Formatfernsehen und Fernsehen mit Format

19. Januar 2012

Alle Jahre wieder berichtet die Nachrichtenagentur dpa – selbstverständlich – über die Bekanntgabe der Nominierungen für den „Grimme Preis“ des Deutschen Volkshochschulverbandes. Und noch immer kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man bei dpa das spezielle Prozedere dieses Preises, das ihn von allen anderen Fernsehpreisen unterscheidet, nicht so recht nachvollziehen kann. Anlass für die Vermutung geben Formulierungen, die sich identisch in verschiedenen Zeitungen finden und demnach mutmaßlich auf die dpa zurückgehen.Ein Beispiel: „Im Rennen sind auch altbewährte Formate wie die ARD-Krimireihen ‘Tatort’ und ‘Polizeiruf 110′ sowie die Comedyserien ‘Stromberg’ (ProSieben) oder ‘Pastewka’ (Sat.1).“

Die Krimireihen „Tatort“ und „Polizeiruf 110″ sind eben gerade nicht als „Formate“ im Rennen, schon allein, weil man bei derart disparaten Reihen gar nicht von einem Format sprechen kann. Es sind vielmehr genau benannte Beiträge mit ebenfalls genau benannten besonderen Qualitäten nominiert worden. Man kann diese Unterschiede dem fachfremden Lesepublikum durchaus verdeutlichen, ohne gleich in sprachliches Wirrwarr zu verfallen. Siehe zum Beispiel hier oder auch hier.

Von erheblicher Unachtsamkeit zeugt auch die Formulierung, Stefan Raab, Anke Engelke und Judith Rakers seien für  „ihre Eröffnungsshow und die Gesamtpräsentation der Finalsendung des Song Contests (ARD/NDR) im Bereich Unterhaltung nominiert“. Eröffnungsshow? Wann war die denn? Nominiert wurde das Team der Sendung prononciert für den „Opening Act“. Wir Älteren kennen das als Ouvertüre. Als Vorspiel auf dem Theater. Fällt der Groschen?

Umso erstaunlicher, dass sich in derselben Kategorie auch die Adaption „Let’s Dance“ findet. Die Produktion einer solchen Show, bei der man vom Urheber eine Format-Bibel, mithin eine detaillierte Gebrauchsanleitung, erhält und obendrein von den bereits gemachten Erfahrungen bei den Ausstrahlungen in anderen Ländern profitieren kann, ist noch weniger kreativ als Malen nach Zahlen. Deshalb finden sich solche Produktionen ja auch in vielerlei Ausgestaltung bei RTL. Der Kölner Sender geht gern auf Nummer sicher. Wäre es nicht eines „Grimme-Preises“ würdiger gewesen, eine selbstentwickelte, ergo mehr Mut erfordernde Produktion, und wäre sie auch erfolglos geblieben, an die Vergabejury weiterzureichen?

Dasselbe gilt selbstredend auch für Serien. „Stromberg“? Aber nur, wenn auch der Erfinder und Hauptdarsteller der Vorlage, der großartige, wunderbare, göttliche Ricky Gervais, der gerade erst brillant, weil kompromisslos bissig die „Golden Globe Awards“ moderierte, zur Preisverleihung kommen darf. Für diese erneute Moderatorenwahl muss man der „Hollywood Foreign Press Association“ Respekt und Bewunderung zollen. Die trauen sich was. Wer wohl in diesem Jahr die „Grimme Preis“-Gala moderiert?


Hinreißend kratzbürstig

17. Januar 2012

Am 24. Januar bringt Sat.1 mit „Hannah Mangold & Lucy Palm“ den Pilotfilm zu einem weiteren Eigenformat an den Start. Vor allem wer etwas für kesse Frauen übrig hat, wie sie mit Conny Mey (Nina Kunzendorf) endlich ja auch im „Tatort“ angekommen sind, sollte hier einschalten – und hoffen, dass aus dem Versuchsballon die bereits in Vorbereitung befindliche Reihe wird. Es gibt da eine Fülle an Szenen, die schon jetzt die Vorfreude schüren. So wenn Lucy Palm (Britta Hammelstein) nach Dienstschluss heimkommt und am Fuß der Treppe einen Bundeswehrangehörigen antrifft, mit dem sie eine Nacht verbracht hat und der die Beziehung nun gern vertiefen möchte. Aber Palm ist nicht interessiert: „Pass auf, Gefreiter. Das war wirklich eine nette Nacht. Aber jetzt im Gleichschritt aus meiner Haustür, ja?!“

