Dominik-Graf-Film #Zielfahnder im #Ersten: Der Folklore erlegen

Die Komplizenschaft von Drehbuchautor Rolf Basedow und Regisseur Dominik Graf reicht zurück bis zur ARD-Kultserie „Der Fahnder“ und hat seither viele preisgekrönte Produktionen hervorgebracht. Für die Degeto-WDR-Koproduktion „Zielfahnder – Flucht in die Karpaten“ haben die beiden die bewährte Zusammenarbeit erneuert. Dabei sind ihnen nun aber gehörig die Pferde durchgegangen. Mehr dazu unter http://www.fr-online.de/tatort-spezial/-zivilfahnder—flucht-in-die-karpaten—ard-karl-may-festspiele-auf-der-schaeferalm,20719658,34949710,view,asFirstTeaser.html

Halloween-Lesung

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Zwar nähern sich der Legende zufolge am 31. Oktober erst nach Einbruch der Dunkelheit die Welten der Lebenden und der Toten, aber bereits um 12 Uhr mittags gibt es einen Vorgeschmack auf den Grusel der Halloween-Nacht. Im Rahmen der Reihe „Literarische Mittagspause“ der Stadtbibliothek Osnabrück liest der Osnabrücker Autor Harald Keller aus seinem Kurzkrimi „Halloween – Horrornacht mit dem Holenkerl“.

Vier Jugendliche sind unterwegs zu einer Halloweenparty im Bippener Raum, als plötzlich die Bordelektrik ausfällt. Der Wagen rutscht auf eine Waldwiese, bleibt stehen. Der Fahrer steigt aus, will Hilfe holen. Die übrigen Passagiere richten sich ein, so gut es geht. Dann der Schock – jemand oder etwas lauert draußen in der Finsternis. Wer wird ihm begegnen? Wer die Nacht überleben?

Die Handlung ist eine moderne Interpretation der im Osnabrücker Umland überlieferten Legende um den finsteren Holenkerl.

Der Snack zum Schreck: Passend zum „Halloween“-Thema serviert die Stadtbibliothek eine leckere und gesunde Kürbistortilla zum Selbstkostenpreis. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter info-stadtbibliothek@osnabrueck.de oder 0541 / 323 2007 wird gebeten.

Die Novelle „Halloween … Horrornacht mit dem Holenkerl“ ist als E-Book erschienen und bei allen einschlägigen Anbietern erhältlich.

ca. 52 Seiten, 1,49 Euro
ISBN-13 978-3-7380-1260-6

„Literarische Mittagspause“

Harald Keller liest aus „Halloween – Horrornacht mit dem Holenkerl“
Termin: 31.10.2016
Beginn: 12:00 Uhr
Eintritt: frei
Ort: Stadtbibliothek Osnabrück, Markt 1, 49074 Osnabrück
Anmeldung und Infos: 0541 / 323 2007

Gewissensfragen

Mit der nach belgischem Vorbild entstandenen US-Serie „Containment“ zeigt ProSieben eine spannenden, aktuelle Fragen ansprechende Melange aus Wissenschaftsthriller, Krimi und Fortsetzungs-Melodram.

Wenn internationale Errungenschaften auf dem Gebiet des seriellen Erzählens angesprochen werden, bleiben die Benelux-Länder regelmäßig ausgeklammert. Zu Unrecht. Mit „Dunkle Wasser“, 2005 vom WDR ausgestrahlt, gab es dort schon 2001, also sechs Jahre vor „Kommissarin Lund“, eine Serie, die ausschließlich einem Kriminalfall gewidmet war. „Mevrouw de minister“ nahm 2002 thematisch die dänische Serie „Borgen“ vorweg.

In Belgien tragen Steuersparmodelle und regionale Förderungen dazu bei, dass regelmäßig hochwertige Kino- und TV-Produktionen entstehen, die oftmals international Beachtung finden. So beispielsweise 2012 der Oscar-Kandidat „The Broken Circle“. Der dort am Drehbuch beteiligte Carl Joos schuf zwei Jahre später die TV-Serie „Cordon“, einen Wissenschafts-Thriller in zehn Episoden, der von einem Virenausbruch in Antwerpen erzählt.

