Für Bildschirmleser

16. Februar 2014

In eigener Sache: Der Kriminalroman “Ein schöner Tag für den Tod” liegt nunmehr auch als E-Book vor. Demnächst bei allen Anbietern. Leseprobe und Kritiken bereits unter http://www.neobooks.com/werk/30476-ein-schoener-tag-fuer-den-tod.html.


Rezensionen. Revolutionen. Revisionen.

24. Oktober 2014

Einst Verfemtes wird nobilitiert: Neuere US-Serien in der deutschen Kulturkritik

Der Kanon ist bekannt. Wer in diesen Tagen im kulturjournalistischen Bereich tätig werden möchte, sollte sie kennen: „Die Sopranos“, „The Wire“, „Breaking Bad“, „House of Cards“. Keine dickleibigen Romane, sondern Fernsehserien. Noch dazu solche aus US-amerikanischer Produktion, Erzeugnisse also einer kapitalistischen Kulturindustrie. Diese und einige andere Titel sind als Kulturgut anerkannt, sie liefern Referenzsysteme und sind zitabel. Man darf als Rezensent mittlerweile sogar zeitgenössische Romane daran messen, ob sie in Sachen erzählerischer Finesse, epischer Breite und vor allem Gegenwartsbezug mit den genannten Serien, zu denen sich noch skandinavische Titel wie die Politserie „Borgen“ gesellen, mithalten können.

Als mit der Moderne noch gehadert wurde

Einzeltitel wie die Serien „Roots“ (1977) und insbesondere „Holocaust“ (1978) wurden seinerzeit ausnahmsweise auf den Kulturseiten der Intelligenzblätter diskutiert. So intensiv aber und umfänglich wie derzeit haben sich Kulturjournalisten in Deutschland noch nie mit den Fortsetzungsgeschichten des Fernsehens befasst.
Etwas anders verhielt es sich mit den Medien- beziehungsweise Fernsehseiten der Tageszeitungen, aber auch bei den dort verantwortlichen Redakteuren herrschten Vorbehalte – entsprechende Themenvorschläge stießen häufig auf herablassende, oft genug belustigte Ablehnung.
Im Rahmen der institutionalisierten Kritik war diese Abneigung besonders spürbar. 1995 bewegte sich die ARD mit ihrer Vorabendserie „Die Partner“ mal ganz auf der Höhe der Zeit: gestische, reportageartige Kamera wie bei „N.Y.P.D. Blue“, tolle Filmmusik von Barbara Dennerlein, Ironie, ambivalente Figuren und offene Erzählverläufe, passgenau besetzt mit Ann-Kathrin Kramer, Jan Josef Liefers, Ulrich Noethen und Heinrich Gieskes sowie sorgfältig ausgewählten Gaststars. Gründe genug, die Produktion für einen Grimme-Preis zumindest in Betracht zu ziehen. Doch in der zuständigen Sichtungskommission klappten beim Bandstart augenblicklich alle Visiere nach unten. Was heute als Tugend gilt, wurde damals naserümpfend als wirr und unverständlich abgelehnt.

Vorher „nur“ Fernsehen

Umso bemerkenswerter der Umschwung, der vor etwa vier Jahren einsetzte. Mancher Versuch, die vordem verfemte Form zu nobilitieren, wirkte geradezu rührend: „‚The Wire‘ ist eben nichts völlig anderes als die Romane und Erzählungen, mit denen ich sonst meine Tage und Nächte verbringe“, verteidigte sich Richard Kämmerlings 2010 in der „F.A.Z.“ gegen potenzielle Vorbehalte. (…)

Weiter geht es in der aktuellen Ausgabe der “Funkkorrespondenz”, Heft 43-44, 24. Oktober 2014, S. 9-16.