Klasse. Eine tolle Rolle für die versierte Theatermimin Britta Hammelstein, die sie exzellent, völlig frei von theatralischem Pathos, interpretiert. Palms selbstbewusste Patzigkeit und Sprödigkeit ist hinreißend und von eigener Attraktivität. Umso verwunderlicher, dass Hammelstein auf dem Umschlag der Sat.1-Pressemappe per Stylistin oder Computer oder sonstwie zurechtgemacht wurde, als müsse sie demnächst in Heidi Klums Modelcontest schaulaufen. Eigentlich ein Widerspruch …

Mehr zu diesem sehenswerten 90-Minüter, in dem Anja Kling die zweite Hauptrolle spielt und der ohne die gerade modischen Gemetzel á la Mankell auskommt und gerade deswegen große Spannung entwickelt, findet sich unter dem Titel „Die Irre und die Pussy“ im aktuellen „Focus“.


Von inneren und äußeren Gefängnissen – „The Prisoner“ 2011

9. Januar 2012

Für Menschen mit eingeschränkter Aufmerksamkeit und schnellem Finger am Abzug der Fernbedienung ist die Neuinterpretation des Serienklassikers „Nummer sechs“ leider nichts. Wir raten ab, wie es früher im „Katholischen Filmdienst“ immer hieß. Ein bisschen anmaßend, aber nur gut gemeint.

Wer sich aber in positivem Sinne vom Fernsehprogramm in Anspruch nehmen lassen möchte, sollte sich auf diese philosophisch-hintergründige Wanderung durch ein gegenwartsbezogenes Themenrepertoire einlassen. Der Sechsteiler „The Prisoner – Der Gefangene“ startet am Freitag, 13. Januar, um 23.20 Uhr bei ZDFneo. Vorbild ist ein großes Werk der Fernsehgeschichte, „The Prisoner“ (dt. Titel „Nummer sechs“), in wesentlichem Maße erdacht und inszeniert von Patrick McGoohan, der im Original auch die Titelrolle verkörperte. Mehr dazu findet sich in der heutigen Ausgabe des „Focus“, Seite 112. Und ganz ausführlich mit umfassendem Hintergrundwissen und analytischem Scharfsinn unter http://www.match-cut.de./ Hier nur ein paar Bonusfakten:

- Die Außenaufnahmen zur Originalserie wurden im walisischen Arkadien Portmeirion gedreht, die Neuauflage in Südafrika und in der namibischen Wüste nahe Swakopmund, wo auch Teile von Roland Emmerichs „10.000 B.C.“ entstanden.

- Hauptdarsteller der neuen Version ist Jim Caviezel, bekannt unter anderem aus Mel Gibsons Kasteiungsorgie „Die Passion Christi“. Caviezel und Patrick McGoohan, der immerhin als Darsteller des weltgewandten Geheimagenten John Drake in der TV-Serie „Danger Man“ bekannt wurde, haben eines gemeinsam: Wie McGoohan zu Lebzeiten, weigert sich auch der strenggläubige Caviezel, vor der Kamera intime Liebesszenen zu spielen.

- Zu Caviezels Partnerinnen in „The Prisoner“ gehört Hayley Atwell, in England ein Star, aktuell in Hollywood tätig und auch dem deutschen TV-Publikum nicht unbekannt: Als Aliena war sie in „Säulen der Erde“ zu sehen.

- Ebenfalls zum Ensemble zählt Ruth Wilson, die jüngst eine Glanzvorstellung in der ebenfalls bei ZDFneo ausgestrahlen Krimiserie „Luther“ ablieferte – als Elternmörderin, die dank ihrer hohen Intelligenz unbehelligt bleibt und stattdessen nach allerlei Wendungen zur Vertrauten des titelgebenden Ermittlers wird. Derart gewagte Konstellationen würde man gern auch mal in deutschen Krimis sehen. (Nachtrag am 13.1.: „Luther“-Hauptdarsteller Idris Elba wurde für seine darstellerische Leistung in dieser Rolle für einen „Golden Globe“ nominiert. Verdientermaßen. Nachtrag am 16.1.: Elba hat in der betreffenden Kategorie gewonnen. Bravo!)

