Das B in B-Movie steht für Bahnhof

„Liebe, Laster, Grausamkeit“ – Schmuddelkino auf Arte? Tatsächlich. Verdientermaßen. Als Dokumentation über die untergegangene Institution des Bahnhofskinos. Manche der dort gezeigten Filme sind heute zumindest unter Kennern rehabilitiert.

Eigentlich meint der Begriff B-Movie eine Kategorisierung. Filme dieser Art waren die billigeren Beiprogramme der teuren Prestigeproduktionen. Mit B-Movies hielten die großen Hollywoodstudios ihren Betrieb in Gang, kleinere Unternehmen fanden hier eine lukrative Nische. In Deutschland aber könnte B-Movie auch für Bahnhofs-Movie stehen.

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Tanzstunden auf heiligem Boden

Die Briten stehen noch Schlange. Zum Beispiel beim Einlass vor dem Fernsehstudio im Norden Londons, in dem Anfang September 2015 die Auftaktsendung zur jüngsten Staffel von „Strictly Come Dancing“, in Deutschland bekannt als „Dancing With The Stars“, aufgezeichnet wurde. Die Reihe der diszipliniert Wartenden reichte halb um den gesamten Komplex. Für eine Besucherin war es zeitlich knapp geworden, sie tauschte in ihrem abseits geparkten, geräumigen SUV mit bewundernswerter Geschmeidigkeit das Business-Kostüm gegen elegante Abendgarderobe und legte etwas auffälligeres Makeup auf. Das habe ich selbstredend nicht fotografiert. Man ist ja Gentleman. Im selben Studio wurden übrigens auch schon „Star Wars“ und, in der hinteren Backsteinhalle, Guy Ritchies „Sherlock Holmes“-Filme sowie zahlreiche britische Serienklassiker wie „Mit Schirm, Charme und Melone“ gedreht. Heiliger Boden, sozusagen.

Copyright: Harald Keller (Fotoqualität reduziert)

Copyright: Harald Keller (Fotoqualität reduziert)

Ein Saftsack in L.A.

Am 7. Februar um 22.10 Uhr bei Tele 5:

Blacula

That is one strange dude“, bemerkt einer der Aufführenden, wahre Worte, wie sie nur in billigen Filmen zu finden sind. Samuel Z. Arkoff, der große B-Film-Produzent, steckt dahinter, wenn ein Herr Mamuwalde aus Afrika anreist und beim Grafen Dracula vorstellig wird, um Hilfe gegen die Sklaverei zu erbitten. Statt diese zu gewähren, schnappt der Transylvanier zu, da es ihn nach der Gattin seines Gastes gelüstet. Jahre später begegnen wir Herrn Mamuwalde, der jetzt Blacula heißt, in Los Angeles. Und was er dort trieb, ward vom Publikum so gern gesehen, daß er im Jahr darauf ein weiteres Mal erstand und unter der Überschrift „Scream, Blacula, Scream“ Pam Grier nachstellte, die keinen Tarantino braucht, um einem blutschlürfenden Lustgreis Paroli zu bieten.

USA 1972, Farbe, 93 Min., Buch: Joan Torres, Raymond Koenig, Regie: William Crain, mit: William Marshall (Mamuwalde/Blacula), Vonetta McGee (Tina/Luva), Denise Nicholas (Michelle), Thalmus Rasulala (Dr. Gordon Thomas), Charles Macauley (Graf Dracula), Elisha Cook jr. (Sam) u. a.

Gut zu wissen: Bei einem Nachtclub-Besuch Blaculas tritt die Hues Corporation auf und leistet ihren Beitrag zum bis dato wohl souligsten Vampirfilm.

Aus: Schräg, schrill, scharf und schundig, RORORO, Reinbek 2000

Deutsche Gesichter in internationalen Serien

Copyright 2012 HOME BOX OFFICE, INC.

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In einer Sonderaktion laufen am 26.8.2013 die ersten zwei Folgen der dritten Staffel von „Game of Thrones“ in den folgenden Städten auf der Großleinwand: Augsburg, Berlin, Bielefeld, Bremen, Essen, Hamburg, Hannover, Kiel, München und Stuttgart. Kartenbestellungen unter www.cinemaxx.de/GameOfThrones. Ab dem 4.9. gibt es die komplette dritte Staffel dann zunächst immer mittwochs bei TNT Serie, später auch im Free-TV.

Peter Dinklage, Darsteller des Tyrion Lannister, wurde in diesem Jahr erneut für einen Emmy als bester Serienschauspieler nominiert, den er bereits einmal gewinnen konnte. In der Rolle seiner unstandesgemäßen Geliebten Shae zählt auch die deutsch-türkische Schauspielerin Sibel Kekilli (Foto unten) zur Stammbesetzung. Der deutsche Schauspieler Tom Wlaschiha ist in dieser Staffel nicht dabei, spielt aber mittlerweile in der europäisch-US-amerikanischen TV-Koproduktion „Crossing Lines“ neben Donald Sutherland, William Fichtner u. a., die ab 22. August bei Sat.1 ausgestrahlt wird.