Bitte weiterlesen unter http://www.fr-online.de/tatort-spezial/-containment—prosieben-mit-der-epidemie-kommt-der-zerfall,20719658,34826948,view,asFirstTeaser.html

Fotos zur Zeit

Der Wandel der Moden und der Stile, die Veränderungen der Ansprüche und Bedürfnisse, der Vorstellungen von Architektur und von lebenswertem urbanen Raum sind Thema der Ausstellung „Zeitsprünge“. Für das Fotoprojekt  hat der Osnabrücker Autor und Fotograf Harald Keller Aufnahmen aus dem eigenen, bis in die 1970er-Jahre zurückreichenden Archiv ausgewählt und aus aktueller Warte erneut fotografiert. Nicht (nur) bekannte Ansichten der Stadt, sondern ungewöhnliche Blickwinkel, Momente am Rande des Geschehens, Seitenblicke auf die Menschen und ihren Alltag. Erinnerungen paaren sich mit Bestandsaufnahmen, Vergangenheit trifft auf Gegenwart. Die Lichtbilder hängen zu Paaren geordnet, aber unsystematisch. Somit bleibt es den Besuchern überlassen, den abgebildeten Orten und Zeiten nachzuspüren.

Die Mehrzahl der Aufnahmen wurde monochrom (schwarzweiß) auf Film aufgenommen und von Hand auf Baryt-Fotopapier vergrößert. Durch die klassisch-analoge Umsetzung erhalten die aktuellen Bilder eine handwerkliche Wertigkeit – jedes  Bild ist ein Unikat. Vor allem provoziert die Wahl dieser Materialien, die von der heutigen digitalen, hyperrealistischen Bildästhetik erkennbar abweichen und vom Publikum intuitiv mit der Vergangenheit assoziiert werden, einen zweiten, intensiveren Blick und damit Erkenntnisse und Gedanken zum gestellten Thema – die Ausstellung ist ein Beitrag zur „Zeit“ – dem diesjährigen Themenschwerpunkt des Osnabrücker Fachbereichs Kultur.

Die Besucher der Vernissage am 9. Oktober 2016 um 12:00 Uhr im „Stadtgalerie Café“ dürfen neben Fotografien auch akustische Bilder erwarten. Die Eröffnung übernimmt Singer-Songwriter Björn Tillmann, der die Veranstaltung – bei freiem Eintritt – im Weiteren noch um einen zweiten Auftritt bereichern wird. Durch Vertreter des Britpop musikalisch sozialisiert, schreibt Björn Tillmann heute deutschsprachige Lieder mit nachdenklichen und originellen Texten, deren teils poetisch-melancholische Stimmung, durch seinen sensiblen Vortrag intensiviert, das Generalthema „Zeit“ auf eigene Weise kommentiert. Björn Tillmann hat in diesem Jahr unter dem Titel „Nuara“ seine erste EP mit sechs ausschließlich eigenen Songs herausgebracht, die er im Rahmen der Ausstellungseröffnung vorstellen wird.

Hörproben unter:

facebook.com/bjoerntillmannmusik
bjoerntillmann-music.bandcamp.com

„Zeitsprünge“, Ausstellung vom 9. bis 30. Oktober im „Stadtgalerie Café“, Große Gildewart 14, 49074 Osnabrück. Vernissage am 9. Oktober ab 12:00 Uhr mit Singer/Songwriter Björn Tillmann.

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag 9:00 – 18:30 Uhr
Montags Ruhetag

Per Vorschlaghammer ins Gruselkabinett

Nach außen – das bedeutet in erster Linie: im Kreise der Kolleginnen – zeichnet die Logopädin Lisa (Veerle Baetens) ein Bild von sich, das der bürgerlichen Normalität entspricht. Sie ist verheiratet, hat soeben mit ihrem Mann eine neue Wohnung gefunden. All das nimmt sie sehr in Anspruch, für gemeinsame Unternehmungen bleibt kaum Zeit.

Aber ihre Blicke, im Bus nach Hause auf ein küssendes Paar gerichtet, verraten  widersprüchliche Gefühle und deuten auf eine gewisse weltliche Entfremdung. Die öffentliche Lisa und die wahre Lisa sind nicht deckungsgleich. Den Ehemann gibt es nicht; Lisa ist Einzelgängerin, Außenseiterin. Der Grund dafür liegt in ihrer Vergangenheit. In einigen Wendungen der deutschen Sprache klingt es an: sie steht neben sich, bewegt sich neben der Spur. Zumindest nicht in derselben wie die anderen in ihrer Umgebung. Eine krankhafte Erscheinung? Entspringt das, was ihr im Weiteren widerfährt, purem Wahn?