Übereinstimmend besprochen

19. Juli 2014

Die ARD vermeldete in der vergangenen Woche, dass die werktags im Vorabend- bzw. Werberahmenprogramm ausgestrahlte Seifenoper “Verbotene Liebe” nicht fortgeführt werde. Der Schritt war absehbar, erste Abgesänge wurden bereits publiziert. Medienjournalismus funktioniert halt in gewissem Sinne antizyklisch. Beispiel: Erst fordert man die Verjüngung des ZDF-Programms; kommt der Sender dem wenn auch in kleinen Schritten nach, wird prompt die angebliche Diskriminierung der älteren Zuschauer zum Thema gemacht.

Ähnlich bei den Soaps: Bislang war es nahezu Konsens, diese Sendeform pauschal als wertlos hinzustellen, eine Argumentationslinie, die sich am besten ohne genauere Kenntnis des Gegenstandes verfolgen lässt. Der Berliner “Tagesspiegel” immerhin hat mal bei Wikipedia nachgeschaut. Oder umgekehrt? Der entsprechende Beitrag ist auf der Web-Seite des “Tagesspiegels” auf den 18.7.2014 datiert. Die zitierte Passage war bei Wikipedia schon vor diesem Datum zu lesen. Wie auch immer: Der Grad der Übereinstimmung erreicht einen Zufallswert, der locker für einen höheren Lottogewinn ausreichen würde. Ein Schelm, wer dabei an das Leistungsschutzrecht (“Snippets”!) denken muss.

“Tagesspiegel”, 18.7.2014, 10:58 Uhr:

“Im Gegensatz zu Soaps wie „Lindenstraße“, „Marienhof“ (der vor drei Jahren eingestellt wurde) oder „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ ist der maßgebliche Teil der Handlung von „Verbotene Liebe“ in der Oberschicht angesiedelt, nur marginal werden Probleme des sogenannten Durchschnittsbürgers behandelt. Der Dauerplot: Intrigen in Adelsfamilien. Die Leute heißen von Anstetten, von Beyenbach oder von Lahnstein, wie das Serienbiest Tanja von Lahnstein. Das Ganze hatte mehr mit „Dallas“ oder „Denver-Clan“ zu tun und setzen sich damit von deutschen Soaps ab, die mehr Identifikationspotenzial für den Zuschauer bieten. „Verbotene Liebe“ spielt zudem bewusst auch mit den sozialen Unterschieden zwischen der gehobenen Gesellschaft Düsseldorfs und der Mittelschicht, wie sie von der Familie Brandner verkörpert wird.”

Wikipedia:

“Im Gegensatz zu Soaps wie Lindenstraße, Marienhof, Unter uns oder Gute Zeiten, schlechte Zeiten ist der maßgebliche Teil der Handlung von Verbotene Liebe in der High Society angesiedelt, eher marginal werden Probleme des sogenannten Durchschnittsbürgers behandelt. Die Intrigen in den Adelsfamilien, wie sie anhand derer von Anstetten, von Beyenbach oder von Lahnstein geschildert werden, erinnern eher an US-amerikanische Soaps wie Dallas oder Der Denver-Clan und setzen sich damit von besagten anderen deutschen Soaps ab, die weitaus mehr Identifikationspotenzial für den Zuschauer bieten. Verbotene Liebe spielt zudem bewusst auch mit den sozialen Unterschieden zwischen der gehobenen Gesellschaft Düsseldorfs und der Mittelschicht, wie sie beispielsweise von der Familie Brandner verkörpert wird.”

Müssten in solchen Fällen nicht eigentlich: der verantwortliche Redakteur abgemahnt werden, der Ressortleiter zurücktreten und die Herausgeber sich bei der Leserschaft entschuldigen?

 


Werber-Fernsehen

22. Mai 2014

Spritzige Dialoge, skurrile Typen – „The Crazy Ones” zeigt den US-Serienautor David E. Kelley in Bestform. Und doch anders …