- Ursprünglich sollte Patrick McGoohan selbst die Rolle jenes alten Mannes spielen, der in der Wüste zu Tode gehetzt wird. McGoohan soll dies abgelehnt haben; er starb noch während der komplizierten Vorbereitungen des Projekts. Dafür gibt es eine bemerkenswerte Reminiszenz: Die Wohnung des alten Mannes gleicht bis ins Detail – siehe die Lavalampe – derjenigen, die „Nummer sechs“ in der Originalserie bewohnte.

- Unbedarfte Zuschauer dürften sich über den mannshohen weißen Hüpfball wundern. Auch dabei handelt es sich um eine Reverenz: Im Original-“Village“ war der ferngesteuerte „Rover“ ein probates Mittel, um Fluchtversuche zu unterbinden – er konnte seine Opfer sowohl betäuben als auch töten. Ein unheimliches Gerät mit ikonischem Charakter, das vielen Zuschauern der ersten Ausstrahlung – dazu zählt auch der für den Ankauf der Neuauflage zuständige ZDF-Redakteur Klaus Bassiner – in Erinnerung geblieben ist.


Gewollt, aber nicht gekonnt

30. Dezember 2011

Drei Vorabbesprechungen zum RTL-Piloten „Die Trixxer“ gelesen, und nicht einmal fiel der Name des erkennbar durchscheinenden, seit 2004 ausgestrahlten britischen Originals „Hustle“ und des US-Pendants „Leverage“. Da beide Serien auch in deutschen Programmen zu sehen waren, bewahrheitet sich einmal mehr der im Freundeskreis kursierende Spruch: Fernsehkritiker sind Menschen, die nur selten fernsehen.
Nur fürs Protokoll: Natürlich war die RTL-Variante von „Hustle“ gröber, platter, pastoser, weniger elegant und minder charmant als das Original, wo gekonnt mit Andeutungen, Auslassungen, Ellipsen gearbeitet wird, vom brillanten visuellen Stil, ein wahrer Seh-Genuss, mal ganz zu schweigen. Man ahnte es schon, als Gregor Törzs die Kollegin Sophia Thomalla drehbuchgemäß mit „Schwesterherz“ anredete – eine denkbar ungeschlachte Methode, dem Zuschauer verwandtschaftliche Verhältnisse nahezubringen. Genauso verschwätzt und redundant, zudem grässlich karikaturesk in der Figurenzeichnung, ging es denn auch weiter. Reiner Schöne hat seine Meriten, aber er ist kein Robert Vaughn, der in „Hustle“ – natürlich hinreißend – nun schon im siebten Jahr den Grandseigneur verkörpert. In jüngeren Jahren war Vaughn als eine der beiden Hauptfiguren der Kultserie „Solo für O.N.C.E.L.“ neben dem Kollegen David McCallum, heute bei „NCIS, ein regelrechtes Teenageridol.
RTL sollte sich, wie alle deutschen Produzenten, besser auf eigene Ideen besinnen, statt frech zu mopsen. Der Vergleich mit den Originalen gerät beinahe immer zum Nachteil.

 

Copyright: BBC

Copyright: BBC


Aufforderung zum Tanz

20. Dezember 2011

Herausgeber, Autoren und DJs sind weiterhin auf Tour, zeigen Filme und Fotos, lesen Texte, laden anschließend zur Party mit Musik aus den Rock-Clubs der 60er, 70er und frühen 80er. Die kommenden Termine:

„HYDE PARK“-Memories Multimedia-Revue
Freitag, 20.01.2012
Einlass: 20.00 Uhr
Beginn: 21.00 Uhr
Ort: Sputnikhalle
Am Hawerkamp 31
48155 Münster
Eintritt: 8,-/6,-

„HYDE PARK“-Memories Multimedia-Revue
27.01.2012
Einlass: 20.00 Uhr
Beginn: 21.00 Uhr
Ort: Gempthalle/Bistro
Gemptplatz 1
49525 Lengerich
Eintritt: 8,- / 6,-
Vorverkauf: Gempthalle; Touristik-Information Lengerich

