Die Einzelkämpfer rücken zusammen

Unter der Überschrift „Kontrakt ’18“ haben namhafte deutsche Drehbuchautorinnen und -autoren sechs Klauseln formuliert, die sie künftig von Seiten der TV-Produzenten, die für gewöhnlich ihre Vertragspartner sind, berücksichtigt wissen wollen. Darüber habe ich mit dem Mitinitiator und Grimme-Preis-Träger Orkun Ertener („KDD – Kriminaldauerdienst“) gesprochen und den Verlauf der Ereignisse für die „Neue Osnabrücker Zeitung“ zusammengefasst: https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/1256507/drehbuchautoren-gruenden-initiative-kontrakt-18

Bemerkenswert ist die solidarische Haltung der Beteiligten, denn einige sind bereits jetzt im gewünschten Maße an den von ihnen kreierten Produktionen beteiligt. Es geht ihnen nun darum, dass dieser umfassende schöpferische Einfluss im Dialog mit Produzenten und anderen Gewerken zur gängigen Praxis und der Beitrag der Autorinnen und Autoren künftighin angemessen gewürdigt und bei der Öffentlichkeitsarbeit berücksichtigt wird.

Die Aktion könnte ein Vorbild für freie Journalisten sein. Die leiden unter schlechter Bezahlung, und auch hier wird oft in das ursprüngliche Werk entstellend eingegriffen. Leider lassen sich einzelkämpferische Freiberufler nur schwer organisieren. Bei den Drehbuchautorinnen und -autoren hat es lange gedauert, aber jetzt haben sie gezeigt: Es geht – wenn man nur will.

Siehe dazu auch http://www.kontrakt18.org/

 

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Kaum mehr entbehrliche Zukost

Das einfache lesende Volk gewahrt mit leichtem Befremden, dass die Medienkritik schon gebetsmühlenhaft die Überzahl an Kriminalsendungen beklagt, zugleich aber keinen Krimi unrezensiert an sich vorüberziehen lässt. Es handelt sich dabei übrigens um einen uralten Kritikerbrauch. Schon 1960 schrieb Ernst Koster in der „Fernseh-Rundschau“: „Mit Krimis geht man, so sagen sich die Televisionäre, immer sicher. Und sie häufen die Mordtaten, die vollzogenen, verhinderten und gerächten Justizmorde, daß das fließende Blut für die Habitués der milchigen Glasscheibe zur bald schon täglichen, kaum mehr entbehrlichen Zukost wird.“ Eins muss man ja sagen: Damals konnten Journalisten noch schreiben. Da verschlägt’s einem vor Neid glatt die Tinte.

Twin Peaks revisited – Die Irrwege des Agent Cooper

Man kann die Neuauflage der Kultserie „Twin Peaks“ als subversiven Lausbubenstreich abfeiern. Man muss sie aber nicht kritiklos hinnehmen, nur weil sie in Teilen vom Cineastendarling David Lynch stammt. Eine programmhistorische Verortung der ersten beiden Staffeln und eine kritische Analyse der dritten (auf Basis der ersten zehn von insgesamt achtzehn Folgen) findet sich unter http://www.medienkorrespondenz.de/leitartikel/artikel/im-wolkenkuckucksheim.html

Aktualisierung: Die Quoten der linearen Ausstrahlung in den USA sind vereinzelt wieder gestiegen, in der Spitze waren es laut der Programmforschungsfirma Nielsen 329.000 Zuschauer. Mithin ein absolutes Nischenprodukt, das unter anderen Umständen bereits abgesetzt worden wäre. Zum Vergleich: Der Spartensender Syfy beendete „Dark Matter“, weil sie im Schnitt nur 614.000 Zuschauer erreichte. Und um diese einfallsreiche und spannende Serie – bei uns donnerstags bei Tele 5 – ist es wirklich schade. Netflix, jetzt aber ran!

 

Aus drei mach eins

Foto: BBC Worldwide.

So kann man sich irren – die F.A.Z.“ schreibt zum ZDF-Serieneinkauf „New Blood“: „Unterschiedlich lang sind die Folgen – der Auftaktfilm gönnt sich zwei Stunden –, das ist bei Serien eher unüblich und spricht für den Primat des Erzählerischen.“ In Wahrheit galt beim ZDF das Primat des Programmschemas. Für den deutschen „Auftaktfilm“ wurden die 165 Minuten dreier Episoden auf 120 Minuten gekürzt.

Mehr zu „New Blood“, was die BBC zu der Bearbeitung sagt und die korrekte Angabe der in der Serie ausgeübten Sportart unter https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/934916/zdf-zeigt-drei-folgen-der-krimiserie-new-blood

Wenn wir es ganz genau nehmen wollen …

Nutzloses Fachwissen für die Erbsenzähler unter uns: Eigentlich ist, obgleich ich es ihr gegönnt hätte, Jodie Whittaker gar nicht der erste weibliche „Doctor Who“. Schon 1999 spielte Joanna Lumley („Absolutely Fabulous“) den „Doctor“ in der Parodie „Comic Relief: Doctor Who – The Curse of Fatal Death“. Autor war Steven Moffat, der 2009 zum Showrunner von „Doctor Who“ berufen wurde.

Der kleine Horrorladen

Der allgemeinen Auffassung nach hängt das Fernsehen am Rockzipfel des Kinos und darf sich glücklich schätzen, wenn Filmschaffende sich zu ihm herablassen. Die historischen Tatsachen sehen ein wenig anders aus. Seit je engagieren Filmproduzenten Schauspieler, die beim Fernsehen Popularität erlangt haben. Und auch auf Stoffe des Fernsehens griffen Kinomacher oft zurück.

In Großbritannien zum Beispiel. Die britischen Hammer Studios, an deren Ausstoß die französische Dokumentation „Dark Glamour“ erinnert, hatten den ersten Bankrott schon hinter sich, als sie nach dem Zweiten Weltkrieg einen neuen Anlauf nahmen. Mehr dazu am 6.8.2017 um 21:55 Uhr bei Arte und unter http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/tv-kritik/dark-glamour-arte-der-kleine-horrorladen-a-1327172

Emil Nolde – Leben, Werk und seine braune Periode

An Wacken vorbei, noch ein gutes Stück geradeaus, dann gelangt man nach Seebüll nahe der dänischen Grenze. Nolde-Land sagen einige, denn dieser oft wolkenverhangene Landstrich stand im Zentrum von Emil Noldes Schaffen. Am 7. August wäre der friesische Expressionist 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund würdigen 3sat und NDR den Künstler mit einem kritischen Porträt, das dessen Leistungen nicht schmälert, aber auch seine Anbiederung an den Nationalsozialismus nicht ausspart.

Randnotiz: Leider waren die beteiligten Sender nicht in der Lage, passende Fotos zu der Dokumentation bereitzustellen. Daher musste sich die FR-Redaktion mit Motiven eines älteren Films vom selben Autor behelfen.

Mehr dazu unter http://www.fr.de/kultur/netz-tv-kritik-medien/tv-kritik/emil-nolde-maler-und-mythos-3sat-ndr-ihm-genuegten-himmel-und-erde-a-1326775

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