Am 3. März 1991 wurde der Afroamerikaner Rodney King nach einer Geschwindigkeitsübertretung von mehreren Polizisten brutal geschlagen. Ein Zeuge filmte den Vorfall. Bereits zwei Monate später war der Skandal Thema in der TV-Serie „L.A. Law”. Nicht untypisch für die Autoren dieser Anwaltsgeschichten, die neben allerlei Skurrilitäten immer wieder auch aktuelle gesellschaftspolitische Diskurse und Ereignisse in die Handlung woben.
„L.A. Law” stammte von der ehemaligen Staatsanwältin Terry Louise Fisher und dem Autor und Produzenten Steven Bochco. Bochco hatte gemeinsam mit Michael Kozoll TV-Geschichte geschrieben, als er 1981 die Polizeiserie „Hill Street Blues” auf den Bildschirm brachte und damit die Gattung auf ein bis dahin kaum gekanntes Niveau hob. Mit „Hill Street Blues” begann, was der Medienwissenschaftler Robert J. Thompson 1996 die „zweite goldene Ära des Fernsehens” nennen sollte: eine Evolution des seriellen Erzählens, ohne die die so übertrieben gefeierte „dritte goldene Ära” nicht möglich gewesen wäre.
Auch „L.A. Law”, seit 1986 in Produktion, zählt zu dieser Generation von Qualitätsserien. Dafür war nicht zuletzt David E. Kelley verantwortlich, ursprünglich Rechtsanwalt, als Autor ein Seiteneinsteiger, ab der vierten Staffel verantwortlicher Produzent von „L.A. Law”. Damals entwickelte Kelley seine besondere Handschrift: exzentrische Charaktere, absonderliche Stories, schnelle und gewitzte Dialoge, dabei immer wieder bewusst zeitkritisch. Über die Jahre und insbesondere zu Zeiten George W. Bushs ging Kelley über die begleitende Reflektion noch hinaus; Kelleys Serie „Boston Legal” wurde so zeitweise zur Gegenstimme jener populistischen Radau-Shows, die wie Informationssendungen präsentiert wurden, aber weit entfernt waren von jeder journalistischen Ethik.
„L.A. Law” und namentlich David E. Kelley übten erheblichen Einfluss aus. Serien wie „Judging Amy”, „Family Law”, „Eli Stone” zeugen davon. Inzwischen aber ist die unmittelbare Darstellung konkreter gesellschaftlicher Realitäten rar geworden. Auch in Kelleys Büchern. „Harry’s Law” (2011-2012) mit Kathy Bates lebte von zwischenmenschlichen Konflikten und dem besonderen Milieu, einem Armenviertel. In seiner letztjährigen Serie „Monday Mornings”, geschrieben und produziert mit dem Star-Neurochirurgen Sanjay Gupta, widmete er sich bar jeder Romantisierung dem Klinikalltag. Auch ein Kommentar zur Zeit, aber losgelöst von konkreten Ereignissen. Dennoch ein Misserfolg.
Bei ProSieben startet in dieser Woche Kelleys jüngste Produktion, die nach 22 Episoden eingestellte Sitcom „The Crazy Ones”. Wer bei dem Titel eine Anspielung auf „Mad Men” wittert, liegt nicht falsch. „The Crazy Ones” spielt ebenfalls in der Werbebranche, jedoch in der Gegenwart, inspiriert von den Erlebnissen des Chicagoer Werbeschaffenden John R. Montgomery, der als Koproduzent fungierte.