Darin liegt die spannende Frage des von Hervé Hadmar (auch Regie) und Marc Herfoux kreierten und gemeinsam mit Sylvie Chanteux verfassten französischen Dreiteilers „Hinter den Mauern“. Die Bücher des Trios strotzen vor surrealen Einfällen. Nichts ist absehbar, bald jeder von Lisas Schritten bringt eine unerwartete Wendung. Selbst die kürzeste Inhaltsangabe würde bereits zu viel verraten. Daher nur knapp die Exposition: Lisa erbt überraschend eine alte, zwischen hässlichen modernen Hochhäusern eingepferchte Stadtvilla. Der frühere Besitzer ist ihr völlig unbekannt. Dies jedenfalls erklärt sie dem Notar und erscheint aufrichtig verwirrt.

Das Testament enthält einen rätselhaften Verweis auf das Johannes-Evangelium: „Ich bin die Tür. So jemand durch mich eingeht, der wird selig werden und wird ein und aus gehen und wird Weide finden.“ Seltsamerweise liegt das Haus genau gegenüber ihrer kleinen Mietwohnung. Sie hat es oft durch das Fenster betrachtet. Jetzt gehört es ihr. Es ist vernachlässigt und in schlechtem Zustand. Stück für Stück trägt sie ihre Habe über die Straße und beginnt im Alleingang mit der Renovierung. Unter der Tapete findet sie ein Muster aus fraktalen Gebilden, die Hermann Rorschach in Verzückung versetzt hätten.

Als Lisa aus einem Albtraum erwacht, hört sie hinter der Wand ein klägliches Jammern. Den Vorschlaghammer schwingend, legt sie einen verborgenen Gang frei. Eine Tür, ein geheimes Zimmer. Auch dort die seltsamen Muster an der Wand. Eine Treppe, die abwärts führt …

Mit „Hinter den Mauern“ gelang Hervé Hadmar und Marc Herfoux, die auch für die bemerkenswerte französisch-belgische Krimiserie „Die Zeugen“ (unter anderem bei Maxdome und Amazon verfügbar) verantwortlich zeichnen, eine verstörende Phantasmagorie, ein schaurig- und traurig-schönes Märchen, das weitgehend ohne den Rückgriff auf neuere Genrekonventionen, vor allem ohne explizite Gewaltdarstellungen auskommt. Umso beeindruckender, wie hier mit erzählerischem Geschick und Einfallsreichtum eine nie nachlassende Gruselstimmung geschaffen wird. Nicht um ihrer selbst willen, wie bei der formal ambitionierten, aber inhaltlich belanglosen deutschen Mind-Fuck-Serie Weinberg, sondern um eine tiefere Bedeutung zu transportieren, wie sich im Schlusskapitel zeigt – Zuschauer, die durchhalten, werden belohnt.

Die Geschichte speist sich aus uralten Mythologien, macht Anleihen beim christlichen Glauben und bei der Dunklen Romantik, auch eine Variation der antiken Sage von Orpheus und Eurydike lässt sich herauslesen. Eine entfernte Verwandtschaft gibt es zu der US-Kultserie „Lost“, wobei das betreffende Motiv hier aber auf sämtlichen filmischen Ebenen ganz und gar eigenständig interpretiert wird. Die mehrfach ausgezeichnete Hauptdarstellerin Veerle Baetens, in Deutschland bekannt aus dem Oscar-nominierten Kinofilm „The Broken Circle“ und aus den Serien „Code 37“, „The Team“ und „The White Queen“, beweist einmal mehr ihre schauspielerische Sonderklasse. In weiteren Rollen sind François Deblock und Geraldine Chaplin zu sehen.

Arte zeigt die drei eng verknüpften Folgen am Donnerstag, 22.9., ab 21:45 Uhr am Stück.

Anlaufstelle in Krisensituationen: Festivalseelsorger in #Wacken

Teil des Seelsorgerteams mit Jarste Morgenthaler (2. v. r.). Copyright Harald Keller.

Teil des Seelsorgerteams mit Jarste Morgenthaler (2. v. r.). Copyright Harald Keller.

Am Donnerstagmittag geht es ausgesprochen entspannt zu im Ambulanzbereich des Festivals in Wacken. Das zentrale Publikumsgelände mit den beiden imposanten, weithin sichtbaren Hauptbühnen ist noch nicht eröffnet. Traditionsgemäß werden dort am frühen Nachmittag Skyline den Reigen der Headliner eröffnen. Jarste Morgenthaler hat Zeit für ein Gespräch. Wir sitzen im weißen Pagodenzelt unter dem schwarzen Banner „W:O:A Seelsorger – Spiritual Guidance“.