„Crossing Lines“ zeigt die meist sehr abenteuerliche Arbeit einer internationalen Ermittlereinheit, die tätig wird, wenn grenzüberschreitende Verbrechen geschehen. Gedreht wurde in den Prager Barrandov Studios, die alle nötigen Schauplätze – auch ein Double für den Berliner Tiergarten – bereithalten. In der Episode „Long-Haul Predators“, die größtenteils in Deutschland spielt, zählen Bettina Zimmermann, Oliver Stokowski und Florentine Lahme zu den Gaststars und gelangten auf diese Weise auch auf US-amerikanische Bildschirme. Produktionspartner in den USA ist das Network NBC. Für US-Network-Verhältnisse ist die Serie ausgesprochen düster, denn man kann nicht davon ausgehen, dass die Protagonisten, seien es Serien- oder Episodenhelden, überleben. Damit aber ist die Erzählung, die sowohl episodische wie auch Fortsetzungselemente enthält, ähnlich wie die darin noch weitaus extremere britische Produktion „Spooks“ gerade besonders spannend.

Weniger überzeugend ist das Zusammenspiel der Hauptfiguren – zumindest in den ersten Episoden. Vielleicht verbessert sich dieser Aspekt noch im weiteren Verlauf der Handlung, aber es mangelt an einer verdichtenden Regie, wie sie, vergleiche zum Beispiel die Ensembleserie „Scandal“, so viele hochkarätige US-Serien auszeichnet.

Copyright 2012 HOME BOX OFFICE, INC.

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Du musst ihn kriegen

Steven Seagal versucht sich im echten Leben als Verbrecherjäger

Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht auf irgendeinem Sender ein Steven-Seagal-Film zu sehen ist. Ein Ausstoß von mindestens zwei Spielfilmen pro Jahr ist normal für den dicken alten Mann des Actionkinos.

Seagal erlernte schon als Knabe fernöstliche Kampfkünste, führte später eine Kampfschule in Japan, arbeitete als Bodyguard und brachte Hollywood-Prominenten wie Sean Connery die Kunst der Selbstverteidigung nahe. Zu seinen Kunden zählte mit Michael Ovitz einer der mächtigsten Agenten im Showgeschäft, der seinen Trainer zum Leinwand-Star aufbaute. Im fortgeschrittenen Alter von 36 Jahren gab Seagal 1988 mit „Nico“ neben Pam Grier und Sharon Stone sein Schauspieldebüt.

Es folgten einige Kassenhits, der größte war „Alarmstufe: Rot“, eine gewitzte Variante des „Stirb langsam“-Modells mit dem großartigen Tommy Lee Jones in Keith-Richards-Montur als Oberstrolch. Seit 2003 produziert Seagal B-Filme direkt für den Videomarkt. Das hat seine Vorteile: Kleine Produktionen sind leichter zu finanzieren und schneller in der Gewinnzone. Seagal ist nicht der einzige, der dieses risikoreduzierte Geschäftsmodell verfolgt.

So flink wie in jungen Jahren ist der einstige Haudegen allerdings nicht mehr. Ein deutscher Schauspieler mit US-Erfahrung berichtete am Rande eines Pressegesprächs, dass sich Seagal selbst bei Szenen mit minimalen Bewegungsabläufen doubeln lässt. Was sein Mienenspiel anlangt, gehört der Minimalismus ohnehin seit je zu seinen Markenzeichen.

Mit „Steven Seagal – Lawman“ wandte er sich 2009 dem Reality-Fernsehen zu. Seine Tätigkeit als Berater der Polizei von Jefferson Parish hatte ihm Jahre zuvor zu einem Nebenjob als Hilfssheriff verholfen. Und bei dieser Tätigkeit ließ Seagal sich zeitweilig filmen. Einen Gefallen hat sich der bekennende Buddhist damit nicht getan. Seagals Stärke liegt wohl eher in der Theorie: Er schwadroniert über die Gefahren im Dienst, belehrt die altgedienten Profis, hält sich aber erkennbar hinter dem Rücken seiner Kollegen, sobald es brenzlig zu werden droht. Und er wird zur Nervensäge, wenn der Partner am Steuer die Verfolgung eines Wagens aufnimmt. Unruhig herumrutschend, gibt Seagal dem Kollegen überflüssige Anweisungen wie „Du musst ihn kriegen, Johnny! Na los!“ Jede Wette, dass Johnny heilfroh ist, wenn er den Filmstar endlich wieder vom Hals hat.

Die filmische Umsetzung baut erkennbar auf künstlicher Aufregung. Echten Nervenkitzel liefern Seagals Patrouillenfahrten nicht im Entferntesten – aber sie sind ungewollt ziemlich lustig.

Steven Segal – Lawman“, ab 10.4., mittwochs, 23.00 Uhr, RTL II

Alarmstufe: Rot“, 13.4., 22.00 Uhr und 2.00 Uhr, Sat.1

Django gegen den Ku-Klux-Klan

Achtung, Querschläger: Quentin Tarantino schickt Jamie Foxx und Christoph Waltz auf Rassistenjagd

Eigentlich ist der Western seit langem in die Großstadt abgewandert. Aus den Saloons wurden Clubs, Autos ersetzten die Pferde, breite Avenuen die Trails der Viehtreiber. Die Zeiten scheinen vorbei, in denen ein Westernheld mit dem seltsamen Namen Django zum Inbegriff von Coolness und sogar zur Popikone werden konnte. Demgegenüber hatte Franco Nero, der 1966 in der Rolle des Django für Furore sorgte, hernach einige Mühe, dieses übermenschliche Image wieder abzustreifen.

Jetzt wird man den mittlerweile 71-Jährigen ehrenhalber noch einmal in einem Film sehen, der den Namen Django im Titel führt: „Django Unchained“ heißt das Werk mehrdeutig, und wenn es darum geht, einen entfesselten Django zu entwerfen, kommt eigentlich kaum jemand anderes in Frage als der hingebungsvolle B-Film-Verehrer Quentin Tarantino.

(…)

Weiter in: Stadtblatt Osnabrück 1/2013, S. 40.