Kelleys Stärke, die anspielungsreichen pointierten Dialoge, kommt hier vollends zur Geltung. In Hauptdarsteller Robin Williams und dem jüngeren James Wolk sowie Ex-„Buffy“-Darstellerin Sarah Michelle Gellar hat Kelley zwei ideale Interpreten gefunden. Wobei Williams seit seinem Durchbruch mit der Sitcom „Mork vom Ork” bekannt und berüchtigt ist dafür, dass er vom Skript abweicht und zügellos improvisiert, parodiert, imitiert. Schon damals ließen die Produzenten ihn gewähren – die Drehbücher enthielten an passenden Stellen die knappe Regieanweisung: „Hier kann Mork loslegen.“ Auch nach allerlei persönlichen Krisen hat Williams seine Spontaneität und Geistesgegenwart nicht verloren. „Crazy One“ – das passt auf den Schauspieler. Die Regisseure machen das beste draus und zeigen in Outtakes, wie Williams’ Kollegen vor Lachen aus der Rolle fallen. Robin Williams hat zwar seit „Mork vom Ork“ keine langfristige Serienhauptrolle mehr übernommen, ist aber dem Fernsehen treu geblieben. Er spielte in Mehrteilern und Gastrollen, darunter auch ernste Parts, unter anderem in einer höchst beeindruckenden Episode der innovativen Polizeiserie „Homicide – Life on the Street“, in der er hilflos, die Kinder im Schlepptau, von einem Ansprechpartner zum nächsten irrt, nachdem seine Frau durch einen tragischen Zufall Opfer eines Feuergefechts wurde.
„The Crazy Ones“ markiert Williams‘ Rückkehr zur TV-Sitcom. Diese ist ausnehmend frech und witzig. Aber bestenfalls latent politisch. Ein Zeichen der Zeit: TV-Serien gehobener Qualität finden derzeit viel Aufmerksamkeit; neue technische Möglichkeiten, die Vermehrung der Anbieter und eine bessere finanzielle Ausstattung haben die Herstellung verändert; neue Vermarktungswege wurden eröffnet. Die Kundschaft ist heute international, Feinheiten US-amerikanischer Innenpolitik stören da nur. Bevorzugt wird deshalb das große Drama, der späteren lukrativen Wiederholungen wegen möglichst ohne direkte aktuelle Bezüge.
Selbst eine im politischen Milieu Washingtons angesiedelte Serie wie „House of Cards” ist als allgemeine Parabel angelegt. Die einschlägigen politischen Vorhaben, die Francis Underwood (Kevin Spacey) vorantreibt oder sabotiert, sind austauschbare dramaturgische Mittel.
In „House of Cards” erscheint der gesamte Politbetrieb vollends korrupt, als vom gemeinen Volk weit entfernter, nicht mehr zu beeinflussender Kosmos mit eigenen Regeln. Demgegenüber sprach aus den Serien nach Art David E. Kelleys ein optimistisches Grundvertrauen auf die menschliche Vernunft und, trotz häufiger Kritik, auch auf das US-amerikanische Rechtssystem. Die Juristen aus „Picket Fences”, „Ally McBeal”, „Boston Legal”, „The Practice” waren schrullige Sonderlinge oder windige Winkeladvokaten. Und doch zeigten sie Möglichkeiten auf. Minderprivilegierte und Diskriminierte wurden ermutigt, Unrecht nicht passiv hinzunehmen, sondern die gegebenen rechtlichen Chancen auszuschöpfen.
Francis Underwood würde über solche Ideale nur hämisch lachen.

