Advent

Eines Tages aber zürnte der Herr seinem Volke, das wider ihn gesündigt hatte. Da schickte er ihm zur Strafe die Vorweihnachtszeit und sprach: „Ich aber sage euch: Auf Dauer eines Mondes sollt ihr in Karawanen in die Städte ziehen, euch sputen und eilen, bis euch die Kräfte schwinden, sollt zu Hunderten eine lange Zeit vor den Palästen eurer Gefährte harren und darben, ihr sollt den Händlern willfahren und ihnen eure Silberlinge lassen, dass euch nichts bleibet als das Nötigste am Leibe. Erst am Tage der Sonnenwende soll die Plage ein Ende haben und ihr sollt euch an eure Feuer hocken und mit euren Sippen das Brot brechen und Stille wahren, bis die Sonne ihren Lauf von neuem beginnt.“

Der Wille des Herrn wurde wahr und da der Herr seinem Volk keine Gnade schenkte, blieb es so bis zum heutigen Tage.

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Halloween-Lesung

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Zwar nähern sich der Legende zufolge am 31. Oktober erst nach Einbruch der Dunkelheit die Welten der Lebenden und der Toten, aber bereits um 12 Uhr mittags gibt es einen Vorgeschmack auf den Grusel der Halloween-Nacht. Im Rahmen der Reihe „Literarische Mittagspause“ der Stadtbibliothek Osnabrück liest der Osnabrücker Autor Harald Keller aus seinem Kurzkrimi „Halloween – Horrornacht mit dem Holenkerl“.

Vier Jugendliche sind unterwegs zu einer Halloweenparty im Bippener Raum, als plötzlich die Bordelektrik ausfällt. Der Wagen rutscht auf eine Waldwiese, bleibt stehen. Der Fahrer steigt aus, will Hilfe holen. Die übrigen Passagiere richten sich ein, so gut es geht. Dann der Schock – jemand oder etwas lauert draußen in der Finsternis. Wer wird ihm begegnen? Wer die Nacht überleben?

Die Handlung ist eine moderne Interpretation der im Osnabrücker Umland überlieferten Legende um den finsteren Holenkerl.

Der Snack zum Schreck: Passend zum „Halloween“-Thema serviert die Stadtbibliothek eine leckere und gesunde Kürbistortilla zum Selbstkostenpreis. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter info-stadtbibliothek@osnabrueck.de oder 0541 / 323 2007 wird gebeten.

Die Novelle „Halloween … Horrornacht mit dem Holenkerl“ ist als E-Book erschienen und bei allen einschlägigen Anbietern erhältlich.

ca. 52 Seiten, 1,49 Euro
ISBN-13 978-3-7380-1260-6

„Literarische Mittagspause“

Harald Keller liest aus „Halloween – Horrornacht mit dem Holenkerl“
Termin: 31.10.2016
Beginn: 12:00 Uhr
Eintritt: frei
Ort: Stadtbibliothek Osnabrück, Markt 1, 49074 Osnabrück
Anmeldung und Infos: 0541 / 323 2007

Anlaufstelle in Krisensituationen: Festivalseelsorger in #Wacken

Teil des Seelsorgerteams mit Jarste Morgenthaler (2. v. r.). Copyright Harald Keller.

Teil des Seelsorgerteams mit Jarste Morgenthaler (2. v. r.). Copyright Harald Keller.

Am Donnerstagmittag geht es ausgesprochen entspannt zu im Ambulanzbereich des Festivals in Wacken. Das zentrale Publikumsgelände mit den beiden imposanten, weithin sichtbaren Hauptbühnen ist noch nicht eröffnet. Traditionsgemäß werden dort am frühen Nachmittag Skyline den Reigen der Headliner eröffnen. Jarste Morgenthaler hat Zeit für ein Gespräch. Wir sitzen im weißen Pagodenzelt unter dem schwarzen Banner „W:O:A Seelsorger – Spiritual Guidance“.