In Planung:
4.2. Bramsche, Alte Webschule
10.2. Rheine, Tholi
N.N. Lingen


Osnabrücker Panoramen

20. Dezember 2011

„Es muss eine Szene wie aus einem Western gewesen sein, wenn ausgedörrte, staubverklebte Gestalten unter der brennenden Sonne in eine ausgestorbene Stadt einreiten. Nur im Saloon klimpert leise ein verstimmtes Piano …
Der Handelsposten lag weit im Westen, am Rande der emsländischen Savannen. Die Fremden waren nach Osnabrück gekommen, um vor der nach Zerstreuung lechzenden Bevölkerung ein Vaudeville-Programm auf­zuführen. Vor allem die Jüngeren unter den Ein­heimischen schätzten die verwegen auftretenden Burschen der vierköpfigen Gang wegen ihrer frechen Couplets und übermütigen Drolerien. (…)“

Fortsetzung in Harald Keller: Osnabrücker Panoramen. In: Heiko Schulze und Kalla Wefel (Hg.): Osnabrück – Heimatstadt zwischen Alma Ata und Rio. Geest Verlag, Vechta 2011


Gottschalks stiller Abgang

19. Dezember 2011

„Man stelle sich vor, Thomas Gottschalk hört auf und keinen schert’s. Genau so ist es gerade passiert.“
Der Fortgang der Geschichte findet sich unter http://funkkorrespondenz.kim-info.de/kritik.php?pos=Fernsehen&sub=1&nr=3145.


24. Oktober 2011

Die nächsten Gastspiele der „HYDE PARK-Memories Multimedia-Revue“:

 

Rosenhof/Osnabrück

Termin: Samstag, 5. November 2011

Einlass: 20.00 Uhr, Beginn 21.00 Uhr

Ort: Rosenhof, Am Rosenplatz, Osnabrück

Info: www.rosenhof-os.de

Eintritt: VVK 6,- (zzgl. Gebühr)/Abendkasse 8,-

 

Casablanca/Bad Iburg

Termin: Samstag, 3. Dezember 2011

Beginn: 20.00 Uhr

Veranstalter: Casablanca

Eintritt: VVK 6,-/Abendkasse 8,-

Vorverkauf: im Casablanca

 

Schafstall/Bad Essen

Termin: Samstag, 10. Dezember 2011

Beginn: 20.00 Uhr

Veranstalter: Tourist Info Bad Essen, Kunst- und Museumskreis Bad Essen e.V. und Wiehen Buchhandlung

Eintritt: VVK 6,-/Abendkasse 8,-

Vorverkauf: Tourist Info Bad Essen und Wiehen Buchhandlung

Mit Überraschungsgast!

 

 



Buch und Bühne

2. Oktober 2011

Die nächste Aufführung der „HYDE PARK-Memories Multimedia-Revue“ findet statt am 14. Oktober um 20.30 Uhr in der Kulturwerkstatt Melle-Buer. Herausgeber und Autoren des Buches „HYDE PARK-Memories – Ein Osnabrücker Musikclub und seine Geschichte(n)“ (Oktober Verlag) präsentieren rare Filmdokumente, Fotos und Anekdoten aus der 35-jährigen Geschichte des Osnabrücker Jugendtreffpunkts, wo Bands wie die Scorpions, BAP und Unheilig in den ersten Jahren ihrer Karrieren gastierten und auch der heutige Bundespräsident Christian Wulff gelegentlich einkehrte. Am Beispiel des „Hyde Parks“, für dessen Fortbestand die Osnabrücker Jugend 1983 tagelang demonstrierte, zeigt sich nebenbei der Wandel des Konzertbetriebs und wie sich die Arbeit und die Ansprüche der DJs verändert haben. Auch dies wird im Buch, zu dem unter anderem Campino, Eric Fish, Henry Rollins, Martin Sonneborn, Dietmar Wischmeyer und Jenni Zylka Beiträge geliefert haben, thematisiert. Im Anschluss an die Multimedia-Revue bitten in Melle die „Electric Musicland„-DJs Gisbert Wegener und Harald Keller zur Party mit tanzbarer Musik aus den alternativen Clubs der 60er, 70er und frühen 80er. Weitere Veranstaltungen sind in der Planung.