„The Crazy Ones”, mittwochs, 21.15 Uhr, ProSieben


Einmal gelassen durch Dortmund streifen

22. Mai 2014

Auf der Suche nach der europäischen Stadt der Zukunft gelangt Arte unter anderem nach Dortmund. Der BVB, Regisseur Adolf Winkelmann, Medienkunst – zukunftsweisend?

Krakau und Toulouse standen schon auf dem Programm, Maastricht und Tallinn werden noch folgen. In einer fünfteiligen Reihe, die in Zusammenhang zu sehen ist mit einem programmlichen Schwerpunkt zur anstehenden Europawahl, fahndet der Dokumentarfilmer Bernhard Pfletschinger für Arte nach Europas Stadt der Zukunft. Einige der Kriterien: „weltoffen, naturverbunden und innovativ“ soll sie sein.
Arte zeigt die Reihe werktags im Nachmittagsprogramm um 15.50 Uhr. Zwangsläufig sind um diese Zeit andere Gestaltungsmittel nötig als bei einer tiefgründigen Hintergrunddokumentation aus dem Abendprogramm. Dennoch kommt das Team zu recht aufschlussreichen Ergebnissen.

Erkundungen auf unbekanntem Terrain

Mit der Journalistin und Autorin Sarah Schill hat jede Folge eine Protagonistin, die sich auf das Abenteuer einlässt, eine ihr unbekannte Stadt zu erkunden. Dabei stehen ihr einheimische Lotsen zur Seite. Über das Internet haben sie sich für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt. Gastgeberin in Dortmund ist Jasmin Vogel, aber man bleibt in der Regel beim Vornamen. Treffpunkt ist das Dortmunder U, einst hochmoderne Brauerei, heute das Zentrum für Kunst und Kreativität, weiterhin Wahrzeichen der Stadt und zugleich Symbol für den strukturellen Wandel, denn wo früher Hefe und Malz verarbeitet wurden, entsteht heute unter anderem Videokunst. Hoch über der Stadt werden täglich wechselnde Videoprogramme gezeigt – für die Dortmunder der Bedeutung nach ihr ureigenes Äquivalent zum Eiffelturm. Kurator der Medienkunst im Dortmunder U ist der Regisseur Adolf Winkelmann, ebenfalls ein kundiger, aber auch kritischer Gesprächspartner.
Die Vergangenheit der Stadt ist Thema, der Strukturwandel – alte Industrieanlagen rosten vor sich hin oder wurden gesprengt, einige wenige für eine neue Nutzung umgebaut. Die Arbeitsplätze der Schwerindustrie sind dauerhaft verloren; das führt zu sozialen Konflikten – Nährboden für Radikale von rechts, die mit ausländerfeindlichen Parolen auf Menschenfang gehen. Die Stadt hält dagegen. Ein Mahnmal erinnert an die Opfer der Terrororganisation NSU, vor allem aber wird aktiv Jugendarbeit betrieben. An der Universität unterstützen Studierende – das allerdings ist kein Dortmunder Alleinstellungsmerkmal – Kommilitonen mit Migrationshintergrund bei der Eingliederung ins Studienleben. Ein Hoffnungsschimmer im wirtschaftlichen Bereich: Inzwischen gibt es eine Brauerei-Neugründung, nachdem über die Jahre viele tradierte Marken verschwunden sind.

Seltsame Zufälle

Mit Sarah Schill gleitet der Zuschauer geschmeidig und gelassen durch diese Stadt, die, da im Krieg schwer zerstört, voller architektonischer Widersprüche ist, aber daraus auch einen gewissen Reiz bezieht. Die Besucherin trifft diverse Gesprächspartner, wobei manche Begegnung, zum Beispiel mit dem Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau, als zufälliges Zusammentreffen inszeniert wird. Das ist so wenig glaubwürdig wie das angeblich spontane Gespräch mit einer Historikerin des Stadtarchivs. Auch ein Architekt kommt zu Wort, rar sind leider Auskünfte von Alteingesessenen und Zugezogenen, die nicht zur Kultur- und Politikelite zählen.
Ein anderes Manko: Sarah Schill stochert häufig auf ihrem Smartphone oder dem Tablet herum, angeblich auf der Suche nach Informationen. Der Filmautor verweist also auf ein anderes Medium als Quelle, statt die eigenen Recherche- und Präsentationsstärken hervorzukehren. Kein sehr kluger Zug, denn die von mehreren ARD-Anstalten gemeinsam mit Arte produzierte Reihe hat diesbezüglich einiges zu bieten. Und empfiehlt sich somit trotz der genannten Einwände als unterhaltsame wie informative Alternative zu weniger anspruchsvollen Konkurrenzangeboten des Nachmittagsprogramms.

Die Folgen der Reihe sind in der Arte-Mediothek unter videos.arte.tv verfügbar.