Jarste kennt das Festival gut. 2003 war sie zum ersten Mal dabei, damals noch privat. Später hörte sie von der Arbeit des Seelsorgeteams und „war sofort Feuer und Flamme“. Sie ist Psychologin und gehört seit 2011 selbst zu den Beratern, die den Festivalbesuchern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Es mag überraschen, aber Jarste selbst ist nicht konfessionell gebunden. Der Punkt ist ihr wichtig: „Bei uns wird nicht missioniert.“

Die Festivalseelsorge ist ein Angebot des Jugendpfarramtes der evangelischen Nordkirche, richtet sich aber keineswegs nur an Christen. „Wir reden mit Menschen aller Glaubensrichtungen, auch mit konfessionslosen“, sagt Jarste. „Unsere Haltung ist natürlich von christlich-ethischen Glaubensgrundsätzen bestimmt. Damit kann ich mich identifizieren. Das hat aber nichts damit zu tun, dass man an die Bibel glauben muss.“

Bisweilen kommen Festivalbesucher von sich aus mit religiösen Fragen oder wegen einer Glaubenskrise. Die Pastoren im Team stehen in solchen Fällen als Gesprächspartner bereit. Das Spektrum der Anliegen ist indes sehr viel breiter. Entsprechend setzt sich die Beratergruppe aus Sozialpädagogen, Psychologen, Erziehern, Psychotherapeuten zusammen. Allzu konkret möchte Jarste nicht werden. Alle Gespräche unterliegen strengster Diskretion; jeder Mitarbeiter hat eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Die Klienten bleiben anonym, Foto-, Film- und Tonaufnahmen sind im Beratungsbereich nicht erlaubt. Mit anderen Worten: Was in Wacken passiert, bleibt in Wacken.

Verallgemeinert lässt sich sagen, dass vielen Ratsuchenden, vor allem solchen, die erstmals ein derart großes Festival besuchen, die überwältigenden Sinneseindrücke zu schaffen machen. „Überforderungserleben“ nennen es die Experten. Probleme im Freundeskreis oder in der Beziehung bis hin zum altbekannten Liebeskummer, auch akutes Heimweh oder Sorge um andere sind Themen, die im geschützten Raum des Seelsorgezeltes zur Sprache kommen. Äußere Umstände können Krisen auslösen oder verstärken. Das Wetter ist ein solcher Faktor – ein abgesoffenes Zelt, im Matsch verlorene Papiere, überhaupt alles, was im ersten Moment ein Gefühl der Orientierungslosigkeit oder Verlorenheit hervorruft.

Da hilft es schon, wenn man jemandem von der Misere erzählen kann. „Manchmal“, so bestätigt Jarste, „lassen sich diese Sachen durch ein Gespräch oder einen guten Ratschlag schon lösen.“ Notfalls empfehlen die Berater weiterführende Hilfsangebote. Sie sind innerhalb des Festivals und darüber hinaus gut vernetzt und werden von der Veranstaltungsleitung unterstützt.

Wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Sanitätern, die Menschen in entsprechenden Problemlagen an das Seelsorgeteam weiterleiten. Die Berater in den blauen Westen sind auch selbst auf dem Gelände unterwegs, auf den Campingplätzen, in den Reihen des Publikums. Zwei Mitarbeiter halten sich in den Konzertphasen im Bühnenbereich auf. Die Lautstärke, das Gedränge – da kann es zu Panikattacken kommen. Bei Bedarf sind die Berater im Nu zur Stelle.

Neunzehn Mitarbeiter umfasst das Team insgesamt. Sie arbeiten in vierstündigen Schichten zwischen 13 Uhr und 5 Uhr. Außerhalb der Sprechzeiten sind sie im Notfall über die Einsatzkräfte telefonisch zu erreichen. Große Dramen sind zum Glück rar. Das Wacken Open Air sei „ein sehr friedliches und fröhliches Festival.“ Jarstes Einschätzung deckt sich mit der Wahrnehmung vieler Besucher. Das ist nicht selbstverständlich, wie erfahrene Festivalnomaden zu berichten wissen. Anderswo könne es schon mal ruppiger zugehen.