Und führe uns nicht in Verwirrung …

2. Oktober 2011

Bei uns im Niedriglohnsektor reicht die Zeit ja nur noch für stichprobenartige Lektüre. Umso mehr fällt auf, dass große Verwirrung zu herrschen scheint in Deutschlands Redaktionsstuben. Staunen macht zum Beispiel „SpiegelOnline“, wenn dort Jan Feddersen in der ihn kennzeichnenden, gewohnt eigenwilligen Art ausführt:

„… geschlechterdemokratische Fragen werden inzwischen bis in die Niederungen der Big-Brother-Container offen und beherzt verhandelt. Sie werden nicht mehr diffamiert als schlechter Herrenwitz wie in den Siebzigern, als die Journalistin Alice Schwarzer Aversionen von Männern (und Frauen) ausgesetzt war.“

Geschlechterdemokratische Fragen wurden in den Siebzigern als schlechte(r) Herrenwitz(e) diffamiert? Von wem, um Himmels willen? Das wäre ja ein hinreißend satirischer Ansatz gewesen. Es war so ein verdammt wildes Jahrzehnt – auch das ist unsereinem völlig entfallen. Nicht hingegen, dass das Geschlechterthema schon in der ersten niederländischen ebenso wie in der ersten deutschen „Big Brother“-Staffel in vielerlei Varianten angesprochen wurde. Container indes gibt es in der Serie schon lange nicht mehr.

Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ richtet derweil über den ProSieben-Film „Treasure Guards – Das Vermächtnis des Salomo“ und prangert an, dass die Hauptfigur Victoria (Anna Friel, wir Gesamtfernseher kennen sie aus der bezaubernden Serie „Pushing Daisies) „auch bei sengender Hitze knappste Hotpants anhat – und das in arabischen Ländern! Ihr zur Seite gesellt sich der höchst attraktive Angelo (Raoul Bova), der eigentlich Priester im Vatikan ist (…)“ Skandal! Selbst bei sengender Hitze trägt diese Frau Hot Pants. Wobei es sich, natürlich hat der Chronist den Film gesehen, in Wahrheit um tropengerechte Khakishorts handelte. Und Freund Angelo war auch kein Priester; er hatte dieser Karriere vielmehr, was lang und breit thematisiert wurde, auf Anraten seines geistlichen Beraters entsagt. – Aber bitte – wie kleinkariert und philiströs verhält sich doch jener Leser, der von seiner Zeitung in solchen Dingen Faktentreue erwartet.

Die „Frankfurter Rundschau“, deren Web-Seite momentan wie so häufig nicht aufgerufen und somit nicht verlinkt werden kann, hat im deutschen Osten seltsame Beobachtungen gemacht: „Der Weg nach Breitenstein. Kopfsteinpflaster, die schweren Trecker. Frau Grygula wollte sie verbreitern lassen. Auch damit Radfahrer sie nutzen können. Oder ihre 88-jährige Mutter, die manchmal Enkelkind Nummer acht im Kinderwagen durchs Dorf schiebt.“ (Printausgabe vom 30.9.2011, S. 6)  Trecker verbreitern, damit Radfahrer und Großmütter sie nutzen können – formvollendeter Surrealismus oder drogeninduzierte Halluzination?

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, es hapere allenthalben beim Geradeausdenken. In derselben Ausgabe der „Frankfurter Rundschau“ nämlich liest man auf Seite 16: „Wirklich wahr waren diese Werbeversprechen nicht.“ Schöne Alliteration, aber warum diese (leider häufig gewordene) gewundene Unverbindlichkeit? Gibt es denn wirklich und unwirklich wahre Werbeversprechen? Ja, gut, darüber kann man philosophieren. Nicht aber in einer Zeitung, die kaum noch Raum lässt für hintergründige Betrachtungen und sprachliche Finessen. Vielmehr geböte der Dienst am Leser eine klare Mitteilung: Die Werbeaussage war falsch. Punktum.


Follow

Get every new post delivered to your Inbox.