Rockklassiker und Schätze aus den Vinylarchiven

5. Mai 2014

My Generation. Copyright: Harald Keller

Tanzen im Zeitreisemodus: Die Partyreihe „My Generation“ der Osnabrücker Lagerhalle weckt Erinnerungen an eine Ära der musikalischen und künstlerischen Vielfalt. Begleitet von manuell gesteuerten Projektionen und Lichteffekten, erklingen die Klassiker aus den Rock- und Underground-Diskotheken der 60er, 70er und frühen 80er. Manches davon schaffte es sogar in die Hitparaden: Santana, The Doors, Rolling Stones, Golden Earring, Ike & Tina Turner. Anderes lief nur in den Clubs; jeder Rock-DJ hatte seine eigenen Entdeckungen zu bieten, und ein aufgeschlossenes Publikum nahm Neuheiten gerne an. Diesem Geist folgen auch die „My Generation“-Partys mit den DJs Gisbert Wegener und Harald Keller und dem Filmemacher und Lichtkünstler Reinhard Westendorf. Das Konzept kommt an; oft gibt es zwischendurch sogar ‚Szenenbeifall‘ von der Tanzfläche. Auch von jungem Publikum, denn viele der ausgewählten Titel aus den Bereichen Rock, Funk und Soul klingen immer noch erstaunlich frisch. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ schrieb anlässlich der jüngsten Veranstaltung: „Lavalampen und eine große Videoleinwand mit psychedelischen Animationen sorgten für 60er-Jahre-Feeling in der rappelvollen Lagerhalle.“ Vorwiegend werden Vinyl-LPs gespielt, vereinzelt auch CDs; Computer kommen nicht zum Einsatz.
Der nächste Termin: Samstag, 7. Juni, 21.00 Uhr. Frühzeitiges Kommen lohnt sich – die DJs beginnen den Abend meist mit besonderen Schätzen aus ihren Vinylarchiven. Besonders willkommen sind auch die Besucher des in diesem Zeitraum stattfindenden 9. Afrika Festivals – Musik von Osibisa, Pili Pili (mit Angelique Kidjo), Manu Dibango und anderen Musikern mit afrikanischen Wurzeln gehört ebenfalls zum Repertoire.

„My Generation“
Tanzparty mit Musik aus den Rockclubs der 60er, 70er und frühen 80er
Termin: 7.6.2014, ab 21.00 Uhr
Ort: Lagerhalle, Osnabrück, Rolandsmauer

My Generation


Party mit Rock-Appeal

22. April 2014

Copyright: Harald Keller

Im Januar dieses Jahres feierte der berühmte Rockclub „Whisky A Go Go“ in Los Angeles sein 50. Bestehen. Aus diesem Anlass erinnern die DJs der “My Generation”-Party in der Osnabrücker Lagerhalle am 30.4. mit einigen Titeln an die vielen Musiker und Bands, die diesen Club als Sprungbrett für ihre Karriere nutzten: Black Sabbath, The Doors, The Stooges, Led Zeppelin, Jimi Hendrix, Johnny Rivers, Janis Joplin, Frank Zappa, Van Halen und viele andere mehr. Im Foyer werden einige künstlerisch gestaltete Plakate aus der frühen Ära des „Whisky A Go Go“ und der regen kalifornischen Westcoast-Szene gezeigt.
Darüber hinaus sind musikalische Klassiker im Programm: Rolling Stones, Beatles, David Bowie, Creedence Clearwater Revival, Uriah Heep, Stevie Wonder, Earth Wind and Fire und Temptations, ferner selten aufgelegte Songs von deutschen Krautrockern – auch Bands wie beispielsweise Birth Control, Kraan, Karthago und Randy Pie hatten Groove. Eines haben alle Songs gemeinsam: Sie überzeugen durch ihre hohe musikalische Ausdruckskraft und sorgen auch heute noch für Stimmung auf der Tanzfläche. Als Gäste erwartet werden wieder Musikfans aus Osnabrück und dem gesamten Nordwesten Niedersachsens sowie aus dem angrenzenden Nordrhein-Westfalen.
Die „My Generation“-Partys kennen keine Altersbeschränkungen. Auch junge Leute zählen zum Publikum, die die bahnbrechende Musik einer aufregenden Ära zu schätzen wissen, mit der die Grundlagen für heutige Stilarten der Pop- und Rockmusik gelegt wurden. Dies zeigt sich immer wieder in der Zusammenarbeit älterer mit jungen Musikern. Die Black Crowes musizieren mit Jimmy Page, der legendäre Funk-Gitarrist und Musikproduzent Nile Rodgers war prägend bei Aufnahmen von Daft Punk. Nur zwei Beispiele von vielen …
Stilecht präsentieren die Osnabrücker DJs die Hits aus den Rockclubs und Szeneläden von damals vorwiegend vom Plattenteller, begleitet von den live und mit analogem Equipment gemixten Lightshows von Reinhard Westendorf.