Einer der Gründe, weshalb die Metalfans vom Stamme der Wackinger ihrem Festival so treu sind. Das merkt auch Jarste, die selbst gern Melodic Metal hört, Bands wie In Flames, Children of Bodom, Blind Guardian, Iron Maiden. Manchmal melden sich Klienten bei ihr, die in einem der Vorjahre die Hilfe der Seelsorger gesucht hatten und auf ein zwangloses Hallo vorbeischauen.

Das ist schön für uns zu sehen“, sagt sie. „Ein schöner Lohn.“

Das Beratungsangebot in Wacken hat inzwischen eine Art Modellcharakter bekommen. In- und ausländische Festivals, unter anderem in der Schweiz, wollen das Konzept übernehmen.

„Schwarz kann jeder“ – Notizen aus #Wacken

Wie ist die Stimmung in Wacken? Sagen wir es so: Der Tag begann mit strahlendem Sonnenschein. Beim Warten auf den Bus aber gab es prompt wieder einen dieser unangenehmen Platzregen – ein Wort nebenbei, das bei einem Open-Air-Festival gleich doppelt zutrifft. Endlich im Bus, begann einer dieser verwegen aussehenden Metal-Heads „Always Look on the Bright Side of Life“ zu pfeifen. Nach und nach stimmte die Hälfte der Passagiere ein. Und so schaukelte man halb vergnügt, halb trotzig gen Holy Ground.

Am heutigen Freitag traten Torfrock auf der Party Stage. Deren Song mit den unsterblichen Zeilen „Dat matscht so schön“ hätte eigentlich das Zeug, zur heimlichen Festivalhymne zu werden. Wenig lustig ist die Vermatschung des Geländes für Behinderte, die ansonsten recht gute Bedingungen vorfinden, um am Festival teilzuhaben, wie Rollifahrerin Andrea im Gespräch zu berichten wusste. Sie engagiert sich bei behindert-barrierefrei e. V. und war 2012 zum ersten Mal auf dem Wacken. Einschränkungen gebe es auch für Nicht-Behinderte, sagt sie, man müsse Abstriche beim Komfort in Kauf nehmen. Ihren Rollstuhl, den sie „Mücke“ getauft hat, hatte sie festivalgerecht hergerichtet und mit ihrem W:O:A-Rolli 2012 den „Pimp My Rolli“-Contest gewonnen. Dennoch, bei aufgeweichtem Boden kommt sie ohne Helfer kaum über das Gelände. Und hie und da, so erzählt sie, wären noch Verbesserungen möglich. Nicht immer gibt es Rampen, wo welche nötig wären, und die Rollifahrer wünschen sich, dass die Behinderten-WCs an den Euroschlüssel angepasst werden, den viele Rollstuhlfahrer bereits besitzen und der ihnen europaweit den Zugang zu Behindertentoiletten, beispielsweise auf Autobahnraststätten, ermöglicht. Andrea regt an, bei der Planung im Vorfeld des Festivals einen Behinderten als Berater mit an den Tisch zu holen.

Nachtrag vom letzten Festivaltag: Rollifahrer Piet wurde von drei hilfsbereiten Ordnern durch die Schmöttke getragen und die Rampe zur Behindertentribüne hochgefahren, wo er freie Sicht auf die Hauptbühnen hat.

Die Sonne kam zurück, und die Gelegenheit wurde genutzt, den traditionellen Spaziergang über die während des Festivals für den Individualverkehr gesperrt Hauptstraße zu unternehmen. Pastor Raoul Åkesson ist wieder zugegen und verteilt die kostenlose „Metal Bibel“. Die enthält nicht etwa Texte der christlichen Metalband Stryper, richtet sich aber dennoch an Metalheads. In ähnlicher Form gibt es auch eine Truckerbibel. Raoul ist Schwede, betreut in seinem Heimatland Haftinsassen und ist in ganz Europa auf Veranstaltungen unterwegs, zum Beispiel beim polnischen Woodstock-Festival. Er und seine Kolleginnen und Kollegen missionierten nicht, sagt er, und: „Wir lieben die Menschen.“ Sie stehenden Fragenden gern zur Verfügung, schenken Kaffee aus, sprechen auf Wunsch über die Metal-Bibel. Aber auch Krisengespräche habe es schon gegeben, zum Beispiel mit Kriegsheimkehrern. Optisch fügt sich Raoul gut ein ins Wacken-Publikum, ohne sich anzubiedern. Seine Kutte weist ihn als Angehörigen der Biker Church Europe aus, ein Patch besagt: „Streetchurch“.