Jarste kennt das Festival gut. 2003 war sie zum ersten Mal dabei, damals noch privat. Später hörte sie von der Arbeit des Seelsorgeteams und „war sofort Feuer und Flamme“. Sie ist Psychologin und gehört seit 2011 selbst zu den Beratern, die den Festivalbesuchern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Es mag überraschen, aber Jarste selbst ist nicht konfessionell gebunden. Der Punkt ist ihr wichtig: „Bei uns wird nicht missioniert.“

Die Festivalseelsorge ist ein Angebot des Jugendpfarramtes der evangelischen Nordkirche, richtet sich aber keineswegs nur an Christen. „Wir reden mit Menschen aller Glaubensrichtungen, auch mit konfessionslosen“, sagt Jarste. „Unsere Haltung ist natürlich von christlich-ethischen Glaubensgrundsätzen bestimmt. Damit kann ich mich identifizieren. Das hat aber nichts damit zu tun, dass man an die Bibel glauben muss.“

Bisweilen kommen Festivalbesucher von sich aus mit religiösen Fragen oder wegen einer Glaubenskrise. Die Pastoren im Team stehen in solchen Fällen als Gesprächspartner bereit. Das Spektrum der Anliegen ist indes sehr viel breiter. Entsprechend setzt sich die Beratergruppe aus Sozialpädagogen, Psychologen, Erziehern, Psychotherapeuten zusammen. Allzu konkret möchte Jarste nicht werden. Alle Gespräche unterliegen strengster Diskretion; jeder Mitarbeiter hat eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Die Klienten bleiben anonym, Foto-, Film- und Tonaufnahmen sind im Beratungsbereich nicht erlaubt. Mit anderen Worten: Was in Wacken passiert, bleibt in Wacken.

Verallgemeinert lässt sich sagen, dass vielen Ratsuchenden, vor allem solchen, die erstmals ein derart großes Festival besuchen, die überwältigenden Sinneseindrücke zu schaffen machen. „Überforderungserleben“ nennen es die Experten. Probleme im Freundeskreis oder in der Beziehung bis hin zum altbekannten Liebeskummer, auch akutes Heimweh oder Sorge um andere sind Themen, die im geschützten Raum des Seelsorgezeltes zur Sprache kommen. Äußere Umstände können Krisen auslösen oder verstärken. Das Wetter ist ein solcher Faktor – ein abgesoffenes Zelt, im Matsch verlorene Papiere, überhaupt alles, was im ersten Moment ein Gefühl der Orientierungslosigkeit oder Verlorenheit hervorruft.

Da hilft es schon, wenn man jemandem von der Misere erzählen kann. „Manchmal“, so bestätigt Jarste, „lassen sich diese Sachen durch ein Gespräch oder einen guten Ratschlag schon lösen.“ Notfalls empfehlen die Berater weiterführende Hilfsangebote. Sie sind innerhalb des Festivals und darüber hinaus gut vernetzt und werden von der Veranstaltungsleitung unterstützt.

Wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Sanitätern, die Menschen in entsprechenden Problemlagen an das Seelsorgeteam weiterleiten. Die Berater in den blauen Westen sind auch selbst auf dem Gelände unterwegs, auf den Campingplätzen, in den Reihen des Publikums. Zwei Mitarbeiter halten sich in den Konzertphasen im Bühnenbereich auf. Die Lautstärke, das Gedränge – da kann es zu Panikattacken kommen. Bei Bedarf sind die Berater im Nu zur Stelle.

Neunzehn Mitarbeiter umfasst das Team insgesamt. Sie arbeiten in vierstündigen Schichten zwischen 13 Uhr und 5 Uhr. Außerhalb der Sprechzeiten sind sie im Notfall über die Einsatzkräfte telefonisch zu erreichen. Große Dramen sind zum Glück rar. Das Wacken Open Air sei „ein sehr friedliches und fröhliches Festival.“ Jarstes Einschätzung deckt sich mit der Wahrnehmung vieler Besucher. Das ist nicht selbstverständlich, wie erfahrene Festivalnomaden zu berichten wissen. Anderswo könne es schon mal ruppiger zugehen.

Einer der Gründe, weshalb die Metalfans vom Stamme der Wackinger ihrem Festival so treu sind. Das merkt auch Jarste, die selbst gern Melodic Metal hört, Bands wie In Flames, Children of Bodom, Blind Guardian, Iron Maiden. Manchmal melden sich Klienten bei ihr, die in einem der Vorjahre die Hilfe der Seelsorger gesucht hatten und auf ein zwangloses Hallo vorbeischauen.

Das ist schön für uns zu sehen“, sagt sie. „Ein schöner Lohn.“

Das Beratungsangebot in Wacken hat inzwischen eine Art Modellcharakter bekommen. In- und ausländische Festivals, unter anderem in der Schweiz, wollen das Konzept übernehmen.