30. April 2014, 21.00 Uhr
Lagerhalle Osnabrück e. V.
Kultur und Kommunikation
Rolandsmauer 26
49074 Osnabrück

Abendkasse: 5,- € (inklusive Kultur-Euro)


Klimmzug zum Weltniveau

12. April 2014

(Anmerkung: Dieser Text wurde ursprünglich für die Reihe “Wochenendkrimi” der taz geschrieben, dort aber entstellt publiziert. Hier das Original:)

Da in letzter Zeit die Zahl der Experten für serielles Erzählen sprunghaft angestiegen ist, welche deutschen Fernsehschaffenden erklären, warum deren Serien nichts taugen, ist es schon allein aus marktstrategischen Gründen an der Zeit, antizyklisch zu argumentieren. Glücklicherweise wird das Vorhaben empirisch bestärkt: Die ZDF-Serie „Der Kriminalist“ erreicht zuweilen das Niveau britischer Spitzenproduktionen. Die Samstagsreihe „Kommissarin Lucas“ war immer schon gut, müsste allerdings häufiger ausgestrahlt werden, um als Fortsetzungsgeschichte zu funktionieren.
Das gilt auch für den Neuzugang „Kommissarin Heller“. 2014 werden nur zwei Filme mit Kommissarin Winnie Heller (Lisa Wagner) und ihrem Kollegen Hendrik Verhoeven (Hans-Jochen Wagner), die Romanen von Silvia Roth entstammen, gezeigt. Schade, weil man den Figuren gern auf den Fersen bleiben würde. Der erste Film führt sie zusammen. Heller hat sich zurück nach Wiesbaden versetzen lassen, um näher bei ihrer im Koma liegenden Schwester zu sein. Ein Handlungsmoment, das an die Anfänge von „Kommissarin Lucas“ erinnert. Die beiden Ermittler bekommen mit zwei Fällen zu tun. Ein Sonderling hat, was er gleich bekennt, seine Frau ertränkt. Kurz zuvor war ein kleines Mädchen unter den Augen der Mutter verschwunden.
Aus dieser Grundkonstellation entwickelt sich eine Handlung mit vielen feinen Beobachtungen und knappen, aber gewitzten Dialogen. Als Grundierung dient das Thema Eltern-Kind-Beziehung, breit aufgefächert, von Missbrauch bis Überbehütung.
Nicht zuletzt bezieht der Film seine Kraft aus der exzellenten Fotografie. Mit vollem Recht verzeichnet der Vorspann Hannes Hubach nicht als Kameramann, sondern als Bildgestalter. Murren freilich werden jene, die die Güte eines TV-Krimis danach bemessen, ob in den ersten Minuten ein Opfer verbrannt, gepfählt oder halbiert wird. Dergleichen gibt es diesmal nicht. Lobenswert.

„Kommissarin Heller: Tod am Weiher“, ZDF, 12.4.2014, Samstag, 20.15 Uhr

 

Nachträge (aus Platzmangel nicht in der Druckfassung erwähnt):

Anzukreiden ist den Filmschaffenden, dass auch sie wieder einmal die Schauspielerin Johanna Gastdorf in der Rolle einer Schmerzbeladenen besetzten. Wer wagt es und lässt die Aktrice mal etwas Anderes spielen?

Die beiden Anschlussfehler wurden natürlich nicht übersehen. Einmal blättert Winnie Heller in einer Art Tagebuch und trägt dabei Schutzhandschuhe, in der Nahaufnahme aber nicht. Und Anne Ratte-Polle in der Rolle der Yvonne Dahl zieht nach einem Perspektivwechsel die Wohnungstür ein zweites Mal schützend an sich heran, als ihre Mutter sie besucht.

Bei “Kommissarin Lucas” war es der Ehemann, der im Koma lag.


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