Gemeinsam mit dem Team des Youtube-Kanals „Der dunkle Parabelritter“ begab sich Ihr Gewährsmann auf die Suche nach lokalen Spezialitäten. Einheimische empfahlen den „Eingehängten“. Ein Getränk, das Durst und Hunger gleichzeitig stillt. Es handelt sich um eine Sardelle in Weizenkorn. Auf derselben Getränkekarte fand sich auch „Schlumpfenwixxe“. Gemeint ist GabiKo – Dithmarschisch für „Ganz billiger Korn“ – plus ein Bonbon Wick blau. „Da musst du abends nich‘ mehr Zähneputzen“, versprach der ausgesprochen herzliche Wirt. „Und morgens auch nicht.“ – Und vielleicht irgendwann überhaupt nicht mehr. Es sei denn, mit Kukident.

Kennt eigentlich jemand Gribbohm? Wacken geht nahtlos in Gribbohm über. Theoretisch hätte das erste Wacken Open Air auch in einer Gribbohmer Sandkuhle stattfinden können. Aber wäre die Veranstaltung als „Gribbohmer Open Air“ jemals so groß geworden?

Ungewöhnlich gekleidete Menschen findet man auf der Wackener Hauptstraße sonderzahl. Besonders auffällig waren zwei Damen aus Bayern, die herkunftsgemäß Dirndl trugen. Der pfiffige Kommentar der beiden: „Schwarz kann jeder.“ – Der Spruch ist so gut, den sollte man auf T-Shirts drucken.

Noch ein Rückblick auf den Vortag: Das Verhalten einiger Ordner gibt schon zu Verwunderung Anlass. Mit dem entsprechenden Armbändchen ist akkreditierten Journalisten das Fotografieren auf dem Gelände erlaubt. Angeblich nur während der ersten drei Stücke eines Auftritts – auch wenn die betreffende Band anderes wünscht -, aber da gibt es nachweislich Ausnahmen. Nach unerfindlichen Regeln. Von außerhalb des Grabens darf auf jeden Fall in Richtung Bühne fotografiert werden. Trotzdem baute sich ein breitschultriger Ordner breit grinsend vor Ihrem Chronisten auf und verstellte die Sicht auf die gerade spielende Band. Armes, frustriertes Geschöpf. Lassen wir ihm den Spaß.

Kiez mit neuem Charme

Michael Hull. Copyright: Harald Keller.

Tausendsassa Michael Hull ‚tänzelt‘ auf dem Vordach der Tanzschule Hull über der Hasestraße in Osnabrück. Foto: Harald Keller.

Im Sommer greift Michael Bolmer gelegentlich zur Gießkanne und wässert die alte Platane vor seinem Büro. Dazu verpflichtet ist er nicht, der Baum steht im öffentlichen Raum. Aber an der Hasestraße kümmert man sich. Auch unaufgefordert. Vor ungefähr zehn Jahren bezog der Grafikdesigner, der unter anderem aufwändige Kunstbände gestaltet, ein Ladenlokal an der Hasestraße. Von seinem Schreibtisch aus blickt er durch zwei große Fenster ins Freie. „Man ist hier mitten im Leben“, sagt er. Das lebhafte Treiben draußen empfindet er nicht als störend, sondern als Inspiration. In seinem Blickfeld liegen ein Fitness-Studio, ein Sechzehn-Stunden-Kiosk, eine Bushaltestelle. Und ein Frisiersalon.
Oft werde die Hasestraße nur als Kneipen- und Friseurmeile wahrgenommen, bedauern alteingesessene Anlieger. In den letzten Jahren war die traditionsreiche Einkaufsstraße in Teilen verwaist. Doch „zur Zeit tut sich wieder was“, sagt Maike Hunecke.

Fortsetzung im „Stadtblatt Osnabrück“, 7/2016, S. 16.