. Absurd genug, dass Fernsehschaffenden Rassismus unterstellt wird, die erklärtermaßen und engagiert vor allem dem latenten Rassismus in dieser Gesellschaft entgegenwirken wollen. Was dieses Thema anlangt, müssen sich einige Kritiker – ausgenommen die fanatischen Anti-Rundfunkgebühren-Motzer und die notorischen Berufsempörer, die gern der Öffentlichkeit und mehr noch vielleicht sich selbst ihre moralische Überlegenheit demonstrieren wollen – mindestens Realitätsferne, wenn nicht Snobismus vorwerfen lassen, wenn sie den eigenen Bildungsgrad und Medienkonsum als Normalfall einschätzen und zur Grundlage ihrer Bewertung machen. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung nämlich meidet sowohl konventionelle Dokumentationen über die Flüchtlingsproblematik als auch überhaupt jegliches Informationsmedium der gehobenen Art. Manche beziehen ihr Wissen über das Tagesgeschehen allein aus kostenlosen Anzeigenblättern. Zum Beispiel plumpsen jeden Sonntag 241.378 Exemplare (Verlagsangabe) des norddeutschen Anzeigenblättchens „Osnabrücker Sonntagszeitung“ in die Briefkästen. Darin finden sich Zeilen wie die folgenden, die der Kolumne des Herausgebers entnommen wurden. Bitte lesen Sie bis zum Schlusssatz:

„Die Änderung in der Zusammensetzung unserer Gesellschaft merkt auch deutlich die Polizei. Auch wenn es immer einen unteren, einen mittleren und einen oberen Teil der Gesellschaft gegeben hat, so ändern sich doch gerade auch die Kriminaltaten des unteren Teils deutlich. In Georgsmarienhütte wurden in den letzten Wochen über 50 Gullydeckel ‚geklaut‘. Die Polizei sucht, die Verwaltung hat eine Belohnung ausgesetzt. Wer aber macht sowas? Das ist kein Lausbubenstreich mehr. Wer mit seinem Wagen, Motorrad oder Fahrrad in ein so geöffnetes Loch hineinfährt, kann sich durchaus auch schwer verletzen. Wo werden aber vielleicht gerade 50 Gullydeckel im Ausland gebraucht?“

Hier noch ein Denkanstoß anderer Art, nämlich die Stellungnahme einer Lehrerin zum australischen Vorbild für „Auf der Flucht …“, der Sendereihe „Go Back To Where You Came From“ des Senders SBS:

„I recently showed this documentary to my Year 9 class and was incredibly moved at the impact it had on my girls. I teach at a school that is made up of predominantly anglosaxon students and prior to showing this documentary it was not unusual for me to hear my students engage in cringe worthy racial slurs. In our discussions during and after watching ‚Go back to where you came from‘ the girls eyes were completely opened up and many talked about how ashamed they felt that for years they had criticised refugees whilst they had never attempted to understand their situation. We are so lucky as Australians to live in a country with an abundance of opportunity, why not share it around? Why do some believe that other people are not worthy of such blessings simply because they were born into circumstance they were? I will continue to expose as many students as I can to this documentary and would recommend all students of highschool age watch this.“

Des einen Skandal ist dem anderen sein Unterrichtsmaterial

In Sachen „Auf der Flucht – Das Experiment“ (ZDFneo) ratterte die Empörungsmaschine bezeichnenderweise schon vor der ersten Ausstrahlung und spie Proteste und Petitionen aus. Ein ähnlicher Ablauf also wie seinerzeit bei „Erwachsen auf Probe“ (RTL). Erstaunlich daran ist, dass manche Wortmelder insbesondere in den Kommentarspalten bestimmter Web-Seiten angeblich fürsorglich für die Sache der Flüchtlinge und Asylbewerber einstehen, dabei aber recht undurchdachte Dinge und teils sogar eine Menge Hass verbreiten.

Auf Seiten der Publizistik verwundert nun wiederum, dass es offenbar niemanden stutzen lässt, dass die australische Vorlage zu „Auf der Flucht – Das Experiment“ mit dem Titel „Go Back To Where You Came From“, die unter anderem mit dem Sänger und Schauspieler Angry Anderson („Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel“) besetzt war, der ehedem sehr unfeine Worte gegen Boat People von sich gegeben hatte, unter anderem zweifach mit dem „United Nations Association of Australian Media Award“ ausgezeichnet wurde. Ziel dieser Preisvergabe: „The Awards recognise those in the media whose work highlights and champions human rights and social justice issues and stimulates public debate and changes in public and private policy.“

Eine weitere Trophäe gab es 2011 in Form des „Migration Institute Award Most Outstanding Coverage of Migration in the Media“. Zudem wurden die TV-Episoden, wie Lehrer berichten, erfolgreich im Unterricht eingesetzt, was nebenbei auch für die britische Vorlage zu „Erwachsen auf Probe“ galt.

Muss man die unterschiedliche Aufnahme solcher Fernsehsendungen jetzt auf Mentalitätsunterschiede zurückführen? Oder hat das hiesige Wüten und Lärmen vielleicht mit Aufmerksamkeitsökonomie und der wohlfeilen Zurschaustellung vermeintlicher moralischer Überlegenheit zu tun? Mögen klügere und besser bezahlte Köpfe darüber richten.

 

Im herkömmlichen Sinne kein Journalismus?

Im Juli verbreitete die Nachrichtenagentur dpa einen Beitrag, der sehr häufig, unter anderem hier, übernommen wurde. Darin enthalten waren die folgenden Sätze (von einzelnen Medien teils bearbeitet, daher nicht immer wortgleich):

„Den wichtigsten Fernsehpreis der Welt, den Emmy, könnte dieses Jahr erstmals eine für das Internet hergestellte Serie gewinnen.“

„«House of Cards» mit Kevin Spacey ist im herkömmlichen Sinne kein Fernsehen.“

„Die erfolgreiche Serie wurde exklusiv für Netflix produziert.“

Alle drei Sätze haben eines gemeinsam: Ihre Aussagen sind falsch. Wie es sich tatsächlich verhält, entnehmen Sie bitte der morgigen Ausgabe der „Funkkorrespondenz“. Man kann ja nicht alles verschenken.

P. S. Die Korrektur aber gibt es ebenso wie die zugehörige Entschuldigung natürlich umsonst. Durch eine ungeschickte Formulierung meinerseits (38 Grad im Schatten!) und eine seitens der Redaktion unabgesprochen vorgenommene Ergänzung ist zumindest Verwirrung entstanden. In der Druckversion heißt es: „Die Rechte an ‚House of Cards‘ (US-Produktion) wurden von der unabhängigen Produktionsfirma Media Rights Capital (MRC) erworben (…).“ Der Hinweis „US-Produktion“ ist natürlich, wie sich hoffentlich aus dem Zusammenhang ergibt, falsch: MRC erwarb die Rechte am britischen Original von 1990, um die US-Produktion eben gerade erst zu ermöglichen. Vergleiche „Funkkorrespondenz“ H. 31, 2.8.2013, S. 14.